Frau Dr. Meinhold, Ihre beiden Bücher „Bruna-Brunhilde“ und „Marias Sehnsucht“ stellen zwei starke Frauen in den Mittelpunkt. Was fasziniert Sie an Bruna-Brunhilde, der Königin und Nibelungentochter, dass Sie Ihr einen ganzen Roman widmen?
Dafür gibt es viele Gründe. Beginnen wir mit dem gleichsam übergeordneten Grund: Brunhilde war eine historische Person des 6. Jahrhunderts mit einem außergewöhnlichen Leben. Sie existierte wirklich, und die Zeitgenossen berichteten über sie: Einmal nannten sie sie Teufelin, das andere Mal bewunderten sie Brunhilde wegen ihrer Schönheit. Ersteres überrascht nicht. Sie war ja eine Frau, die sich männliche Rechte herausnahm. Auch das Recht, mit Papst Gregor dem Großen zu korrespondieren. Er schätzte sie als Erzieherin und Mutter.
Wie sind Sie auf das Thema gestoßen?
Unter dem Schreiben meiner Doktorarbeit im Fach Geschichte begegnete mir die merowingische Königin in historischen Quellen. Damals schon nahm ich mir vor, über sie einen Roman zu schreiben. Keine wissenschaftliche Abhandlung sollte es werden. Mich faszinierte die Einzigartigkeit dieses Lebens. In dieser Zeit gab es keine vergleichbare weibliche Existenz. Die damalige Welt – Adel, Papsttum, Herrschertum – erfuhr männliche Prägung.
Für Brunhilde war es selbstverständlich, als Frau politisch zu agieren. Woher kam das?
Ein männliches Vorbild für ihr Handeln mochte ihr westgotischer Vater gewesen sein. Sie kam ja aus Spanien, dem Reich der Westgoten, aus südlicher Sonne, in das Reich der Franken, um dort einen merowingischen Herrscher zu heiraten. Aus politischen Gründen. Der Franke war als fränkischer König zur Verteidigung seiner Herrschaft auf das Geld des reichen Westgoten, Brunhildes Vater, angewiesen. Die Tochter kannte ihren zukünftigen Mann Sigibert nicht. Daraus werden im Roman eine besondere Begegnung und eine große Liebe.
Gibt es weitere Dinge, die Sie an Brunhilde faszinieren?
Ein weiterer Grund stellt sich in der Tatsache dar, dass Brunhildes Leben literarischen Eingang fand in das Nibelungenlied des 13. Jahrhunderts. Einige werden dieses Epos kennen: Der Wormser Hof, Kriemhilde und Brunhilde, das grausame Ende der fränkischen Sippe im Reich Etzels. Brunhilde war das Vorbild für die Brunhilde im Nibelungenlied. Bis heute kennen wir dessen Autor nicht. Aber es scheint in Lorsch verfasst worden zu sein. Einem Kloster, nicht weit entfernt von Brunhildes Hof Worms.
Warum „Nibelungentochter“?
In Burgund zur Zeit Brunhildes lebten Nibelungen. Als Teil der Burgunder ein von den fränkischen Eroberern mehrfach vertriebenes Volk. Im Roman ist Bruna- Brunhilde für die Nibelungen ihre Königin, die in der Brünne, dem Brustpanzer, kämpft. Der Roman erzählt von deren Liebe zu ihr. Deshalb lautet der Romanuntertitel auch auf „Nibelungentochter“.
Brunhilde wird geliebt und gefürchtet von ihrem angeheirateten Neffen Chlotar II. und dem ihn umgebenden mächtigen Adel, der die eigenen Machtansprüche durchsetzen will.
Einschüchtern lässt Bruna-Brunhilde sich nicht. Auch nicht angesichts des von ihrem Neffen und Gegner Chlotar II. zwar nicht initiierten, aber auch nicht widersprochenen Urteils, das ihren Tod fordert. Grausam war er in den historischen Berichten. Zerrissen bei lebendigem Leib von vier wilden Pferden. So berichten jedenfalls die ihr nicht gewogenen Quellen. Der Geschichtsschreiber Fredegar hasste sie.
War das Propaganda?
Vielleicht. Der Roman wählt ein anderes Ende. Ein historischer Roman erzählt. Nur zu berichten, das interessiert die Leser nicht. Sie wollen mitfühlen, ohne dass aus dem Ganzen Fakes werden. Die Freiheiten dieser Gattung nutze ich, um den Lesern die ferne Zeit näher zu bringen. Alles, was erzählt wird, respektiert die historischen Fakten. Ich versuche aber immer beim Schreiben ein Gesamtbild zu malen. Deshalb wird auch von den medizinischen Kenntnissen dieser Zeit erzählt. Und von vielen anderen Personen und Ereignissen. Von Brunhildes Freunden und Lieben.
Warum trägt sie den Beinamen Bruna?
Eine Reminiszenz vielleicht an die Heimat der Westgotin und an den Vater, der ihr – literarische Freiheit – den Namen gibt.
War Bruna-Brunhilde „böse“ oder skrupellos?
Diese Frage kann man so nicht stellen. Dass sie manchen Zeitgenossen als Teufelin galt, war wohl eher Propaganda. Die politische Wirklichkeit des 6. Jahrhunderts musste bewahrt werden: Männer als Herrscher. Die Westgotin und Merowingerin lebte und handelte in dem juristischen Rahmen, der im 6. Jahrhundert galt. Wir können unser Rechtsempfinden nicht einfach auf die merowingische Zeit übertragen. Und: Ist unsere Zeit weniger skrupellos?
Hinrichtungen veranlasste der Herrscher.
Schon, aber ob Bruna-Brunhilde selbst Hinrichtungen anordnete, darüber gibt es keine Quellen. Im Roman duldet sie die Tötung eines Enkels. Und da sind wir beim Thema: Nach der Ermordung ihres Mannes, ihres Sohnes, ihres Enkels herrschte sie nicht nur für sie, sondern auch für ihren Ur-Enkel. Für mehrere Generationen demnach. Auch ein Grund, über sie zu schreiben. Ihre Hinrichtung oder ihr Selbstmord erfolgte in Bruna-Brunhildes Alter von etwa 60 Jahren. Ein hohes Alter in dieser Zeit. Sie war eine starke und kluge Frau. Das ist nicht nur eine Aussage im Roman, sondern dies finden wir auch in der historischen Überlieferung; und zwar bei Koryphäen – neben anderen auch Papst Gregor der Große und der Geschichtsschreiber Gregor von Tours -, die ihre Zeitgenossen waren. Der oder die Leserin mag für sich entscheiden, wer die merowingische Herrscherin war.
Wie ist es mit Bruna-Brunhilde und der Liebe?
Die Liebe Bruna-Brunhildes zu ihrem Mann, dem Sohn, den Enkeln spielt im Roman eine wesentliche Rolle. Die historischen Quellen liefern dazu keine Erkenntnisse. Wir können aber auf ihre Liebesfähigkeit schließen, ohne die Geschichte zu vergewaltigen.
Sie zitieren auch Ovids „Ars Amatoria“. War dieses freizügige Stück Literatur seinerzeit gut zugänglich?
Ach ja, die „Ars Amatoria“ Ovids. „Frei zugänglich“ war dieses Stück freizügige Literatur nicht. Bruna-Brunhilde hat wohl Zugriff auf diesen Text. Im Roman. Ihre Untertanen nicht. Sie konnten nicht lesen. Und: Abschriften befanden sich in Bibliotheken. Princeps Augustus schickte Ovid wegen dieses freizügigen Textes über das erotische Recht der Frauen in die Verbannung.
Neben Bruna-Brunhilde haben Sie auch noch den historischen Roman „Marias Sehnsucht“ verfasst. Von welcher Maria erzählen Sie?
Meine Jüdin Maria ist nicht die Maria Magdalena der katholischen Kirche. Erstere lebt im Roman bis zu ihrem Tod als eine Jüdin, die ihren jüdischen Glauben behält. Auch angesichts des zu ihrer Lebenszeit sich entwickelnden Christentums. Leser des Romans zeigten ihre Überraschung angesichts der jüdischen Maria. Sie verstanden dann, dass es nicht um die Maria-Magdalena geht. Deshalb heißt der Jesus des Neuen Testamentes auch Joshua. So nannten ihn die Juden. Joshua war Jude. Als Jude wurde er hingerichtet. Historische Romane · Interviews · Rezensionen
Dr. Uschi Meinhold im Interview über ihre historischen Romane „Bruna-Brunhilde“ und „Marias Sehnsucht“
Die eine war eine Herrscherin, die andere eine emanzipierte Jüdin. Die Schriftstellerin Dr. Uschi Meinhold über die modernen Heldinnen ihrer beiden historischen Romane.
Frau Dr. Meinhold, Ihre beiden Bücher „Bruna-Brunhilde“ und „Marias Sehnsucht“ stellen zwei starke Frauen in den Mittelpunkt. Was fasziniert Sie an Bruna-Brunhilde, der Königin und Nibelungentochter, dass Sie Ihr einen ganzen Roman widmen?
Dafür gibt es viele Gründe. Beginnen wir mit dem gleichsam übergeordneten Grund: Brunhilde war eine historische Person des 6. Jahrhunderts mit einem außergewöhnlichen Leben. Sie existierte wirklich, und die Zeitgenossen berichteten über sie: Einmal nannten sie sie Teufelin, das andere Mal bewunderten sie Brunhilde wegen ihrer Schönheit. Ersteres überrascht nicht. Sie war ja eine Frau, die sich männliche Rechte herausnahm. Auch das Recht, mit Papst Gregor dem Großen zu korrespondieren. Er schätzte sie als Erzieherin und Mutter.
Wie sind Sie auf das Thema gestoßen?
Unter dem Schreiben meiner Doktorarbeit im Fach Geschichte begegnete mir die merowingische Königin in historischen Quellen. Damals schon nahm ich mir vor, über sie einen Roman zu schreiben. Keine wissenschaftliche Abhandlung sollte es werden. Mich faszinierte die Einzigartigkeit dieses Lebens. In dieser Zeit gab es keine vergleichbare weibliche Existenz. Die damalige Welt – Adel, Papsttum, Herrschertum – erfuhr männliche Prägung.
Für Brunhilde war es selbstverständlich, als Frau politisch zu agieren. Woher kam das?
Ein männliches Vorbild für ihr Handeln mochte ihr westgotischer Vater gewesen sein. Sie kam ja aus Spanien, dem Reich der Westgoten, aus südlicher Sonne, in das Reich der Franken, um dort einen merowingischen Herrscher zu heiraten. Aus politischen Gründen. Der Franke war als fränkischer König zur Verteidigung seiner Herrschaft auf das Geld des reichen Westgoten, Brunhildes Vater, angewiesen. Die Tochter kannte ihren zukünftigen Mann Sigibert nicht. Daraus werden im Roman eine besondere Begegnung und eine große Liebe.
Gibt es weitere Dinge, die Sie an Brunhilde faszinieren?
Ein weiterer Grund stellt sich in der Tatsache dar, dass Brunhildes Leben literarischen Eingang fand in das Nibelungenlied des 13. Jahrhunderts. Einige werden dieses Epos kennen: Der Wormser Hof, Kriemhilde und Brunhilde, das grausame Ende der fränkischen Sippe im Reich Etzels. Brunhilde war das Vorbild für die Brunhilde im Nibelungenlied. Bis heute kennen wir dessen Autor nicht. Aber es scheint in Lorsch verfasst worden zu sein. Einem Kloster, nicht weit entfernt von Brunhildes Hof Worms.
Warum „Nibelungentochter“?
In Burgund zur Zeit Brunhildes lebten Nibelungen. Als Teil der Burgunder ein von den fränkischen Eroberern mehrfach vertriebenes Volk. Im Roman ist Bruna- Brunhilde für die Nibelungen ihre Königin, die in der Brünne, dem Brustpanzer, kämpft. Der Roman erzählt von deren Liebe zu ihr. Deshalb lautet der Romanuntertitel auch auf „Nibelungentochter“.
Brunhilde wird geliebt und gefürchtet von ihrem angeheirateten Neffen Chlotar II. und dem ihn umgebenden mächtigen Adel, der die eigenen Machtansprüche durchsetzen will.
Einschüchtern lässt Bruna-Brunhilde sich nicht. Auch nicht angesichts des von ihrem Neffen und Gegner Chlotar II. zwar nicht initiierten, aber auch nicht widersprochenen Urteils, das ihren Tod fordert. Grausam war er in den historischen Berichten. Zerrissen bei lebendigem Leib von vier wilden Pferden. So berichten jedenfalls die ihr nicht gewogenen Quellen. Der Geschichtsschreiber Fredegar hasste sie.
War das Propaganda?
Vielleicht. Der Roman wählt ein anderes Ende. Ein historischer Roman erzählt. Nur zu berichten, das interessiert die Leser nicht. Sie wollen mitfühlen, ohne dass aus dem Ganzen Fakes werden. Die Freiheiten dieser Gattung nutze ich, um den Lesern die ferne Zeit näher zu bringen. Alles, was erzählt wird, respektiert die historischen Fakten. Ich versuche aber immer beim Schreiben ein Gesamtbild zu malen. Deshalb wird auch von den medizinischen Kenntnissen dieser Zeit erzählt. Und von vielen anderen Personen und Ereignissen. Von Brunhildes Freunden und Lieben.
Warum trägt sie den Beinamen Bruna?
Eine Reminiszenz vielleicht an die Heimat der Westgotin und an den Vater, der ihr – literarische Freiheit – den Namen gibt.
War Bruna-Brunhilde „böse“ oder skrupellos?
Diese Frage kann man so nicht stellen. Dass sie manchen Zeitgenossen als Teufelin galt, war wohl eher Propaganda. Die politische Wirklichkeit des 6. Jahrhunderts musste bewahrt werden: Männer als Herrscher. Die Westgotin und Merowingerin lebte und handelte in dem juristischen Rahmen, der im 6. Jahrhundert galt. Wir können unser Rechtsempfinden nicht einfach auf die merowingische Zeit übertragen. Und: Ist unsere Zeit weniger skrupellos?
Hinrichtungen veranlasste der Herrscher.
Schon, aber ob Bruna-Brunhilde selbst Hinrichtungen anordnete, darüber gibt es keine Quellen. Im Roman duldet sie die Tötung eines Enkels. Und da sind wir beim Thema: Nach der Ermordung ihres Mannes, ihres Sohnes, ihres Enkels herrschte sie nicht nur für sie, sondern auch für ihren Ur-Enkel. Für mehrere Generationen demnach. Auch ein Grund, über sie zu schreiben. Ihre Hinrichtung oder ihr Selbstmord erfolgte in Bruna-Brunhildes Alter von etwa 60 Jahren. Ein hohes Alter in dieser Zeit. Sie war eine starke und kluge Frau. Das ist nicht nur eine Aussage im Roman, sondern dies finden wir auch in der historischen Überlieferung; und zwar bei Koryphäen – neben anderen auch Papst Gregor der Große und der Geschichtsschreiber Gregor von Tours -, die ihre Zeitgenossen waren. Der oder die Leserin mag für sich entscheiden, wer die merowingische Herrscherin war.
Wie ist es mit Bruna-Brunhilde und der Liebe?
Die Liebe Bruna-Brunhildes zu ihrem Mann, dem Sohn, den Enkeln spielt im Roman eine wesentliche Rolle. Die historischen Quellen liefern dazu keine Erkenntnisse. Wir können aber auf ihre Liebesfähigkeit schließen, ohne die Geschichte zu vergewaltigen.
Sie zitieren auch Ovids „Ars Amatoria“. War dieses freizügige Stück Literatur seinerzeit gut zugänglich?
Ach ja, die „Ars Amatoria“ Ovids. „Frei zugänglich“ war dieses Stück freizügige Literatur nicht. Bruna-Brunhilde hat wohl Zugriff auf diesen Text. Im Roman. Ihre Untertanen nicht. Sie konnten nicht lesen. Und: Abschriften befanden sich in Bibliotheken. Princeps Augustus schickte Ovid wegen dieses freizügigen Textes über das erotische Recht der Frauen in die Verbannung.
Neben Bruna-Brunhilde haben Sie auch noch den historischen Roman „Marias Sehnsucht“ verfasst. Von welcher Maria erzählen Sie?
Meine Jüdin Maria ist nicht die Maria Magdalena der katholischen Kirche. Erstere lebt im Roman bis zu ihrem Tod als eine Jüdin, die ihren jüdischen Glauben behält. Auch angesichts des zu ihrer Lebenszeit sich entwickelnden Christentums. Leser des Romans zeigten ihre Überraschung angesichts der jüdischen Maria. Sie verstanden dann, dass es nicht um die Maria-Magdalena geht. Deshalb heißt der Jesus des Neuen Testamentes auch Joshua. So nannten ihn die Juden. Joshua war Jude. Als Jude wurde er hingerichtet. Chat
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