Ein Meteorit hat das Klima verändert – die Menschheit muss ins All ausweichen. In Mary Robinette Kowals „Die Berechnung der Sterne“ begibt sich die junge Physikerin Dr. Elma York auf eine Mission.

Mary Robinette Kowal stellt eine starke Frau in den Mittelpunkt ihres Romans „Die Berechnung der Sterne“

18. Februar 2022 | Frau Bluhm

Titelbild Die Berechnung der Sterne


Frau Bluhm liest „Die Berechnung der Sterne“: 4 von 5 Blu(h)men


Es waren Frauen, die über den Erfolg der Mondlandung entschieden

Die Fortschritte der NASA in den 50er- und 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurden größtenteils von Frauen bestimmt, die als menschliche Computer Berechnungen durchführten, die letzten Endes für das Raumfahrtprogramm und die Mondlandung entscheidend waren. Das wissen wir spätestens seit dem wundervollen Biopic „Hidden Figures“ mit Taraji P. Henson als Expertin Katherine Goble, deren physikalische und mathematische Berechnungen den ersten bemannten Raumfahrtflug möglich machten. Doch trotz aller Bemühungen und Errungenschaften blieben Frauen doch immer Menschen zweiter Klasse in einer Welt, die von Männern dominiert wurde – und das bis ins neue Jahrtausend hinein.

Als ein Meteorit auf die Erde stürzt, muss das Weltall erkundet werden

Was wäre aber gewesen, wenn der Lauf der Geschichte ein anderer gewesen wäre? Genau mit diesem Gedankenspiel beschäftigt sich „Die Berechnung der Sterne“, der neue Roman von Mary Robinette Kowal: In einer alternativen Realität hält die Welt den Atem an, als am 2. März 1952 ein riesiger Meteorit auf die Erde stürzt und ihr Klima radikal verändert. Dies hat zur Folge, dass die Menschheit früher oder später den bekannten Lebensraum verlassen und sich eine neue Welt suchen muss. Fortan erfahren die Raumfahrtprogramme der Nationen größere Wichtigkeit; und in diesem Szenario sind es die Frauen, die an vorderster Front stehen, um mit den Mercury 13 das Weltall zu erkunden.

Die Pilotin Elma ist ehrgeizig, aber auch menschlich

Im Zentrum dieser spannenden und interessanten Reise ins All steht die junge Pilotin Dr. Elma York. Auch wenn einem die Protagonistin zu Anfang nicht wirklich sympathisch erscheint, zeichnet Mary Robinette Kowal sie als zwar ehrgeizige, aber auch menschliche Hauptperson und lässt uns tief in Elmas Innerstes Blicken. So gewinnt sie an Kontur und wirkt nach und nach immer verständlicher und realistischer.

„Die Berechnung der Sterne“ ist der Auftakt zu einer neuen Reihe

Hat die Handlung auch einige Längen, so gelingt der Autorin doch eine ausgefeilte Balance zwischen historischer Genauigkeit und spekulativem Geschichtenerzählen. Vieles, was in „Die Berechnung der Sterne“ geschieht, hat sich wirklich so ereignet. Nur eben anders. Eines ist allerdings sicher: Die Wichtigkeit der Frauen steht jederzeit im Vordergrund. Ausgezeichnet mit mehreren Literaturpreisen ist „Die Berechnung der Sterne“ ein Roman über Tapferkeit, Beharrlichkeit und innere Stärke im Angesicht von Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Der Auftakt zu einer gewiss interessanten Reihe und der Anstoß, die bekannte Welt einmal zu überdenken.

 

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Frau Bluhm

Geboren 1984 in Aschaffenburg als Katharina Bluhm, studierte Frau Bluhm Psychologie und wurde nach dem Studium Erzieherin. Als BUCHSZENE.DE-Kolumnistin entdeckt wurde sie wegen ihrer so sympathischen wie zutreffenden Rezensionen auf Lovelybooks.


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