All und Wahlbetrug: „Die zornigen Augen der Wahrheit“ | BUCHSZENE.DE

Ein Wahlfälschungsskandal und fliegende Brocken aus dem Weltall inspirierten Glauser-Preisträger und Syndikats-Mitglied Michael Böhm zu seinem Kriminalroman „Die zornigen Augen der Wahrheit“.

Syndikats-Komplize Michael Böhm über die Entstehung seines Krimis „Die zornigen Augen der Wahrheit“

14. Dezember 2020 | Michael Böhm

Titelbild Die zornigen Augen der Wahrheit

©Lightspring shutterstock-ID 1835042563

Ein schlimmes Gerücht – war wirklich unsere Wahl manipuliert worden?

Im März 2002 schlich wie aufkommender Nebel ein schlimmes Gerücht durch unsere Stadt. Die Stadtratswahl sollte manipuliert worden sein. War das denn möglich? Die Kriminalpolizei ermittelte, die Staatsanwaltschaft schaltete sich ein. Der Wahlskandal nahm seinen Lauf. Obwohl es zu einer Verurteilung kam, konnten die dunklen Vorgänge nie restlos aufgeklärt werden. Das Ergebnis war jedenfalls: Klappe zu, Fall erledigt.

Ich wusste: Darüber würde ich irgendwann einmal schreiben!

Aus den Artikeln der beiden Heimatzeitungen legte ich mir ein regelrechtes Archiv an, denn ich wusste, über das Thema würde ich schreiben, irgendwann einmal. Doch der Tag, aus der Realität eine Geschichte zu machen, ließ auf sich warten. Der zündende Funke blieb aus. Bis ich dann, es war inzwischen September 2016 geworden, in der Zeitung einen Bericht über einen dunklen Brocken las, der durch das All auf die Erde zuraste.

Ein dunkler Brocken, der durch das All auf die Erde zuraste …

Das war der Auslöser, um meine grauen Zellen tanzen zu lassen. Schon Anfang Oktober hatte ich den vorläufigen Ablauf meiner Geschichte nicht nur im Kopf, sondern auch als kryptische Zeichnung und Text auf dem Papier. Um detailliert von der Entstehung der „Wahrheit“ berichten zu können, nehme ich mein Arbeitstagebuch zur Hand. Mein „Skribifax“ ist ein A4 großes, rot eingebundenes Buch, in das ich auf karierten Seiten alle mir wichtig erscheinenden Fakten über die in Arbeit befindlichen Erzählungen und Romane notiere. Eine wahre Fundgrube mit der Zeit vom Kopf verschluckter interessanter Punkte über die entstandenen Texte.

Es war ein sonniger, klarer Tag, der Blick ging bis zur Alpenkette

Nach meinem Merkbuch habe ich gleich in den ersten Tagen des Jahres 2017 zu schreiben begonnen. Mitte September war die handschriftliche Fassung fertig. Viele Abschnitte, manches Kapitel teils mehrfach neu- und umgeschrieben. Es war ein sonniger, klarer Tag, der Blick von meinem Tisch über die schon braunen Blätter der Bäume ging bis zur Alpenkette. Wieder war es eine Freude gewesen, ein Buch zu schreiben.

Der Brocken aus dem All und der Wahlbetrug – was erzählen „Die zornigen Augen der Wahrheit“ darüber?

Es brodelt in der Stadt. Daran besteht für den Skribenten, der nach jahrzehntelanger Abwesenheit in seine alte Heimat zurückkehrt und ohne Namen bleibt, kein Zweifel. Nichts Geringeres als das Ende der Welt schwebt wie ein drohendes Damoklesschwert über seinem Kopf und so begibt er sich auf Spurensuche in seiner eigenen Vergangenheit und jener der Weggefährten seiner Jugendtage. Unter dem vermeintlich stillen Idyll der Stadt liegt ein Netz aus Intrigen, Korruption und politischen Machenschaften verborgen, das tödliche Opfer fordert. Alle Fäden scheinen bei einer Person zusammenzulaufen, dem unantastbaren Baumagnaten Birgmann. Skrupellos, ambitioniert und – bereit über Leichen zu gehen?

Die Strafe des Himmels und eine elitäre Bruderschaft

Schnell stellt der Skribent fest, dass nicht nur Birgmann das Schicksal der Stadt zu lenken versucht – die elitäre Bruderschaft, die Congregatio Cicero, übt ihren Einfluss durch ihre erlauchten Mitglieder ebenfalls aus. Der Skribent hat mehr Fragen als Antworten, doch einer Sache ist er sich gewiss: Der Strafe des Himmels wird niemand entkommen.    

An den Schluss des Romans habe ich noch folgenden Nachtrag gesetzt:      

Die Stadt ist meine Stadt, die mir auch für diesen Roman als wandlungsfähige und abwechslungsreiche Kulisse diente. Die erzählte Geschichte hat natürlich nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Nur die schon einige Zeit zurückliegende bekannte Wahlmanipulation diente mir als Denkanstoß. Meine Protagonisten existieren nicht, könnten es aber. Realität und Fiktion verschmelzen immer wieder zu einem bunten Mosaik. Auch wenn manches ähnlich dem Bekannten ist, so ist der Text dennoch nur ein Roman. Bei einem Bummel durch meine Stadt wird der Leser bald feststellen, sie ist weit schöner, als sie mit ausgesuchten Worten zu beschreiben ist, und dass ich mir viele Freiheiten genommen habe. Dieser Roman ist eine Hommage an meine Stadt.

Meine Frau übernimmt das Manuskript, dann bin ich wieder dran

Meine Frau hat das Manuskript, so wie jeden Text von mir, in den Laptop übernommen. Ich bin diese Computerfassung mehrfach akribisch durchgegangen, habe, es ist schon wieder September, den Schlusspunkt gesetzt. Erst im April 2019 schicke ich die „Wahrheit“ dann an meinen Verlag. Mitte Januar 2020, Corona schleicht sich gerade heimtückisch an, erscheint der Roman, wie alle meine Bücher seit dem ersten „Petermann“, im Bookspot-Verlag.

Über Michael Böhm

Werkstattberichte aus dem Syndikat: Wie arbeiten Kriminalschriftsteller? Was inspiriert sie zu ihren Romanen? Welche Marotten quälen sie beim Schreiben?

 

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