
Herr Spellmeier, „Luis & Dima“ ist bereits Ihr zweiter queerer Liebesroman. Spielte „Sonnenkönig, Pechrabe“ im London des 19. Jahrhunderts, versetzen Sie uns jetzt in die Gegenwart. Was bedeutete das für Ihr Schreiben?
Zwar finden wir uns in zwei komplett unterschiedlichen Jahrhunderten wieder, aber die Romance, die queere Repräsentation, der Humor, all das bleibt erhalten. Was für mich beim Schreiben wegfällt, ist dass ich nicht mehr recherchieren muss, wann Klospülungen erfunden wurden.
Sie erzählen von Dima, der in die kleine abgelegene Stadt Fountainbridge zieht. Wie alt ist Dima, was ist er für ein Mensch und was bedeutet der Umzug für ihn?
Dima ist 16 und eher verschlossen, allerdings super loyal. Er liebt seine Mutter, weil sie ihn allein großgezogen hat und hart arbeitet, um ihnen ein schönes Leben zu ermöglichen. Aber so ein Umzug an einen komplett neuen Ort ist nicht immer einfach.
An seinem neuen Wohnort lernt Dima Luis kennen, der ihn einlädt, gemeinsam etwas zu unternehmen. Dima ziert sich aber – warum?
Dima hat emotional gerade an viel zu knabbern, denn sein bester Freund hat komplett den Kontakt zu ihm abgebrochen. Dieser Vertrauensbruch wiegt schwer auf ihm, und da fällt es ihm nicht leicht, sich auf neue Freundschaften einzulassen. Dazu kommt, dass Dima sich gerade viele Fragen zu seiner Sexualität stellt, und Luis wiederum geht super offen damit um, dass er schwul ist. Das ist Neuland für Dima.
Wider Erwarten genießt Dima den gemeinsamen Abend – und als sie am nächsten Tag gemeinsam zum Weihnachtsmarkt gehen, ist er wie verwandelt?
Ja, aus dem Griesgram ist plötzlich ein charmanter, aufmerksamer Junge geworden. Luis hat es eben geschafft, das Eis zum Schmelzen zu bringen. Es tut Dima gut, jemanden wie Luis um sich zu haben, der vielleicht etwas tollpatschig, aber immer gut gelaunt durch die Welt stolpert. Zumal Dima sich der Magie der Vorweihnachtszeit eben doch nicht ganz entziehen kann. Seine neue Heimat ist ein zauberhafter Ort, vor allem im Dezember. Und so langsam entwickelt Dima einen Crush auf Luis.
Allerdings weiß Dima nicht, ob Luis auch Gefühle für ihn hat?
Das ist immer das Problem: Wenn man sich verliebt, gesteht man der Person diese Gefühle und geht das Risiko ein, dass man abgewiesen wird? Außerdem liegt Dima der Gedanke an ein Coming-out schwer im Magen. Er will nicht in einer Position sein, in der ihn beispielsweise seine Mutter zurückweisen könnte. Diese Angst ist eine große Hürde.
In der restlichen Vorweihnachtszeit besuchen die beiden gemeinsam viele Veranstaltungen. Sie gehen zum Beispiel zum Nussknacker-Bastelwettbewerb, zum Plätzchen-Contest, zum Büchertausch und zum Schneemann-Wettbewerb. Dabei lernt Dima auch Luis Familie und Freunde kennen.
Ja, Fountainbridge ist ein Ort voller großer Persönlichkeiten – da hat meine Liebe für die Serie Gilmore Girls mich definitiv beeinflusst. Hannah und Alec sind Luis‘ beste Freunde, und verhalten sich ein bisschen wie Engelchen und Teufelchen, die auf Luis‘ Schultern sitzen. Und Luis‘ Familie ist ein großer, chaotischer, liebenswürdiger Haufen. Dima wird dort mit offenen Armen aufgenommen und fühlt sich direkt wohl.
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