Mhairi McFarlane: Sowas kann auch nur mir passieren | BUCHSZENE

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28. November 2018 | Von Frau Bluhm | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten


Was, wenn du deinen Job verlierst und deinen Freund im Bett mit einer anderen erwischst? Georgina macht bei einem Schreibwettbewerb mit! Mhairi McFarlanes „Sowas kann auch nur mir passieren“ …


Mhairi McFarlanes Roman „Sowas kann auch nur mir passieren“ – gelesen von Frau Bluhm


Titelbild Sowas kann auch nur mir passieren

© Kokulina shutterstock-ID:394764610


Frau Bluhm liest „Sowas kann auch nur mir passieren“: 5 von 5 Blu(h)men

5 Blumen Frau Bluhm liest


Georgina verliert ihren Job und erwischt ihren Freund beim Fremdgehen

Keiner könnte Georgina vorwerfen nur halbe Sachen zu machen. Zuerst verliert sie ihren Job als Kellnerin im schrecklichsten Restaurant der Stadt, und noch am selben Abend erwischt sie ihren Freund Robin mit einer anderen Frau im Bett. Außerdem fühlt sie sich wie das schwarze Schaf in ihrer Familie. Doch diese Pechsträhne scheint ein Ende zu haben, als sie durch die guten Kontakte ihres Schwagers zum Probearbeiten in einen neueröffneten Pub eingeladen wird. Die Atmosphäre ist angenehm, das Lokal wunderschön und der Chef ein sympathischer Kerl. Doch dann stellt dieser ihr seinen Bruder und Geschäftspartner vor und Georgina erkennt in ihm niemand anderen als die erste große Liebe ihres Lebens. Mit 18 haben sie sich zuletzt auf dem Abschlussball gesehen und seitdem nie mehr ein Wort miteinander gewechselt. Doch nun ist Lucas zurück in Georginas Leben und mit ihm alle Erinnerungen an die Zeit vor 12 Jahren. Doch Lucas scheint Georgina nicht zu erkennen, was großartig für die neue Arbeitsstelle ist, aber katastrophal für ihr Gefühlsleben.

Mhairi McFarlanes Protagonistin ist ein Chaoshuhn par excellence

Mit „Sowas kann auch nur mir passieren“ veröffentlicht Mhairi McFarlane bereits ihren fünften Roman. Die gebürtige Schottin lebt heute mit Mann und Hund in Nottingham und auch ihre Bücher spielen in den nördlichen Städten Englands. Mit Georginas Geschichte begeben wir uns nach Sheffield in Yorkshire, welches durch die Beschreibungen Mhairi McFarlane richtig bunt und lebendig wird. Doch das liegt natürlich hauptsächlich an ihrer wundervollen Protagonistin Georgina, sie ist ein Chaoshuhn par excellence! Denn auch wenn die sympathische Blondine die 30 mittlerweile überschritten hat, richtig erwachsen ist sie irgendwie immer noch nicht. Sie tingelt von einem schlecht bezahlten Aushilfsjob zum nächsten und auch mit den Männern hat es noch nicht so recht klappen wollen. Erstere verliert sie in schöner Regelmäßigkeit, weil sie ihr vorlautes Mundwerk nicht halten kann, zweitere, weil sie im richtigen Moment einfach die Zähne nicht auseinanderbekommt. Falsches Timing ist ihr Steckenpferd und Impulsivität ihr zweiter Vorname. Alles in allem also nichts, was einer geregelten Zukunft zuträglich wäre, sehr zum Missfallen ihrer Mutter, deren größter Wunsch es ist, dass Georgina, genau wie ihre vorbildliche, große Schwester Esther, in den Hafen der Ehe einläuft.

Im großen Schreibwettbewerb wittert Georgina ihre Chance

Doch George, wie sie von ihren Freunden Clem, Jo und Rav genannt wird, sieht ihre große Chance in einem Schreibwettbewerb, dessen Gewinn eine eigene Kolumne in Sheffields Tageszeitung verspricht. Thema des Wettbewerbs: Peinlichkeiten. Mit der Unterstützung ihrer Freunde und ihrer neuen Arbeitgeber macht sich Georgina ans Werk. Frei nach dem Motto: „Ohne Eier zu zerschlagen, gibt es kein Omelette!“ haut sich die liebenswerte Kellnerin mit Vorliebe und viel Humor selbst in die Pfanne. Die ersten beiden Auftritte, die sie im Rahmen dieses Contests hinlegt, scheinen sehr vielversprechend. Genau wie das Publikum des Pubs, lauschen wir Georginas Erzählung über ihren peinlichsten Arbeitstag und ihr schlimmstes Date, und können uns vor Lachen kaum halten. Doch am dritten Abend ist der fürchterlichste Schultag an der Reihe. Im Publikum steht Chef und Ex-Freund Lucas. Ja, der, der Georgina angeblich vergessen hat. Genau an dieser Stelle eröffnet Mhairi McFarlane die Hintergründe der damaligen Trennung und zieht uns so in eine wunderschön melancholische und herzerwärmende Geschichte hinein.

„Sowas kann auch nur mir passieren“ handelt von Kommunikation

Eine Geschichte über Beziehungen, Liebe und Freundschaft. Doch vor allem über Kommunikation und die Missverständnisse, die aus Ermangelung selbiger entstehen. Mit warmherzigen Worten und viel Einfühlsamkeit nimmt uns die Autorin mit auf Georginas Reise zu sich selbst, an deren Ende sie erkennt, dass es ihre eigenen Worte sind, die den Unterschied zwischen glücklich und unglücklich machen. Was eine oberflächliche und stereotype Story hätte werden können, wird durch Mhairi McFarlane zu einem nachdenklichen, aber dennoch wundervoll witzigen Roman, voll von typisch englischem, schwarzem Humor und Gefühl. Schritt für Schritt erfahren wir die Hintergründe über Georges und Lucas Beziehung, und ihre erneute Annäherung in der Gegenwart.

Ich habe jede Seite von Mhairi McFarlanes Roman geliebt

Wer schon mal ein Buch der Autorin gelesen hat, weiß, dass es nicht unbedingt das klassische Happyend ist, das am Ende der letzten Seite wartet. Doch ohne zu viel verraten zu wollen, ist es eine wahre Freude zu sehen, wie Klassenclown Georgina langsam erwachsen wird, sich aufmacht, sich von den Lasten ihrer Vergangenheit zu befreien und irgendwann versteht, dass sie das Witzereißen stets damit verwechselte, selbst die Witzfigur zu sein. Ich habe jede Seite in diesem Buch geliebt. An einigen Stellen habe ich gelacht, an manchen vor Spannung die Luft angehalten, und an einigen sogar mit den Tränen kämpfen müssen. Ich bin ein großer Fan von Mhairi McFarlane und ihren Büchern, und dieses bildet keine Ausnahme.

Frau Bluhm

Geboren 1984 in Aschaffenburg als Katharina Bluhm, studierte Frau Bluhm Psychologie und wurde nach dem Studium Erzieherin. Als BUCHSZENE.DE-Kolumnistin entdeckt wurde sie wegen ihrer so sympathischen wie zutreffenden Rezensionen auf Lovelybooks.


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