Dr. Libby im Interview über das Rushing Woman Syndrom | BUCHSZENE

„Das Rushing Woman Syndrom“ – Dr. Libby über Kaffee, Diäten und ihre Wirkung auf unser Wohlbefinden

Dr. Libby Autorin von Das Rushing Woman Syndrom

© Kimberley Archer, www.kimberleyarcher.co.uk

12. Juni 2017 | Redaktion


Wussten Sie, dass Kaffee den Körper in einen permanenten Alarmzustand versetzt? Dr. Libby, Biochemikerin und Autorin von „Das Rushing Woman Syndrom“, spricht über Alkohol, Diäten und was uns gut tut.

Interview: Jörg Steinleitner und Nana Klaass

Dr. Libby, Kaffee ist eines der Nahrungsmittel, die Sie als Ernährungsexpertin ziemlich ins Visier genommen haben. Was ist gegen ein, zwei Tassen Kaffee zum Frühstück und ein, zwei weitere am Nachmittag einzuwenden?

Eine kleinere Menge Coffein kann schon für manche Menschen förderlich sein. Aber trotzdem ermutige ich alle, speziell die „Rushing Women“, dazu, mal für vier Wochen auf Coffein zu verzichten, damit sie sehen, wie sie sich danach fühlen.

Was passiert mit unserem Körper, wenn wir Kaffee trinken?

Coffein erhöht die Produktion des Hormons Adrenalin, das Gefahr signalisiert und mit jeder Körperzelle kommuniziert. Das Nervensystem weiß nicht, dass der erhöhte Adrenalinausstoß nicht mit einer körperlichen Gefahr für unser Leben, sondern allein vom Coffein des Kaffees kommt, den wir trinken.

Das heißt der Körper befindet sich im Daueralarmzustand?

Ja, mit dem erhöhten Adrenalinlevel ist deshalb die Wahrscheinlichkeit größer, dass wir keinen erholsamen Schlaf finden, entgegen unseren Bedürfnissen einen stärkeren Appetit auf Süßes entwickeln und es uns schwerer fällt, das eingelagerte Körperfett zu verbrauchen, anstatt Glucose. Wenn wir erst die Glucose zur Energieverbrennung verwenden und nicht das Körperfett, das ja unser „Notfallvorrat“ ist, dann wird sich unser Körper dagegen wehren, den Glucose-Pegel absinken zu lassen, weshalb wir automatisch wieder Appetit auf Glucose bekommen. Als nächstes geht es los mit den Selbstbeschuldigungen, nämlich dass wir nicht stark genug seien, diesen Dingen zu widerstehen, obwohl wir es uns doch vorgenommen haben.

Auch Alkohol ist für Sie ein Faktor, der Stress in ein Frauenleben bringen kann. Heißt das, wir dürfen nichts mehr trinken, wenn wir dem Permastress entkommen wollen? Bitte erklären Sie die biochemischen Zusammenhänge.

Der menschliche Körper kann Alkohol nicht ausscheiden. Unsere Leber muss ihn zu Acetaldehyd (Ethanol) umwandeln, das dann ausgeschieden werden kann. Das ist die gemeine Substanz, die am nächsten Tag für Kopfschmerzen sorgt. Falls die Leber diesen Job nicht gut genug macht, dann bleibt der Alkohol im Blut und es besteht die Gefahr ins Koma zu fallen und zu sterben. Alkohol ist hochgiftig. Dessen müssen wir uns bewusst sein. Aber zum Glück macht unsere Leber zuverlässig ihren Job. Allerdings fordert dieser Prozess im Laufe der Zeit seinen Tribut.

Sollen wir denn gar keinen Alkohol mehr trinken?

Ich will Sie jetzt nicht zwingen, keinen Alkohol zu trinken; es sei denn Sie haben das Bedürfnis dazu oder Sie haben das Gefühl, in eine Abhängigkeit zu rutschen. Alkoholkonsum kann ja auch ein Gewinn sein für diejenigen, die daran teilhaben. Aber ich appelliere dazu, dass wir uns selbst gegenüber ehrlich bleiben und genau beobachten, wie der Alkohol unser Leben beeinflusst. Jede und jeder spürt es ganz genau, wenn sie oder er zu viel trinkt und wann der Alkoholgenuss beginnt, die Gesundheit zu beeinträchtigen.

An einer Stelle Ihres Buchs fordern Sie uns auf, die Hand zur Faust zu ballen und schreiben dazu: „So groß ist ein ungefüllter Magen.“ Bitte verraten Sie, was Sie damit ausdrücken wollen.

Ganz einfach: Zu viele Menschen essen zu viel und wenn sie verstehen, dass ihr leerer Magen nur die Größe einer Faust hat, kann ihnen das helfen kleinere Portionen zu essen und die Überfüllung ihres Magens zu vermeiden.

Und was genau sollten wir essen?

Vollwertige Nahrung, so wie sie aus der Natur kommt oder jedenfalls mit wenig menschlichen „Eingriffen“, wie ich das nenne.

Vollkommen überrascht uns Ihre Aussage, wir sollten zum Essen kein Wasser trinken.

Für eine effektive Verdauung braucht unsere Magensäure einen pH-Wert von ungefähr 2. Wasser hat einen pH-Wert von 7 oder höher, das ist abhängig von dem Mineralgehalt; je höher der Mineralgehalt, umso mehr steigt der alkalische Gehalt und damit der pH-Wert. Was passiert, wenn man eine Flüssigkeit mit einem pH-Wert von 7 oder höher mit einer anderen mit einem pH-Wert von 2 vermischt? Sie wird verdünnt. Wir brauchen aber für die Verdauung die volle Kraft der Magensäure, um das Maximum der Nährstoffe aus unserer Nahrung für unseren Körper herauszuholen. Ich halte es deshalb für ideal, Wasser 30 Minuten vor oder nach dem Essen zu trinken.

Einer Ihrer interessantesten Sätze ist: „Fettabbau hat nicht nur mit Kalorien zu tun.“ Wie ist das gemeint?

Dass es zu kurz gedacht ist, nur auf die verbrannten Kalorien zu schauen. Diese Rechnung ist überholt, weil sie nicht alle Aspekte des Stoffwechsels und der Verdauung ausreichend berücksichtigt. In meinem Buch „Stoffwechsel-Geheimnis“ erkläre ich neun Faktoren, die bestimmen, ob der Körper die Botschaft erhält Fett zu verbrennen oder es einzulagern. Wir müssen mit den Diäten aufhören und anfangen uns zu ernähren.

Sie ermutigen uns dazu, ganz bewusst in der Gegenwart zu leben. Das ist aber leider nicht so einfach!

Aber es lohnt sich. Kleine Veränderungen können große Folgen nach sich ziehen. Sich zum Beispiel darauf zu konzentrieren, dankbar zu sein. Wenn Sie dankbar sind, können Sie nicht gestresst sein. Schreiben Sie jeden Tag drei Dinge auf oder sprechen Sie sie laut aus, für die Sie dankbar sind. Das tut Ihnen gut!

Lesen Sie Teil 1 des Interviews mit Dr. Libby

Dr. Libby

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