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Mein Ermittler ist anders als die anderen! Logisch. Alle sind immer anders.
Pressearbeit! Unerlässlich für Autoren, auch und gerade in Corona-Zeiten. Mein „Münchner Gsindl“ ist da und los geht es. Klappern gehört zum Handwerk. Und da sollte man Alleinstellungsmerkmale vorweisen können. Ganz wichtig: Mein Ermittler ist anders als die anderen! Logisch. Alle sind immer anders, bloß nicht normal! Drogen-/Alkoholprobleme, Einsamkeit und Verwahrlosung (emotional/einrichtungstechnisch) plus diversen Knacksen (psychisch/physisch) … gerne in Kombination. Kennt man.
Der Münchner Kriminalrat Max Pfeffer kifft und ist schwul
Meiner ist aber seit sieben Romanen echt anders als alle anderen deutschen Serienermittler. Okay, mein Held, der Münchner Kriminalrat Max Pfeffer, kifft gelegentlich – doch wirklich besonders macht ihn, dass es ihn so gar nicht zum Weibe zieht. Er steht auf Kerle, er ist homosexuell, schwul, wobei man das heute ja auch nicht mehr sagt, sondern „queer“. Das ist einfach ein Teil seiner Persönlichkeit, seines Lebens. Seine sexuelle Veranlagung spielt in den Fällen keine besondere tragende Rolle, sie läuft als Selbstverständlichkeit nebenher. Ziel schon immer: Mehr Normalität und mehr Sichtbarkeit für sogenannte Andere.
Es gibt keine wüsten Sexszenen, höchstens ein bissl prickelnde Erotik
Damals, als ich ihn zum Leben erweckt habe, war das völlig neu in der Krimilandschaft. Gut, ich gebe zu, dass es in „Münchner Gsindl“ ein wenig mehr betont wird, weil der Fall es fordert. Doch auch wenn ich immer Dinge beim Namen nenne, gibt es keine wüsten Sexszenen, höchstens mal ein bissl prickelnde Erotik … Kurz: Meine Romane sind keine Cosy- oder Schmunzel-Krimis, sondern schnelle harte Großstadtthriller mit einem taffen Ermittler.
Das Problem: Niemand, wirklich niemand hat auf dein Buch gewartet
Die Besonderheiten des Ermittlers sollen natürlich den Leser teasern und die Medien reizen. Als Autor hat man es eh sehr schwer, überhaupt medial wahrgenommen zu werden. Nichts holt einen schneller auf den Boden der Tatsachen zurück – jene Tatsache, dass niemand, wirklich niemand auf dein Buch gewartet hat – als Pressearbeit. „Ach, ein neues Buch? Worüber denn?“ – und dann flüstert man beinahe entschuldigend, denn man kennt diese Gespräche inzwischen, dass es „nur“ ein Krimi ist.
Sorgsam wird zwischen U und E unterschieden und Krimi ist U
In der Regel geben sich Presseleute ab hier keine Mühe mehr, ihr Desinteresse zu verbergen. Das feuilletonistische Naserümpfen darüber ist weiterhin allgegenwärtig. Sorgsam wird zwischen U und E unterschieden und Krimi kommt bei U gleich nach den Arztromanen, ist also zu vernachlässigen. Mit viel Glück schafft man es in die Lokalpresse, wobei das umso besser klappt, je kleiner der Ort ist. Für mich in der Millionenstadt München ist es schwierig. Gelegentlich, so alle zwei bis drei Krimis, werde ich wohlwollend wahrgenommen. Immerhin! Und bin dankbar dafür.
Ein schwuler Ermittler müsste doch zumindest schwule Blätter interessieren!
Nun möchte man meinen, dass die Besonderheiten eines Ermittlers selbigen für spezielle Publikationen interessant machen müssten. Ein schwuler Ermittler müsste doch zumindest in die einschlägigen Blätter stürmen, denn – Hallo! – wer, wenn nicht eine der Kernzielgruppen sollte darüber informiert werden. Aktuell erlebe ich allerdings mit meinem „Münchner Gsindl“ genau das, was ich mit meinem ersten Pfeffer-Roman „Das geschenkte Mädchen“ im Jahr 2004 erlebt habe, der es immerhin als Buchtipp in die „Brigitte“ geschafft hat: Schweigen im schwulen Blätterwald.
Perfektionierung und Bodyshaming – worüber Gay-Magazine so berichten
Zugegeben, das Internet hat inzwischen viele Publikationen vom Markt gedrängt. Doch es gibt noch einige, sogar richtig gute. Da nicht alle Gay-Magazine kennen, hier eine kleine Zusammenfassung der Inhalte: Vergleichbar mit Frauenmagazinen findet man seitenweise Körperperfektionierungs-Vorschriften, denen sich die üblichen schizophrenen Alibiartikel über das schlimme Bodyshaming anschließen, samt Anfeuerungen: „Bleib wie du bist.“ Mann muss ja auch dem unrealistischen Körperkult unterworfen werden und Minderwertigkeitskomplexe entwickeln.
Partylastige Reisetipps, Fetischratgeber, Sex, Kitsch und Kultur
Außerdem gibts partylastige Reisetipps zu den immergleichen Locations in Europas Partyhochburgen, Ratgeber für Fetischausstattung jeglicher Härte, Anleitungen wie man diverse Sexpraktiken richtig ausführt, Tratsch und Trash sowie Kitsch und Camp – und natürlich Kultur! Denn, Klischee aber wahr, der „Queere“ als solcher ist ja kulturell ganz vorne mit dabei. Da darf es gerne mal Oper sein, noch lieber allerdings wird ausgiebigst über die neuesten Belanglosigkeiten von dünnstimmigen, überproduzierten Pop-Ikonen berichtet. Und für ESC-Sternchen räumt man ganze Seiten frei.

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