Frau Bluhm ist ein großer Fan von Veit Etzolds Krimis. Doch an „Höllenkind“ hat unsere Kolumnistin allerlei auszusetzen. Der neue Clara-Vidalis-Thriller spielt in Florenz und handelt von einem Serienmörder.

Mit „Höllenkind“ präsentiert Veit Etzold den achten Band der Clara-Vidalis-Reihe

6. August 2021 | Frau Bluhm

Titelbild Höllenkind


Frau Bluhm liest „Höllenkind“ : 2 von 5 Blu(h)men


Die Schweizer Garde hat für Clara Vidalis einen Auftrag in Florenz

Eigentlich soll der Trip nach Florenz einfach nur eine dringend benötigte Auszeit für Clara Vidalis und ihre Freundin werden. Doch dann tritt ein Mitglied der Schweizer Garde mit einem Auftrag an sie herantritt: Während einer Hochzeit in der Sixtinischen Kapelle ist die Braut unter mysteriösen Umständen verblutet. Die streng gläubige Familie der jungen Frau hat den Teufel im Verdacht. Nun soll die Patho-Psychologin aus Berlin Licht ins Dunkel der Ermittlungen bringen.

„Höllenkind“ ist der achte Band von Veit Etzolds Clara-Vidalis-Reihe

In „Höllenkind“ schickt Veit Etzold seine Protagonistin Clara Vidalis nach Band 7 „Blutgott“ und Band 6 „Schmerzmacher“ bereits zum achten Mal ins Rennen. Ich habe alle Teile dieser Reihe, die auch gut unabhängig voneinander gelesen werden können, verschlungen und bin seit Jahren ein großer Fan des Autors. Bei einem Aufeinandertreffen vor vier Jahren auf der Frankfurter Buchmesse konnte ich mich von seinem Fachwissen und seiner Liebe zur Recherche persönlich überzeugen, immer unterstützt von seiner Frau Saskia, die als Pathologin an der Berliner Charité das medizinische Fachwissen mit in die Bücher des Autors einbringt.

Der Erzählfluss wird durch zu viele unwichtige Fakten gestört

Veit Etzolds Liebe zum Detail und seine nahezu lückenlose Recherche zur Thematik seiner Bücher hat mich schon immer begeistert. Leider, leider, leider ist das ausgerechnet in „Höllenkind“ eine Tatsache, die mich immens gestört hat. Wie auch im Nachwort vom Autor selbst erwähnt, ist das Interesse an der italienischen Kunst eine private Leidenschaft Veit Etzolds. Auf jeder Seite ist diese Liebe spürbar, nur führt es dazu, dass der eigentliche Erzählfluss durch viel zu viele, zwar interessante, aber nicht wirklich wichtige Fakten gestört wird. Es kommt kein Flow auf, und darunter leidet der Spannungsbogen.

Veit Etzold hat versucht, zwei Bücher in einem zu schreiben

Mir kommt es fast so vor, als hätte Veit Etzold versucht, zwei Bücher in einem zu schreiben: einmal eine Verschwörungsgeschichte a la Dan Brown (dessen Bücher im Übrigen für meinen Geschmack in „Höllenkind“ viel zu häufig Erwähnung finden) und einen Thriller über Serienmord. Es gelingt dem Autor nicht, beide Geschichten so miteinander zu verschmelzen, dass eine flüssige und authentische Story dabei herauskommt.

Die eigentlich nette Clara ist in diesem Thriller plötzlich unsympathisch

Ein weiteres Detail, das mir sauer aufstößt, ist das Verhalten der Protagonistin: Die sympathische Ermittlerin stand mit all ihren Stärken und Schwächen immer als sympathische und dennoch selbstbewusste, toughe Frau im Mittelpunkt einer Männerdomäne. In „Höllenkind“ ist sie mir einfach nur unsympathisch. Veit Etzold stellt sie als launische Zicke dar, die weder weiß, was sie an ihrem Ehemann hat, noch die Grenzen ihrer Kompetenz kennt. Kleine Kabbeleien mit Ehemann MacDeath fand ich in vorherigen Bänden immer witzig und authentisch. Hier hätte ich am liebsten ein paar Mal laut gerufen: „Weißt du was? Lass sie sitzen! Soll die Zicke doch sehen, wo sie bleibt!“

Das kannst du besser, Veit! Ich freue mich auf dein nächstes Buch!

Trotz der vielen Zeit, die Veit Etzold laut eigener Aussage auf Grund des letztjährigen Lockdowns auf dieses Thrillers verwenden konnte, ist die Geschichte einfach nicht rund. Es fallen Logiklücken und sprachliche Nachlässigkeiten ins Auge. Vielleicht braucht Veit Etzold den Schreibdruck, der ihm durch seine vielen Lesereisen normalerweise entsteht? Es ist so schade, so etwas über einen Autor schreiben zu müssen, den ich verehre, und zusätzlich als Mensch sehr sympathisch finde. Das kannst du besser, Veit! Ich freue mich auf dein neues Buch im nächsten Jahr!

 

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Geboren 1984 in Aschaffenburg als Katharina Bluhm, studierte Frau Bluhm Psychologie und wurde nach dem Studium Erzieherin. Als BUCHSZENE.DE-Kolumnistin entdeckt wurde sie wegen ihrer so sympathischen wie zutreffenden Rezensionen auf Lovelybooks.


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