Barack Obama: Ein verheißenes Land. Kritik | BUCHSZENE.DE

Er war der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. In „Ein verheißenes Land“ nimmt Barack Obama seine Leser*innen mit in die Jahre seiner Präsidentschaft. Das Buch in der Kritik.

Barack Obamas „Ein verheißenes Land“ ist der erste Band der Erinnerungen des US-Präsidenten

15. Januar 2021 | Jörg Steinleitner

Barack Obama

Ein verheißenes Land

ISBN 978-3-32860062-6

1024 Seiten | € 42,00

Penguin
Bestseller-Button Sachbuch

Romantik (2/5)

Komik (1/5)

Weisheit (4/5)

Gänsehaut (2/5)

Unterhaltung (2/5)

Titelbild Ein verheißenes Land

©pio3 shutterstock-ID 109441514

Wer Michelle Obamas Buch kennt, den erwartet hier eine Überraschung

Das Problem mit Barack Obamas „Ein verheißenes Land“ ist sehr einfach auf den Punkt zu bringen: Seine Ehefrau Michelle Obama veröffentlichte vor ihm mit „Becoming – Meine Geschichte“ ein Buch, das man regelrecht auffressen muss, weil es tiefe Einblicke in das Seelenleben einer Präsidentenfamilie erlaubt, ohne jemals trivial zu werden. Weil es bei allem Privaten dem Politischen ausreichend Raum gewährt. Wer Michelle Obamas Buch gelesen hat und sich nun eine ähnliche Freude beim Lesen des ersten Bands der Memoiren des ersten schwarzen US-Präsidenten erhofft, wird enttäuscht.

Barack Obamas „Ein verheißenes Land“ fehlt die Leichtigkeit

Barack Obamas Erinnerungen fehlt die Leichtigkeit, die das Werk seiner Frau so lesenswert macht. Er verliert sich in Details, die in ihrer Häufung nicht interessant sind und spart Gefühle aus, die einem helfen könnten, sich in seine Situation hineinzuversetzen. Wer während seiner Amtszeit die Tagespresse aufmerksam gelesen hat, wird sich an viele der Details erinnern, die Barack Obama aufzählt. Aber will man wirklich Hunderte von Seiten darüber lesen, welche Register er und sein Team zogen, um den Sieg bei der Präsidentschaftswahl zu erringen? Braucht es diese beinahe wissenschaftliche Präzision?

Warum haben seine Berater ihm nicht Kürzungen ans Herz gelegt?

Natürlich ist dies ein ungerechter Vorwurf, denn warum sollte ein amerikanischer Präsident etwas anderes berichten als von seinen Entscheidungen und Handlungen und den Beweggründen dafür? Die Enttäuschung bei der Lektüre von „Ein verheißenes Land“ hat ihren Ursprung nicht in der mangelnden Qualität des Buchs, sondern im wesentlich geringeren Neuigkeits- und Unterhaltungswert im Vergleich zu den Erinnerungen Michelle Obamas. Gäbe es das Buch der ehemaligen First Lady nicht, so stünde das mitunter langatmige, kleinteilige und zu umfangreiche Werk des Ex-Präsidenten in einem völlig anderen Licht. Dennoch darf man sich bei der Lektüre fragen, weshalb ihm seine Berater und Lektoren nicht einige Kürzungen ans Herz gelegt haben.

Dennoch macht die Lektüre eine Tatsache über Obama sehr deutlich

Dass Barack Obama auf Ratschläge hört, dafür wiederum ist sein Buch ein lebendiger Beweis. Denn diese Konstante zieht sich durch den dicken Schmöker durch: Der ehemalige amerikanische Präsident war sich zu jedem Zeitpunkt bewusst, dass es nicht er allein ist, dem historische Leistungen gelingen und gelangen, sondern dass diese Errungenschaften einem riesigen Heer an engagierten Menschen, die sich für Amerika einsetzten, zu verdanken sind. Diese Demut vor der eigenen Position, die permanent zwischen den Zeilen durchleuchtet, ist glaubwürdig und erklärt einen Teil seines Erfolgs.

Und dann gibt es noch ein wirklich charmantes Detail an diesem Buch

Barack Obama ist vermutlich auch deshalb ein derart charismatischer Politiker, weil er – im Gegensatz zu seinem Nachfolger Donald Trump – über ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen verfügt. Aber um diese Erkenntnis zu gewinnen, braucht man sich nicht durch mehr als tausend Seiten zu wühlen, die weder politisch noch privat wirklich Erstaunliches zu Tage bringen – sieht man von den farbig abgedruckten Fotos aus Barack Obamas Leben ab, deren Charme und Direktheit man sich tatsächlich nicht entziehen kann.

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