Frau Bluhm liest „AMBACH“: 5 von 5 Blu(h)men

Felix Ambach ist Single, erfolglos und pleite
In der neuen Krimiserie des Autorenteams Jörg Steinleitner und Matthias Edlinger begegnen wir dem Prototyp eines Loser: Felix Ambach ist all das, was sein Bruder nicht ist: Beruflich ausgesprochen unerfolgreich, Single und pleite. Als dann sein verhasster, weil von den Eltern immer bevorzugter Bruder Christian, ihm auch noch die Frau ausspannt, akzeptiert sich Felix endgültig in seiner Rolle als schwarzes Verliererschaf der Familie. Er vertrödelt sein Leben, hangelt sich von Aushilfsjob zu Gelegenheitsarbeit, während Christian Karriere als Kunstexperte macht.
Doch dann entwickelt er einen Racheplan
Doch zehn Jahre später reicht ein simples Telefonat mit seinem Bruder, um alle Triggerpunkte in Felix zu aktivieren. Das Fass läuft über, und der sonst eher träge Felix schmiedet einen Plan, mit dem er seinen Bruder beruflich und persönlich vernichten will. Viel zu spät erkennt Felix, welche Kreise sein anfänglich eher harmloser Racheplan gezogen hat. Er gerät an die falschen Leute, trifft schlechte Entscheidungen, und bald ist es sein eigenes Leben, das auf Messers Schneide steht.
Kann man sich an dieses neue Format gewöhnen?
Nachdem ich die erste Folge von „Ambach“ gelesen hatte, wurde mir von Steinleitner und Edlinger die Frage gestellt, ob man sich denn als Leser an dieses neuartige Format gewöhnen könne – sechs Kurzromane in drei Bände zu drucken und den Leser am Ende jedes Band mit einem Cliffhanger, also einer offenen Szene allein zu lassen. Das haben sich Steinleitner und Edlinger bei bekannten Fernsehserien abgeschaut. Aber geht das auch mit Romanen?
Meine Aussage war ziemlich negativ
Ich gebe zu, meine Aussage war ziemlich eindeutig negativ. Aber nun, da ich die ganze Staffel (wie ich die Bücher mittlerweile für mich nenne) gelesen habe, muss ich dieses Urteil revidieren. Die Idee, das Konzept „Fernsehserie“ in eine literarische Form zu bringen, ist meines Erachtens von Steinleitner und Edlinger wahnsinnig gut umgesetzt. Man ist es gewohnt, dass beim Lesen eines Buches ein innerer Film entsteht, aber hier entsteht tatsächlich eine ganze Serie. Das Konzept, bekannte Bücher in Serien umzuwandeln (bestes Beispiel vielleicht Rizzoli and Isles) ist bekannt und gängig. Dies andersherum zu praktizieren ist neu, ja, am Anfang ungewohnt. Wenn man sich aber eingängig damit beschäftigt, innovativ und erfrischend anders.
Denn diese sechs kurzen Bücher haben wirklich alles, was eine gute Krimiserie braucht:
1. der Hauptprotagonist wird gut, authentisch und publikumssnah eingeführt, sein Charakter bleibt beständig, bis die große innere Wandlung, mit Zwischenstation über einige Tiefen vollzogen wird. Man leidet mit ihm, man verflucht ihn, man möchte ihn gegen die Wand klatschen und man bibbert um ihn, aber zum Finale steigt er wie Phönix aus der Asche und man findet ihn in seiner neuen, gewandelten Form so sexy, dass man total überzeugt davon ist, immer schon total überzeugt von ihm gewesen zu sein. Die nächste Staffel schaut man natürlich auch. Wegen ihm!
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