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Dr. Libby über Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Schilddrüsenunterfunktion

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27. Juni 2017 | Dr. Libby | Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten


Wussten Sie, dass die Schilddrüse zwingend auf Iod angewiesen ist? Dr. Libby erklärt die Schilddrüsenunterfunktion und ihre Symptome, was Schokoladenliebhaber wissen müssen und wie man die Gesundheit der Schilddrüse fördern kann.

Von Dr. Libby

Beim Thema Dauerstress sollten wir auf keinen Fall die Schilddrüse (Glandula thyreoidea) übersehen. Sie ist eine kleine, schmetterlingsförmige Drüse am Hals. Die dort erzeugten Hormone haben starken Einfluss auf Stoffwechselgeschwindigkeit, Temperaturregulierung und Energielevel. Bei der weit verbreiteten Schilddrüsenunterfunktion kommt es leicht zu einem hartnäckigen Gewichtszuwachs, dem man erst durch Behandlung der Grundkrankheit zu Leibe rücken kann.

Das Erste, was mir beim Gedanken an eine unzureichende Schilddrüsenfunktion in den Sinn kommt, ist das Verlangen nach Kaffee. Die Betroffenen erzählen mir praktisch durchgängig, dass Kaffee sie glücklich macht, und dass sie sich eigentlich nur in den ersten 20 Minuten nach einer Tasse Kaffee „normal“ fühlen.

Auch Schokolade finden Hypothyreose-Patientinnen zumeist sehr hilfreich, und das liegt nicht unbedingt nur am Koffeingehalt, sondern auch an ihrer förderlichen Wirkung auf die Dopaminausschüttung. Dopamin ist ein Neurotransmitter, dessen Fehlen bei Depressionen eine Rolle spielen kann, wohingegen ein Übermaß Suchtverhalten fördern kann. Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion fühlen sich mit Schokolade daher oft etwas besser. Was keineswegs bedeutet, dass jeder, der Schokolade liebt, ein Schilddrüsenproblem hat! Viele Leute mögen Schokolade einfach so.

Schilddrüse

Shutterstock: © OKcamera
Bildnummer: 469479308

Klassische Hinweise auf eine Schilddrüsenunterfunktion sind:

  • allmähliche Gewichtszunahme über Monate hinweg ohne ersichtlichen Grund,
  • häufiges Frösteln, mitunter bis in die Knochen, als würde einem nie richtig warm sein,
  • Darmträgheit, Neigung zu Verstopfung,
  • Niedergeschlagenheit, Vergesslichkeit und das Gefühl, sich leicht durcheinanderbringen zu lassen,
  • Haarausfall oder trockeneres Haar als früher,
  • trockene, brüchige Nägel,
  • Menstruationsstörungen,
  • Schwierigkeiten mit der Empfängnis,
  • unendliche Müdigkeit oder das Gefühl, ständig abgekämpft zu sein,
  • Kopfschmerzen.

Frauen mit Schilddrüsenunterfunktion neigen zu einer abgrundtiefen Müdigkeit und reagieren eher depressiv als rastlos und besorgt. Mir sind jedoch zahllose Frauen begegnet, die bezüglich Verhalten und Stimmung zwischen den beiden Extremen hin und her pendeln. Deshalb war es mir wichtig, beide Pole der Schilddrüsenfunktion näher zu untersuchen. Da die Schilddrüse der Hypophyse untersteht, wird sie bei einer Fehlfunktion, bei der aufgrund der persönlichen Wahrnehmung von hohem Druck und mangelnder „Sicherheit“ das ganze endokrine System aus dem Gleichgewicht gerät, häufig in Mitleidenschaft gezogen.

Sehen wir uns einmal an, wie es zu einer Schilddrüsenunterfunktion kommen kann und wie man die Gesundheit der Schilddrüse unterstützen kann.

Mineralstoffmangel

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann von einem Mangel an Selen, Iod und Eisen beeinflusst sein. Wählen Sie Nahrung, die viel von diesen Mineralien enthält. Paranüsse liefern Selen, Meersalz und Algen (zum Beispiel Kombu) tragen zur Iodversorgung bei. Gute Eisenquellen sind:

  • Rindfleisch,
  • Lammfleisch,
  • Eier,
  • Muscheln,
  • Sardinen,
  • Linsen,
  • grünes Blattgemüse und Datteln.

Viele Lebensmittel haben zudem einen geringen Eisengehalt, sodass es wie üblich auf die Vielfalt ankommt. Wichtig ist auch, dass der Körper Eisen leichter aufnimmt, wenn Vitamin C vorhanden ist. Der Eisenbedarf lässt sich auch ohne tierische Produkte decken. Bei manchen Vegetarierinnen nutzt der Körper auch Eisen aus pflanzlichen Quellen sehr effizient. Mit einem Bluttest können der Eisengehalt und die Menge des gespeicherten Eisens (Ferritin) überprüft werden.

Natürlich kann man diese Mineralstoffe auch über ein Ergänzungsmittel zuführen. Es gibt auf dem Markt ausgezeichnete Mittel zur Unterstützung der Schilddrüse. Vor der Einnahme von Eisen sollte man beim Arzt den Eisenspiegel ermitteln lassen, weil eine Überdosierung auch nicht gesund ist. Bei nachgewiesenem Eisenmangel kann es ohne gezielte Ergänzung sehr lange dauern, die Speicher wieder aufzufüllen. Ein Bluttest ist also nützlich. Viele Ergänzungsmittel mit Eisen verursachen Verstopfung, doch bei flüssigen Eisenpräparaten bleibt diese Nebenwirkung meist aus.

Die Bedeutung von Iod für den Stoffwechsel

Iod ist für den Stoffwechsel so unerlässlich, dass der Körper ohne Iod bestimmte Funktionen einstellt. Die Schilddrüse ist zwingend auf Iod angewiesen, sie kann ohne diesen Mineralstoff keine Schilddrüsenhormone produzieren. Zu den Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion zählen:

  • starke Müdigkeit und Trägheit,
  • trockene Haut oder trockenes Haar,
  • Frösteln,
  • Verstopfungsneigung,
  • verquollene Augen und Niedergeschlagenheit.

Eine erhöhte Iodzufuhr kann hier helfen. Schilddrüsenhormone haben entscheidenden Einfluss auf das Stoffwechseltempo von Erwachsenen und das Wachstum von Kindern. Schon im Mutterleib hat die Iodversorgung Einfluss auf die Gehirnentwicklung und die Intelligenz. Neuere Studien belegen leider, dass manche Kinder in der westlichen Welt so stark unter Iodmangel gelitten haben, dass dadurch ihr Intelligenzquotient gemindert ist.

Iodsalz

Shutterstock: © AlenKadr – Bildnummer: 545342410

Warum ist das so?

Viele Böden sind sehr iodarm, und ein Nährstoff, der nicht in der Erde steckt, kann nicht in die Nahrung gelangen. Früher nahmen wir über Vollkorngetreide von iodhaltigem Ackerland noch gewisse Iodmengen zu uns, aber inzwischen sind viele Böden ausgelaugt. Böden sind also eher schlechte Iodquellen, Meere haben etwas mehr davon zu bieten.

Wo kommt Iod vor?

Gute Iodlieferanten sind Meeresalgen aller Art. Mit Algen kann man Suppen, Eintöpfe, Aufläufe oder Salate würzen. Sie sind leicht salzig und erhöhen den Mineralstoffgehalt des Essens. Nori-Algen werden gern für Sushi verwendet. In etwas geringeren Mengen ist Iod auch in Fisch, Muscheln und anderen Meeresfrüchten enthalten, doch selbst der tägliche Verzehr von Lebensmitteln aus dem Meer ist für die optimale Iodversorgung nicht ausreichend.

Iodsalz, also mit Iod angereichertes Speisesalz, ist seit 1924 auf dem Markt, wobei es neuerdings aber durch den Siegeszug von Steinsalz (wie Himalaya-Salz) und Meersalz (aus der Carmargue oder aus der Bretagne) aus der Mode gekommen ist. Meersalz liefert zwar eine breite Palette an Spurenelementen, hat aber zu wenig Iod, wenn es nicht mit Iod versetzt wurde. Das einzig Bedenkliche an konventionellem Iodsalz sind allenfalls die Trennmittel bzw. Rieselhilfen, die ein Verklumpen verhindern sollen.

Iod im menschlichen Körper

Die Wirkung einer Iodtherapie auf das gesunde Brustgewebe ist gut bekannt, wird aber nur selten thematisiert. Auch in den Eierstöcken wird Iod eingelagert und Studien zufolge wird eine bestimmte Östrogenvariante, die mit Brustkrebs in Verbindung gebracht wird, von den Eierstöcken erst bei Iodmangel erzeugt. Diese Veränderung ist reversibel, sobald wieder ein optimaler Iodspiegel erreicht ist. Die Iodmengen im Körper sind gar nicht so leicht nachzumessen. Für einen korrekten Test muss man 24 Stunden lang seinen gesamten Urin auffangen, und dieses Verfahren wird nicht überall auf der Welt angeboten. Erwachsene Frauen benötigen 120 Mikrogramm (μg) Iod pro Tag, um einem Iodmangel vorzubeugen, Männer benötigen 150 μg.

Weitaus sinnvoller ist jedoch die Ermittlung der individuell erforderlichen Dosis. Zur Behandlung eines Iodmangels sind anfangs oft Mengen zwischen zwölf und 50 Milligramm (mg) erforderlich. Das ist mit einem bis drei Tropfen einer hochwertigen Iodlösung pro Tag leicht zu erreichen. Lassen Sie sich am besten in der Apotheke oder von Ihrem Arzt beraten, wie Sie Ihren individuellen Bedarf optimal decken können.

Schilddrüsenmedikamente

Nach der Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion wird heutzutage zumeist Thyroxin (T 4) verordnet. Manchen Menschen geht es damit blendend, und alle entsprechenden Symptome einschließlich der Gewichtszunahme gehen zurück. Wenn die Thyroxineinnahme langfristig nicht in dieser Form anschlägt, kann ein anderer Ansatz zum Ziel führen. Nach jahrelanger vergeblicher Thyroxineinnahme hilft das bisherige Medikament offenbar nicht weiter. Es gibt jedoch unterschiedliche Präparate. Sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt, falls es Ihnen trotz Medikation nach wie vor schlecht geht.

Manchmal hilft der Wechsel zu einem anderen Mittel. Ich habe etliche Male die umgekehrte Variante gesehen: Eine Frau war mit ihrem Thyroxinpräparat rundum zufrieden, bis nach einem Präparatwechsel alle Symptome zurückkehrten. Ziehen Sie diese Möglichkeit auch in Betracht, wenn die Blutwerte für TSH, fT 4 und T 3 „normal“ sind, aber dennoch weiterhin Symptome vorliegen.

Eine hilfreiche Alternative bei Schilddrüsenunterfunktion ist natürlicher Schilddrüsenextrakt. Er wird anstelle von synthetischen Wirkstoffen eingenommen und stellt nicht nur ein Schilddrüsenhormon bereit, sondern das gesamte Spektrum. Besprechen Sie eine mögliche Umstellung und deren Ablauf jedoch unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt.

Wenn bei Ihnen keine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert wurde, aber zahlreiche passende Symptome vorliegen, reichen Bluttests allein für eine Diagnose nicht aus. Suchen Sie sich einen Therapeuten, der Ihre Symptome und nicht Ihre Blutwerte behandelt, der aber beides im Auge behält, wenn Sie verschiedene Behandlungsansätze ausprobieren. „Normale“ Blutwerte bei anhaltenden Symptomen sind nicht ausreichend.

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