Bess, die Heldin in Stacey Halls‘ „Die Verlorenen“, ist Krabbenverkäuferin im London von 1747. Weil sie arm ist, kann sie ihr Baby nicht behalten. Jahre später geht es doch, aber Charlotte ist weg.

Stacey Halls historischer Roman „Die Verlorenen“ versetzt uns ins London des 18. Jahrhunderts

21. Mai 2021 | Stephanie Pointner

Titelbild Die Verlorenen

Weil sie bettelarm ist, muss Bess ihr Baby im Kinderheim abgeben

London, 1747. Bess lebt gemeinsam mit ihrem Vater und dem Bruder in ärmsten Verhältnissen. Mit einem Krabbenverkaufsstand auf dem Markt schlägt sich die kleine Familie durch. Eines Tages begegnet Bess dem gutaussehenden und finanziell besser gestellten Daniel, doch daraus wird nichts Langfristiges. Als Bess erfährt, dass sie schwanger ist, sucht sie nach Daniel und muss erfahren, dass dieser nicht nur verheiratet war, sondern mittlerweile auch verstorben ist. Ihre bittere Armut zwing Bess, ihre geliebte, kleine Tochter im Kinderheim abzugeben. Von da an arbeitet Bess noch härter als zuvor und spart eisern, um ihre Tochter eines Tages zu sich zurück holen zu können.

Als Bess ihre Tochter abholen will, ist diese plötzlich verschwunden

Tatsächlich gelingt ihr der Kraftakt: Sechs Jahre, nachdem sie ihre Tochter im Heim abgegeben hat, will Bess sie wieder zu sich holen. Sie kann es kaum erwarten, ihr Kind in die Arme zu schließen. Doch ist das Kind zu ihrem großen Entsetzen nicht mehr im Kinderheim, da es bereits von jemand anderem abgeholt wurde. Für Bess beginnt eine dramatische und verzweifelte Suche nach ihrer Tochter. Wider Erwarten findet sie sie. Alexandra, die Witwe von Daniel, hat nach dessen Tod das Kind zu sich geholt. Sie zieht Bess‘ Tochter Charlotte wie ihr eigenes Kind auf. So wächst Charlotte in guten Verhältnissen, allerdings sehr behütet und abgeschirmt von der Außenwelt auf.

Mit ihrem Job als Kindermädchen gelingt Bess ein Schachzug

Bess gelingt es, eine Anstellung als Charlottes Kindermädchen zu ergattern. Bereits bei der ersten Begegnung stellen die beiden fest, dass sie eine Bindung zueinander haben. Dies ist Alexandra ein Dorn im Auge. Da die gesellschaftlichen Gegebenheiten nicht zulassen, dass Bess ihre Tochter zurück bekommt, schmiedet sie einen weitreichenden und gefährlichen Plan.

„Die Verlorenen“ ist ein berührender Roman über zwei Frauen 

Stacey Halls entwickelt ihre Handlung sowohl rund um Bess als auch um Alexandra. Damit glückt ihr ein wahrer Kunstgriff geglückt, da sich Leserin und Leser somit mit beiden Frauen und ihren jeweiligen Motiven identifizieren und diese nachvollziehen können. Dadurch entwickelt man beim Lesen für die beiden Frauen, die das Kind gleichermaßen lieben, Sympathie. Auch wenn Bess und Alexandra kaum Gemeinsamkeiten haben und ihr Leben nicht unterschiedlicher sein könnte, ist ihr Schicksal miteinander verknüpft. Sowohl Bess‘ dramatische Suche nach der Tochter, als auch Alexandras Liebe und Sorge für das Kind, transportieren große Emotionen und berühren. Einzig das meiner Meinung nach etwas zu abrupte und harmonische Ende von „Die Verlorenen“ wirkt unglaubwürdig und konstruiert.

Stacey Halls gewährt authentische Einblicke in das historische London

Stacey Halls versetzt uns mit ihrem Roman glaubhaft in das London von der Mitte des 18. Jahrhunderts. Bess‘ prekäre Lebensumstände und der ständige Kampf ums Überleben schildert sie authentisch, was vor allem an den Einblicken in das Leben von Bess‘ Bruder Ned liegt: Der junge Mann steht in einem ständigen Konflikt zwischen dem Wunsch, seine Familie zu ernähren, seine Alkoholsucht zu befriedigen und der körperlich harten und dreckigen Arbeit nachzugehen. Er begeht Straftaten und schreckt nicht einmal davor zurück seine eigene Schwester zu verraten. Im direkten Kontrast hierzu steht Alexandras privilegiertes Oberschichtleben, das allerdings auch von Ängsten und Sorgen geprägt ist. Stacey Halls‘ „Die Verlorenen“ verbindet historische Fakten, bildgewaltige Beschreibungen und Spannung mit authentischen Einblicken in die Lebensumstände im England jener harten Zeit. 

 

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