
Von irischen Küsten über australische Wälder bis zu Felsen in der Wüste: Geschichten, in denen Natur neue Perspektiven eröffnet
Städte rauschen, Bildschirme flimmern, Nachrichten prasseln im Sekundentakt. Kein Wunder, dass die Sehnsucht nach anderen Orten wächst. Nach Wäldern, Küsten, Bergen – oder nach einer Insel, die auf keiner Karte steht. In der Literatur wird die Natur oft zum Resonanzraum für Fragen, die im Alltag untergehen: Wer bin ich, wenn niemand zuschaut? Was bleibt, wenn der Lärm verstummt?
Diese sieben Bücher führen hinaus aus Wohnzimmern, Großstädten und digitalen Dauerschleifen – in Küstenorte, Parks, Wälder und Felsenlandschaften. Manchmal beginnt die Geschichte mitten im Alltag, manchmal schon in der Wildnis. Doch immer verschiebt sich der Blick: weg vom Tempo der Gegenwart, hin zu Orten, an denen etwas anderes hörbar wird.
Irische Landschaft – Familiengeschichte zwischen Gegenwart und Vergangenheit
„Das Haus der Erinnerung“ – Cynthia Ellingsen
Rainey kennt ihre Großmutter Evie besser als jeden anderen Menschen – glaubt sie zumindest. Dann bittet Evie sie plötzlich, gemeinsam nach Irland zu reisen. In das Land, aus dem sie einst fortging und über das sie immer geschwiegen hat.
Im alten Familienhaus beginnt sich die Vergangenheit zu öffnen: Briefe, Erinnerungen, eine verlorene Freundschaft. Doch gleichzeitig spürt Rainey, dass etwas Entscheidendes unausgesprochen bleibt.
Ellingsens Roman bewegt sich zwischen zwei Zeitebenen und nutzt die irische Landschaft als stillen Resonanzraum für Erinnerungen. Dorfstraßen, Küstenwind und das alte Haus wirken wie ein Gedächtnis, in dem Geschichten lange überdauern. Mehr erfahren über „Das Haus der Erinnerung“
Zwischen Stadt und Landschaft – ein Streifzug auf der Suche nach Orientierung
„Der Flügelschlag des Parrfalters“ – Andreas Rainer
Eigentlich sollte Jonas in ein Flugzeug steigen. Stattdessen dreht er um. Keine Reise, kein Plan – nur ein zielloser Weg zurück in die Stadt.
Von dort beginnt ein Streifzug durch Wien und hinaus aus der urbanen Routine: entlang der Donau, über Wiesen, auf Berge. Begegnungen, Gespräche und Beobachtungen fügen sich zu einem Mosaik aus Momenten, die plötzlich größer wirken als jede Karriereplanung.
Andreas Rainer schreibt mit dem Blick eines genauen Beobachters über das Innehalten. Natur erscheint hier nicht als dramatische Wildnis, sondern als stiller Kontrast zum Alltag – ein Ort, an dem sich Fragen stellen lassen, ohne sofort beantwortet werden zu müssen. Mehr erfahren über „Der Flügelschlag des Parrfalters“
Eine Insel außerhalb der Karten – zwischen Märchen, Mythos und Realität
„Iguana“ – Anna Maria Ortese
Auf der Suche nach Land, das er kaufen könnte, gerät der Mailänder Graf Aleardo auf eine Insel vor der portugiesischen Küste – Ocaña. Ein Ort, der kaum existiert: verfallenes Herrenhaus, verarmte Aristokraten und ein rätselhaftes Wesen namens Iguana.
Halb Mensch, halb Echse, Dienerin und zugleich etwas ganz anderes. Aleardo verfällt dem Wunsch, sie zu retten – und verliert dabei zunehmend den Halt in einer Welt, in der Realität, Mythos und Traum ineinanderfließen.
Ortese erzählt diese Geschichte wie ein modernes Märchen. Die Insel wird zum Schauplatz einer Allegorie über Macht, Ausbeutung und das fragile Verhältnis zwischen Kultur und Natur. Mehr erfahren über „Iguana“
Küste & Kleinstadt – Erinnerungen, die im Wald wieder auftauchen
„Kala“ – Colin Walsh
Kinlough an der irischen Westküste: ein Ort, an dem jeder jeden kennt – und manche Dinge lieber nicht ausgesprochen werden. Als Helen Jahre nach ihrem Weggang zurückkehrt, begegnet sie Joe und Mush wieder. Früher waren sie Teil einer Clique, die um die unberechenbare Kala Lanann kreiste. Dann verschwand Kala spurlos.
Fünfzehn Jahre später werden im Wald menschliche Überreste gefunden. Plötzlich steht die Vergangenheit wieder mitten im Raum. Walsh erzählt diese Geschichte nicht als reinen Kriminalfall, sondern als vielschichtige Rückkehr in eine Jugend, die von Loyalität, Rivalität und Schuld geprägt war.
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