
Herr Briggs, Herr Lukschy, wenn man Ihre Krimi-Komödie „Die Farbe der Sterne“ liest, stellt man sich vor, dass Sie beim Schreiben viel gelacht haben. War das so?
Curtis Briggs (CB): Tatsächlich ist das bei Stefan und mir wie eine chemische Reaktion. Wenn wir zusammen sind, ist Comedy angesagt.
Stefan Lukschy (SL): Wenn einem von uns eine lustige Idee gekommen ist, haben wir zunächst einmal gelacht. Dann aber geht die Arbeit erst richtig los. Aus meiner Erfahrung als Filmregisseur weiß ich, dass es beim Drehen eines ernsten Films am Set immer sehr lustig zugeht, wogegen beim Dreh einer Komödie eher sehr ernst und konzentriert gearbeitet wird. Ernst sein ist leicht, leicht sein ist schwer.
Im Mittelpunkt der Story steht ein marodes Grand Hotel am bayerischen Kochelsee. Der junge Leo Sailer erbt den Kasten und will ihn retten. Doch die ebenso junge Managerin Julia Dehne, die noch von seinem verstorbenen Vater eingesetzt wurde, will das Hotel meistbietend verkaufen. Als ein verschollenes Kunstwerk auftaucht, tut sich plötzlich eine dritte Option auf …
SL: Das Hotel ist das erste Objekt der Begierde, das auch höchst unseriöse Interessenten auf den Plan ruft.
CB: Und bei dem Kunstwerk handelt es sich nicht um irgendeines, schon gar nicht um einen röhrenden Hirsch mit Bergblick. Es geht um ein expressionistisches Gemälde von Kandinsky, einem Mitglied der weltberühmten Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“. Leo könnte das Bild verkaufen, was sich allerdings als schwieriger darstellt als zunächst angenommen. Leo und Julia geraten dabei in einen Strudel von Komplikationen, weil Gangster, Immobilienhaie, Behörden und Verwandtschaft andere Interessen haben.
Mögen Sie Kandinskys Kunst auch persönlich?
SL: Kandinsky gehört zu meinen absoluten Lieblingsmalern. Egal, aus welcher seiner sehr unterschiedlichen Malperioden die Bilder stammen. Seine Farben sind unvergleichlich und er hat selbst in den abstraktesten Kompositionen einen wunderbaren Humor. Wenn ich in München bin, gehe ich jedes Mal ins Lenbachhaus, wo es eine grandiose Sammlung von Kandinskys gibt.
CB: Auch ich schätze Kandinskys Kunst sehr – besonders seine früheren Werke vor 1910. Durch seine künstlerische Entwicklung hin zur Abstraktion erlangte er mit seinen späteren Werken Weltruhm.
Hinter dem Kunstwerk sind dann bald noch mehrere andere schillernde Figuren hinterher. Darunter ein schwules Kunsträuberpärchen, ein gewiefter Galerist und ein Wiener Immobilienhai. Ihre Figuren sind bewusst überzeichnet. Dennoch denkt man bei der ein oder anderen Person an Menschen, die es im echten Leben auch gibt. Bekommen Sie nach Erscheinen dieses Romans jetzt mit ein paar Leuten Ärger?
SL: Bisher hat sich noch niemand beklagt. Man kann aber beim Erfinden einer Geschichte nicht auf alle Empfindlichkeiten Rücksicht nehmen. Manche Menschen wirken auch im wirklichen Leben wie „überzeichnet“.
CB: Naja, vielleicht rettet unser Witz und Humor uns vor Attacken. Im Buch erzählen wir von einem Maler, der eine exakte Kopie vom Original des Bildes herstellt. Dies ist eine Hommage an einen sehr bekannten Maler der Gegenwart, den ich gut kenne. Ich weiß allerdings bis heute nicht, wie er diese Stelle im Roman findet.
Auch was die Örtlichkeit angeht, ist man sich nicht sicher, ob Sie beim Schreiben nicht vielleicht an den berühmten Tegernsee und seine glamouröse Einwohnerschaft gedacht haben. Herr Briggs, Sie wohnen am Tegernsee. Haben Sie bewusst ein wenig Abstand zwischen die wilde Geschichte und Ihre Freunde und Bekannten dort gebracht?
CB: Mit dem Tegernsee hat unser Grandhotel im Roman nichts zu tun. Allein die optische Lage in der flachen und teils hügeligen Landschaft mit den unbebauten Ufern sowie das Zuhause der Mitglieder der Malergruppe „Der Blaue Reiter“ am Kochel- und Staffelsee, waren für die Positionierung des Grandhotels entscheidend.
SL: Ich bin im Sommer oft auf dem Wannsee und habe viel Zeit als Mitstreiter von Loriot am Starnberger See verbracht. Deshalb weiß ich: Immobilien am Wasser sind überall gefragt, selbst wenn der bauliche Zustand zu wünschen übrig lässt.
Was hat es mit dem intellektuellen Marder auf sich?
SL: Der Marder Giacomo ist ein Komplize der Leserinnen und Leser. Er beobachtet das teilweise groteske Geschehen mit wissenschaftlichem Interesse und macht sich ständig Gedanken über das seltsame Treiben und das Paarungsverhalten der Menschen, mit denen er das Haus teilt.
CB: Ja, er hat eine ähnliche Funktion wie ein Kommentator in manch einem Theaterstück, der Situationen erklärt und gerne seinem Hobby als Voyeur nachgeht.
Eine große Frage, die Ihre Screwball-Comedy trägt, ist die danach, was wichtiger ist im Leben: Geld oder Liebe? Was sagen Sie?
CB: Das ist wohl die wichtigste Frage! Es geht um die denkwürdige „Moral der Geschichte“. Was hat zum Erfolg geführt? In der klassischen Screwball-Comedy braucht es Zeit bis sich zwei finden. Leo und Julia sind sich nach der Entdeckung des äußerst wertvollen Gemäldes einig, dass der Verkauf alle Geldprobleme lösen wird. Weit gefehlt! Der Plan geht schief und es wird für beide gefährlich. Mit der Zeit verlieben sie sich ineinander. Jetzt müssen beide schauen, wer beim Lösen der Probleme die Hosen anhat.
SL: Es gibt den Spruch: „Geld allein macht nicht glücklich, man muss auch welches haben.“ Die Wahrheit ist: ohne Geld kommt man immer irgendwie durch, ohne Liebe geht man vor die Hunde – oder vor die Marder.
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