Jörg Steinleitner: "Blutige Beichte". Kritik | BUCHSZENE

Eine mysteriöse Tatserie erschüttert München, der LKA-Präsident wird bedroht und dann tauchen auch noch Handgranaten im Beichtstuhl auf. Frau Bluhm liest Jörg Steinleitners „Blutige Beichte“.

Frau Bluhm rezensiert Jörg Steinleitners „Blutige Beichte – Der LKA-Präsident ermittelt“

25. April 2018 | Frau Bluhm

Jörg Steinleitner

Blutige Beichte – Der LKA-Präsident ermittelt

ISBN 978-3-492-31135-9

336 Seiten | € 10,00

Piper

Frau Bluhm liest „Blutige Beichte“: 5 von 5 Blu(h)men

5 Blumen Frau Bluhm liest


Handgranaten im Beichtstuhl und eine nach Bali abgehauene Ehefrau

„Haste Kacke am Schuh, haste Kacke am Schuh!“ Nie hat dieser Ausspruch besser gepasst, als zu der Situation, in der sich Karl Zimmerschied in Jörg Steinleitners neuem Krimi „Blutige Beichte“ am Anfang des Romans befindet. Der Polizeipräsident des Bayerischen Landeskriminalamts in München weiß nicht mehr, wo ihm der Kopf steht: Seine Frau Roswitha befindet sich auf dem Trip der Selbstfindung und lässt ihn mit Haus und Hof und Kühen alleine, um in Bali eine Oben-ohne-Bar zu eröffnen, im Amt überschlagen sich die Fälle, nebenbei bekommt Karl Zimmerschied merkwürdige Drohbotschaften, die Presse steigt ihm aufs Dach und dann kommt auch noch Jugendfreund und Pfarrer Herrmann um die Ecke und übergibt Karl eine Tüte voller Kriegswaffen, die er im Beichtstuhl gefunden hat. Und als wäre das nicht alles schon genug, kündigt sich auch noch der US-Präsident zum Staatsbesuch an!

Vergewaltigung, Mord, Einbruch – und immer derselbe Täter

Man sieht schon, Jörg Steinleitner hat seine Geschichte breit gefächert. Doch denkt man zu Anfang noch, dass das doch alles am Ende überhaupt nicht zusammenpassen kann, so täuscht man sich dabei ganz gewaltig. Denn tatsächlich laufen die losen Fäden im Rahmen von Karl Zimmerschieds eher unkonventionellen Ermittlungsmethoden immer weiter aufeinander zu, bis er dann irgendwann, mit Hilfe seines genauso unkonventionellen Teams, eine ziemlich überraschende Auflösung präsentiert. Wenn es in der Polizeiarbeit jemals ein Puzzle gegeben hat, das weiße Kätzchen auf weißer Decke zeigt, dann der Fall, den Zimmerschied hier lösen muss: Eine versuchte Vergewaltigung, ein Einbruch und ein Mord an einem Politiker. Tatwaffen, Tatorte, Tatzeitpunkte alle unterschiedlich. Und doch scheint es der gleiche Täter zu sein. Geht nicht? Doch, geht. Wie, das müsst ihr selbst nachlesen.

Meine Lieblingsfigur ist der blinde Polizist Tommy Hensch

Unterwegs beim Lesen begegnen einem allerlei lustige Gestalten. Allen voran natürlich Polizeipräsident Karl Zimmerschied himself, der wirklich ein außerordentlich sympathisches Exemplar der Gattung Mann ist. Loyal, arbeitseifrig, aufbrausend und dabei ungeheuer bodenständig. Aber auch andere Figuren haben mich oft zum Schmunzeln gebracht. Meine Lieblingsfigur war der blinde Polizeitechniker Tommy Hensch samt Blindenhund Benno Berghammer, benannt nach dem allseits bekannten Bullen von Tölz.

Ein Dauer-Gag hat mir beim Lesen am allerbesten gefallen

Was mir beim Lesen aber am allerbesten gefallen hat, war der Dauer-Gag, der sich auf den Staatsbesuch des US-Präsidenten bezog. Immer mal wieder kam‘s um die Ecke und war herrlich grotesk und schön fies sarkastisch eingestreut. Es wurden zwar keine Namen genannt, aber ich glaube jeder hätte beim Lesen das gleiche Bild im Kopf gehabt wie ich. Ich sag nur: Donald Trump auf Bärenjagd. Einfach herrlich!

Frau Bluhm

Geboren 1984 in Aschaffenburg als Katharina Bluhm, studierte Frau Bluhm Psychologie und wurde nach dem Studium Erzieherin. Als BUCHSZENE.DE-Kolumnistin entdeckt wurde sie wegen ihrer so sympathischen wie zutreffenden Rezensionen auf Lovelybooks.


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