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Warum wird man Bewährungshelfer und Krimi-Autor?
Aus einer bestimmten Veranlagung, sozialem Engagement oder treibt einen die Vergangenheit dazu? Wahrscheinlich kommt alles zusammen, werden doch die wenigsten Entscheidungen im Leben bewusst getroffen. Immer gab die Person oder die Situation den Ausschlag. Bei mir war es der Vater. Ganz sicher. Nicht bewusst, nie im Leben wollte er mich motivieren, Sozialarbeit zu studieren. Nur bestrafte er uns Kinder wegen jeder Kleinigkeit im festen Glauben, uns damit zu anständigen Menschen zu erziehen. Wen wundert‘s, dass es nicht funktionierte. Ich war sechzehn, als er mich fragte, warum ich trotz aller Strafen noch gegen seine Regeln verstieß. Das beeindruckte mich. Einmal interessierte er sich nicht für sein Regelwerk, sondern für mich. Ich fragte mich, ob es nicht die Strafen waren, die dazu verleiteten, dagegen zu verstoßen, und sein geringes Interesse an meiner Lust am Abenteuer, am Ausprobieren meiner Möglichkeiten. Interesse als Zauberwort. Ich studierte alle greifbare Literatur und beschloss während meines Studiums, Bewährungshelfer zu werden. Damit setzte ich den Beginn meiner Justizkrimis.
Ich begegnete ihm in der Untersuchungshaft
Ich hatte mir vorgenommen, höchstens eine Stunde zu bleiben. Das ist so Standard bei einem Gespräch hinter Gittern. Nachher gab es im Büro zu tun, andere Klienten waren eingeladen, außerdem warteten Verwaltungsaufgaben. Kurz, das Gespräch mit Fabian Meisner, nennen wir ihn so, dauerte vier Stunden, ich sagte in den Pausen in der Geschäftsstelle die weiteren Termine für den Tag ab.
Dunkle Locken, fast kindliche Gesichtszüge
Sein schüchternes Benehmen gab er im Laufe des Gesprächs auf. Mir gefiel seine differenzierte Sprache, mit der er seine Situation beschrieb. Die Ängste vor den Mitinsassen, die Demütigungen, denen er ausgeliefert war, denen er sich nicht zu erwehren wusste.
Es dauerte, bis er zum eigentlichen Thema kam
Seine Mutter hatte hingenommen, dass ihr Bruder ihn im Alter von zwölf Jahren missbrauchte. Der Onkel verdiente gut und nach der Trennung vom Vater war das Geld knapp. Da halfen die großzügigen Zuwendungen des Onkels der Mutter über die Runden.
Er hatte keine Vertrauten, es kämpfte ums Überleben
Den kindlichen Spielen seiner Mitschüler wich er aus, die Lehrer forderten Leistungen, unter ihnen fand er keinen Vertrauten. Sie belegten ihn mit Strafarbeiten, wenn er wieder die Hausaufgaben nicht vorlegte, zu spät oder erst Tage später zum Unterricht erschien.
Ängste und Schlaflosigkeit ließen ihn nicht ruhen
Er konnte nicht einschlafen ohne die Angst, der Onkel könnte sich wieder neben ihn legen. Er blieb länger auf, hielt sich mit der Playstation bis in die Morgenstunden wach, war dann zu erschöpft, um am Unterricht teilzunehmen, auch, wenn er es sich vorgenommen hatte.
Er erzählte von Mobbing in der Klasse
In der Schulklasse zogen sich die Mitschüler von ihm zurück, sie spürten instinktiv, dass er anders war als sie und betrachteten ihn als „Opfer“, das er auch war und das in der Zeit zum Schimpfwort geworden war. Sie mobbten ihn über die sozialen Medien.


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