Seit der #MeToo-Debatte bin ich verunsichert
Eigentlich hätte ich diese Kolumne gerne mit dem Satz „Ich liebe alle Frauen“ begonnen. Aber seit der #MeToo-Debatte bin ich verunsichert. Was darf man jetzt noch sagen als Mann zu Frauen und über Frauen, seit publik wurde, dass ein Filmproduzent auf ekelerregendste Weise seine Macht missbraucht hat? Und seit in aller Welt weitere schändliche Beispiele männlichen Dominanzmissbrauchs öffentlich werden?
Dass Frauen und Männer anders sind, ist doch gerade das Faszinierende
Wir Männer stehen jetzt unter Generalverdacht. Und „Ich liebe alle Frauen“ ist vermutlich ein Spruch, der – ohne weitere Fußnoten versehen – grandios machomäßig rüberkommt. Womöglich ist es ein Satz, den viele Frauen als sexistisch empfinden. Dabei ist es wirklich so: „Ich liebe alle Frauen!“ Warum? Weil sie anders sind als wir Männer. Und dieses Anderssein empfinde ich als aufregend, anregend. Frauen machen mich durch ihr Anderssein neugierig.
An welcher Stelle wird der Annäherungsversuch zum Übergriff?
Aber wie darf dieses Anderssein, das – so hoffe ich jedenfalls – auch für Frauen einen gewissen Reiz im Umgang mit uns Männern ausmacht, artikuliert werden? Wo liegen die Grenzen? Klar sind die Grenzen überschritten, wenn ein Mann eine Frau zum Vorstellungsgespräch ins Hotelzimmer bittet und dann im Bademantel vor ihr steht. Dass dieses Verhalten nicht erwünscht sein kann, liegt auf der Hand. Doch sind auch jegliche Annäherungsversuche verpönt – und falls nein: An welcher Stelle verwandelt sich der Annäherungsversuch in einen Übergriff?
Wie meine Liebesbeziehungen meist begannen
Wenn ich mich zurückerinnere, wie meine Liebesbeziehungen begannen, dann war es meist so, dass ich spät abends mit dem Mädchen oder der Frau, in die ich mich verliebt hatte, bei schummrigem Licht irgendwo saß, und irgendwann hat die Frau oder habe ich die Hand über den Tisch geschoben und die andere Hand berührt. Ein Annäherungsversuch. Diese Hand, die da kommt, die kann natürlich übergriffig sein, sofern die Liebe nur auf der einen Seite vorhanden ist und es sich insgesamt um ein Missverständnis handelt. Heißt das, dass dieser Annäherungsversuch dann nicht mehr stattfinden darf? Weil er von der anderen Seite als Übergriff wahrgenommen werden könnte? Weil man dieses Missverständnis unbedingt vermeiden muss? Ist die hinübergeschobene Hand schon zu viel? Ich kann mir das nicht vorstellen. Schon allein deshalb, weil mir die Phantasie fehlt, mir auszumalen, wie wir einander dann noch nahekommen können. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, denn nichts läge mir ferner, als jemanden anderen in seiner Intimität zu verletzen. Das gilt, glaube ich, auch für die meisten anderen Männer. Wir wollen es mit Frauen schön haben. Nicht gegen Frauen.
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