Dr. Libby: Einfluss von Stress auf Verdauung | BUCHSZENE

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Dr. Libby über den Einfluss von Stress auf die Verdauung

Verdauungsprobleme

Shutterstock: © Mangostar - Bildnummer: 637033678

14. Juli 2017 | Dr. Libby | Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten


Muss man Verdauungsprobleme einfach hinnehmen? Wer sie hat, sich Abend für Abend kugelrund vorkommt, abwechselnd unter Durchfall und Verstopfung leidet oder Sodbrennen bekommt, kann irgendwann einen Punkt erreichen, an dem er all das als ganz normal empfindet. Verdauungsprobleme müssen aber nicht sein. Sie sind lösbar und oft stressbedingt.

Von Dr. Libby

Wie wir uns fühlen und wie wir „funktionieren“, hängt sehr stark von der Verdauung ab: wie viel Energie wir an einem Tag haben, wie viel Fett wir verbrennen, wie die Haut aussieht oder sich anfühlt, ob wir einen geblähten Bauch haben oder wie unsere Laune ist. Verdauungsprobleme, Reizdarmsymptome oder einfach Blähungen können nicht nur auf bestimmte Lebensmittel oder Parasiten zurückgehen, sondern auch auf Stress.

Der Körper hat immer unser Bestes im Sinn. Wenn wir bei Stress Adrenalin ausschütten und der Sympathikus Alarm schlägt, weil der uns auf Kampf oder Flucht vorbereiten will, sollten wir aus körperlicher Sicht möglichst nicht daran denken, dass wir lange nichts gegessen haben. Essen wäre jetzt reine Ablenkung, weil es aktuell wichtiger ist, einer „Bedrohung“ zu entgehen, als die nächste Mahlzeit sicherzustellen.

Um uns die Flucht zu ermöglichen, wird das Blut aus dem Magen-Darm-Trakt in die Peripherie, also in Arme und Beine, umgeleitet. All das, was in diesem Stadium im Verdauungssystem ankommt, kann nicht angemessen verarbeitet werden. Eine gelungene Verdauung ist auf ein dominantes parasympathisches Nervensystem (das System für Ausruhen und Verdauen) angewiesen, nicht auf einen dominanten Sympathikus (das Kampf-oder-Flucht-System).

Löcher im Darm?

Bei einer weiteren faszinierenden Theorie, die sich auf die Verdauung bezieht, geht es um den „leaky gut“. Wörtlich übersetzt bedeutet das „undichter Darm“ oder „löchriger Darm“. Mit den dieser Theorie zugrunde liegenden Vorstellungen lassen sich weitreichende Effekte auf unser Fühlen und Funktionieren erklären, zum Beispiel die Transitzeit (wie schnell Nahrung sich durch den Verdauungstrakt bewegt), die Gemütslage, die Konzentration, das Verhalten und möglicherweise auch die Sucht nach bestimmten Lebensmitteln.

Die Zellen in der gesunden Dünndarmschleimhaut gleichen einer sauber verarbeiteten Ziegelmauer, aus der fingerförmige Ausstülpungen, die Darmzotten oder „Villi“, herausragen. Im gesunden Darm diffundieren nur die winzigen Nährstoffe (Vitamine und Mineralstoffe) durch die Darmwand ins Blut. Es kann jedoch vorkommen, dass sich zwischen den Zellen in der Darmschleimhaut Lücken (Löcher) bilden, so als ob Steine aus der Mauer herausfallen.

Verdauung bei Kleinkinder und Babys

Shutterstock: © Syda Productions – Bildnummer: 647806831

Die Verdauung in den ersten Lebensjahren

Bei der Geburt bestehen noch kleine Abstände zwischen den Darmzellen. Das ist der Grund, weshalb man Neugeborenen nicht beliebige Nahrung verabreichen kann. Ein Kind muss langsam und schrittweise an verschiedene Lebensmittel herangeführt werden, damit sich im Verlauf der Darmreifung keine Allergien herausbilden. Der zunächst unreife Darm reift von der Geburt bis ins Alter von zwei bis fünf Jahren allmählich aus. Diese Dauer ist individuell verschieden und hängt mit der Gesundheit und den Erfahrungen des Kindes in den ersten Lebensjahren zusammen.

Doch auch im Erwachsenenalter können die Zellen, die den Darm auskleiden, wieder auseinanderrücken. Gründe dafür sind eine übermäßige Produktion des Proteins Zonulin, Magen-Darm-Infekte oder übermäßiger Stress. Eine chronische Ausschüttung von Stresshormonen kann die Darmzellen schädigen und ihnen das Signal geben, sich ein wenig voneinander zu lösen, damit mehr Nährstoffe ins Blut gelangen, denn in stressigen Zeiten steigt unser Nährstoffbedarf. Alles im Körper ist auf Überleben gepolt! Das Dumme ist nur, dass wir in dieser Stressreaktion hängen bleiben können.

Der Zusammenhang zwischen Stress, Darmveränderungen und Unverträglichkeiten

In einem gesunden Darm mit einer intakten Auskleidung rutscht der Nahrungsbrei einfach nur „geradeaus“ durch. Ist die innere Zellschicht jedoch zerstört und somit durchlässig, können manche Nahrungsbruchstücke auch direkt aus dem Darm ins Blut übergehen. Dieser Vorgang ist jedoch nicht vorgesehen. Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe sind erwünscht; doch wenn andere Fragmente ins Blut gelangen, identifizieren die Immunzellen diese Nahrungsbestandteile als schädliche Fremdsubstanz und setzen Abwehrreaktionen in Gang. Auf diese Weise kann sich bei Erwachsenen eine Lebensmittelunverträglichkeit ausprägen.

Das „Warum“ ist immer der erste Schritt zur Heilung, deshalb lohnt sich die Überlegung, wann und wie es zu etwas gekommen ist.

So kommt es vor, dass man bestimmte Speisen immer gut vertragen hat, aber irgendwann nach dem Genuss plötzlich Verdauungsprobleme entstehen. Dieser Prozess kann abheilen, wenn die Darmschleimhaut geschont wird, indem man reizende Lebensmittel oder Zutaten vorübergehend weglässt und gleichzeitig die Darmgesundheit aktiv unterstützt. Sobald wir herausfinden, warum die entsprechende Symptomatik erstmals eingetreten ist, kehrt die Toleranz gegenüber diesen Substanzen oft wieder zurück. Manchmal stecken beispielsweise Stress oder eine Infektion dahinter.

Verdauungsprobleme

Shutterstock: © wavebreakmedia –
Bildnummer: 388594273

Hören Sie auf Ihren Bauch!

Wenn eine ernste Darmerkrankung ausgeschlossen ist, wenn Sie ernsthaft (und ich meine wirklich ernsthaft) alle möglichen Diäten und den Verzicht verschiedener Lebensmittel und Inhaltsstoffe (z. B. Gluten) ausprobiert haben, wenn Sie vielleicht sogar mit Heilpflanzen gegen unerwünschte Darmbakterien vorgegangen sind, aber dennoch typische Reizdarmbeschwerden oder ein geblähter Bauch vorliegen, dann sollte man diese Symptome als Weckruf des Verdauungssystems betrachten. Der Körper schreit nach einer anderen Behandlung.

An diesem Punkt ist Schluss mit halbherzigen Versuchen und mit nutzlosen Mittelchen. Jetzt geht es um das Sein. Sie müssen sich bewusst Zeit für sich selbst einräumen. Es ist an der Zeit, das persönliche Bauchgefühl zu akzeptieren und auf die eigene Intuition zu hören. Diesmal führt die Reise vom Kopf zum Herzen. Jetzt ist Schluss mit der Rennerei, buchstäblich und im übertragenen Sinne.

Erinnern Sie sich daran, dass Sie mehr sind als Ihre Vergangenheit, mehr als Ihre Geschichten. Was immer auch gewesen ist, es kann Sie nur noch verletzen, wenn Sie es heute zulassen. Es ist an der Zeit, dass Sie voll und ganz akzeptieren, dass Sie wunderbar sind und dass Sie geliebt werden – genau so, wie Sie sind.

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