Natascha Keferböck: Im Flachgau wartet der Tod | BUCHSZENE.DE

Natascha Keferböck freute sich über ihr Krimi-Debüt, da kam der Lockdown. Würde sie je wieder ein Buch veröffentlichen? Mit Galgenhumor erzählt die Autorin die Geschichte hinter „Im Flachgau wartet der Tod“.

Natascha Keferböck über die Entstehung ihres Krimis „Im Flachgau wartet der Tod“

4. Oktober 2021 | Syndikat

Titelbild Im Flachgau wartet der Tod

Das kann’s doch jetzt net schon g‘wesen sein, oder?

„Im Flachgau wartet der Tod“ ist da. Band 2 mit einem weiteren Kriminalfall im kleinen fiktiven Ort Koppelried nahe Salzburg. Dabei war ich mir ganz und gar nicht sicher, dass es überhaupt dazu kommen würde. Denn mein Debütkrimi „Bierbrauerblues“ erschien im Verlag Emons im September 2020. Als völlig unbedarfte, blauäugige Neo-Autorin mit Hang zum Salzburger Land war ich voll freudiger Erwartung, was denn nun alles kommen würde. Die Krimiwelt hat lang genug auf mich gewartet, dachte ich etwas unbescheiden und feilte schon an Ideen für etliche weitere mörderische Geschichten aus dem beschaulichen Koppelried.

Aber weit gefehlt: alles, was mich wie Millionen andere auch erwartete, war eine Pandemie. Lockdowns, geschlossene Buchhandlungen & tote Hose. Niemand, aber auch wirklich niemand hatte auf mich als siebenhundertfünfundachtzigtausendste Krimiautorin gewartet. Schon gar nicht während Corona. Ernüchterung machte sich in mir breit und bewegte sich gefährlich in Richtung Resignation.

„Was a echte Rieglerin ist, die lasst sich net unterkriagn!“

Doch Halt! Hatte nicht ich selbst Erni Riegler geschaffen? Meine Lieblingsfigur – ihres Zeichens die aufs Abstellgleis verfrachtete ehemalige Wirtin des Rieglerbräu. Die gute Frau hat mir eigentlich schon in meinem ersten Krimi gezeigt, dass man sich von nichts und niemandem aufhalten lassen soll.

Im Prinzip hatte ich zwei Möglichkeiten:

  1. Mein Umfeld ab sofort mit der tragischen Geschichte meiner durch die Pandemie torpedierten Autorenlaufbahn in den Wahnsinn treiben oder
  2. schlicht und einfach aufstehen, Krönchen richten und weitermachen.

Nach einem kurzen Moment der Versuchung (weil jemanden in den Wahnsinn zu treiben kann ja auch recht unterhaltsam sein) habe ich mich dann doch für Option 2 entschieden.

„Du ju schpeak Tschörrrmen?“

Wie sollte es also weitergehen mit den Koppelriedern? Mit einem Mal tauchten einige der Protagonisten aus meinem ersten Krimi wieder in meinem Kopf auf. Grad zur rechten Zeit: in einem trüben Herbst mit dem Himmel voller … Lockdowns. Vor allem einer machte sich bemerkbar, der brummige Chefinspektor Buchinger aus Salzburg. Etwas zu viel Speck auf den Rippen, fleischige Lippen, Jeans Marke C&A und Exkollege meines eigentlichen Helden.

„Du ju speak Tschörrrmen?“ flüsterte er mir ins Ohr. Ununterbrochen. Beim Zähneputzen, unter der Dusche, zum Frühstück, von der Mittagspause bis hin zur Schlafenszeit. Der Mann ließ einfach nicht locker, sein penetrantes Flüstern wurde immer lauter und auch andere Dorfbewohner aus dem „Bierbrauerblues“ gesellten sich nach und nach dazu und feuerten ihn an.

Erleuchtung am Fuße des Gallitzinbergs

Um ehrlich zu sein, ich hatte zunächst keine Ahnung, was der Buchinger von mir wollte. Der Depp konnte sich einfach nicht richtig ausdrücken, auch wenn er mir noch so oft ins Ohr flüsterte.

Seufzend wanderte ich wie so oft gedankenverloren über den Ottakringer Friedhof, um meine Stimmung aufzuhellen. „Stopp!“, schrie der Buchinger in meinem Kopf auf einmal aus Leibeskräften. Völlig perplex blieb ich stehen und blickte nach rechts auf das schmiedeeiserne Grabkreuz einer schon vor langer Zeit hoffentlich glücklich verstorbenen Elisabeth. Mit „th“. Da fiel sie mir wieder ein: Elisabeth Aigner. Jene Frau, die ihre Familie vor achtunddreißig Jahren verlassen hat, den Postbeamten Franz und die beiden Kinder, Gabi und Raphael. Hat sie das nicht alles nur wegen ihrer großen Liebe getan? Wer war das noch mal gewesen?

Vor Aufregung musste ich laut niesen und die vielen Krähen am Baum über mir schreckten auf und flogen davon. Einem der Vogerl passierte ein kleines Malheur, das mit einem Turbopatzer auf meiner Mütze landete. Andächtig nahm ich sie ab und da war es mir klar: dieser Vogelschiss war nicht nur ein Zeichen, er hatte auch eine eindeutige Form – bei Elisabeths großer Liebe konnte es sich nur um die USA handeln!

Familientreffen – oder wie ordne ich das Chaos in meinem Kopf?

Sofort machte ich mich auf den Weg nach Hause, suchte in den unendlichen Weiten der Ordnerstruktur auf meinem Notebook das alte Manuskript mit meiner Idee zur Fortsetzung der Koppelrieder Kriminalgeschichte und wurde glücklicherweise fündig. Da waren sie alle wieder, schwarz auf weiß: der fesche, zum Polizeikommandanten degradierte Chefinspektor Aigner, seine dominante und etwas untergroße Schwester Gabi, sein kleiner Sohn Felix, sein erzkatholischer Vater, die resolute Wirtin Erni, die freche Rita aus Wien, der schweigsame Schorsch und viele andere mehr.

Es war ein Familientreffen der etwas anderen Art und gleich begannen alle wild durcheinander zu reden. „Das war wia in an James Bond Film!“, hörte ich den Fleischhauer noch rufen, aber dann platzte mir der Kragen. „Ruhe nochmal! Kruzifix!“, brüllte ich, um mich gleich danach wieder höflich zu benehmen. Nicht, dass Sie einen falschen Eindruck von mir bekommen. „Einer nach dem anderen, wenn ich bitten darf. Und zwar brav der Reihe nach, meine Lieben.“

Frau Percht und ihre Wilde Jagd

Rasch öffnete ich am Notebook ein neues Dokument und tippte: „Sonntag, Stefanitag – am zweiten Weihnachtsfeiertag sitzen der Sepp und die Hanni wie immer bei ihren Besuchen stocksteif auf meiner Wohnzimmercouch.“ Zu allererst ließ ich das Mordopfer erzählen, schließlich blieb dem ja am wenigsten Zeit von allen, seine Uhr tickte bereits. Und so schrieb sich das Buch fast von alleine, ich musste nur tippen, was mir die Koppelrieder diktierten. Sie waren zufrieden mit mir, alle kamen früher oder später zu ihrem Auftritt in der mörderischen Geschichte. Das turbulente Treiben in den Tagen zwischen Weihnachten und Dreikönigstag nahm mich so sehr in Anspruch, als wären auch in meinem realen Leben die gespenstischen Raunächte angebrochen. Es ging rund und mit ihrer „Frau Percht und der Wilden Jagd“ ließen mir vor allem die Älteren unter den Dorfbewohnern einfach keine Ruhe mehr. Auch wenn ich auf das ganze abergläubische Geschwätz nichts gebe, irgendwie wurde es dann etwas gruselig, muss ich gestehen.

Von Koppelried nach Wien und wieder zurück

Aber der Aigner wär nicht der Aigner, wenn er mich nicht wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hätte. Frau Percht & Co ist was für Kinder und alte Weiberl, meinte er. Obwohl der arme Kerl eigentlich kaum Zeit für mich hatte, war er doch um eine rasche Aufklärung des Mordes bemüht, nicht zuletzt aus familiärem Druck. Zu allem Überfluss setzte dem Witwer und eingeschworenen Junggesellen über diese verflixten Raunächte auch noch ein bis dato unbekanntes Gefühl namens Eifersucht zu.

Tag für Tag, quasi an mein Notebook gefesselt, durchlebte ich Stunde um Stunde gemeinsam mit ihm auf der rasanten Suche nach dem Mörder. Dass dabei auch einige Priester und sein Vater eine immer gewichtigere Rolle spielen würden, war mir anfangs nicht klar.

Schlussendlich nahm mich Chefinspektor Aigner sogar mit auf seine Reise zum Wiener Silvesterpfad und wieder zurück in die Provinz auf den Koppelrieder Silvesterball. Der Showdown rückte in greifbare Nähe!

Ende gut, alles gut?

Völlig erschöpft und mit einem hoffnungsfrohen Grinsen auf den Lippen schrieb ich die letzte Zeile. Aber damit war noch nichts gewonnen. Ohne Zusage des Verlages würde das gemeinsam durchlebte neue Abenteuer meine heimischen vier Wände nicht verlassen.

Ängstlich zog sich die ganze Koppelrieder Bagage in den hintersten Winkel meines Kopfes zurück und wartete dort gespannt auf das Urteil des Verlags.

Nach einigem Bangen durfte ich Ihnen die frohe Botschaft überbringen: die Koppelrieder Geschichten waren mit dem „Bierbrauerblues“ noch nicht auserzählt, ab dem 14. Oktober 2021 heißt es: „Im Flachgau wartet der Tod“

Jubelnd begannen die Aigners, Buchingers, Heiningers und wie sie sonst noch alle heißen gleich wieder damit, mir ihre Geschichten für den nächsten Plot ins Ohr zu flüstern.

Worum geht es im Kriminalroman „Im Flachgau wartet der Tod“?

Wer es bis zu diesem Absatz geschafft hat, der wird zum Schluss noch mit der Inhaltsangabe belohnt:

Raphael „Raphi“ Aigner, der Erzähler des Buches, ist eigentlich Kriminalpolizist. Weil für ihn als alleinerziehenden Vater aber das ungeregelte Leben eines „Kriminalers“ nicht mehr in Frage kommt, leitet er seit einigen Jahren die kleine Polizeiinspektion in Koppelried bei Salzburg. Privat vom trauernden Witwer zum Womanizer mutiert, wiegt er sich im Haus seiner resoluten Schwester Gabi auch vor der Frauenwelt in absoluter Sicherheit. Aber nicht nur sein Sohn Felix wächst ohne Mutter auf – Gabi und er teilten in ihrer Kindheit dieses Schicksal. Denn Elisabeth Aigner hatte in den USA Besseres vor.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag platzt die längst vergessene Rabenmutter plötzlich in die Aigner‘sche Familienidylle und stellt alles auf den Kopf. Was niemand ahnt – mit ihr kommt in den Raunächten auch der Tod ins beschauliche Koppelried. Unterstützt von alten Kollegen nimmt Aigner die Fährte des Täters auf, die ihn nicht nur in die klerikale Stadt Salzburg führt, sondern auch ins in Silvesterlaune befindliche Wien. Windige Geschäftsmänner, überhebliche Pfaffen und düstere Gestalten kreuzen dabei seinen Weg. Und dann kommt er auch noch einem dunklen Familiengeheimnis auf die Spur …


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