Frau Carsta, mit »Schritt ins Licht« starten Sie einerseits etwas Neues und gleichzeitig bauen Sie auf einer bereits bestehenden, ziemlich beeindruckenden Saga auf …
Ich bin selbst sehr aufgeregt, da es das erste Mal ist, dass ich eine Saga beende und dann über die Folgegeneration weiterschreibe. Die Hansen-Saga mit ihrer Hauptfigur Luise startet 1888 und endet 1897. Die Kinder der Hansens-Saga startet 1924. Dieses Mal ist Luises Tochter Amala die Hauptfigur. Bei der Hansen-Saga standen Hamburg, Wien und Kamerun als deutsche Kolonie im Vordergrund.
In der »Die Kinder der Hansens«-Saga geht es nun nach Hamburg, Berlin, Wien Philadelphia.
Und in der Zwischenzeit hat sich einiges verändert: Die Welt hat den verheerenden Ersten Weltkrieg erlebt, Deutschland hat die Kolonien verloren und in den wilden Zwanzigerjahren feiern die Menschen nach den dramatischen Jahren ausschweifend. Leserinnen und Leser der Hansen-Saga werden in »Schritt ins Licht«, das als Taschenbuch, eBook und Hörbuch erhältlich sein wird, einige bekannte Gesichter wiedersehen und erfahren, wie sich ihr weiteres Leben gestaltet hat. Es wird aber auch ganz neue Figuren geben, allen voran natürlich Amala Hansen. Somit baut die neue Saga auf der alten auf, kann aber auch ohne Bedenken unabhängig von ihr gelesen werden.
Im Mittelpunkt Ihrer erfolgreichen achtbändigen Hansen-Saga steht das zunächst hoch verschuldete Familienunternehmen der mächtigen Hamburger Kaffee-Dynastie, das von den Erben Robert, Karl und Georg gerettet werden muss. Wie entwickelt sich das Ganze?
»Die ferne Hoffnung«, der erste Teil der Hansen-Saga, beginnt mit einem Knall. Nachdem das Kontor der Hamburger Familie Hansen jahrelang Gewinne eingefahren hat, sieht es inzwischen nicht mehr besonders gut aus. Peter Hansen ist auf einen Schwindel hereingefallen, der die finanzielle Stabilität des Kontors ins Wanken bringt. Seine Söhne haben hiervon keine Ahnung. Als Peter Hansen stirbt, müssen seine Söhne Georg, Robert und Karl übernehmen. Erst jetzt erkennen sie, wie es tatsächlich um das Kontor Hansen steht. Robert Hansen fasst einen mutigen Entschluss: Er nimmt einen Kredit auf und kauft eine Farm in der deutschen Kolonie Kamerun, um im großen Stil in das Kakao-Geschäft einzusteigen, selbst zu produzieren und sich damit die hohen Kosten anderer Händler zu sparen.
In der Folge reist er gemeinsam mit seiner 14-jährigen Tochter Luise nach Kamerun …
… und beginnt mit dem Aufbau der Plantage. Die Zeit drängt, denn die Hansens brauchen schnell Geld, um ihre Schulden zu bezahlen. Luise ist klug und wissbegierig. Sie erfährt von Beginn an, was es heißt, hart zu arbeiten und zu lernen. Mit der Zeit reift sie zu einer starken Geschäftsfrau und bewahrt das Kontor Hansen mehr als einmal vor dem sicheren Ruin.
Und dann gibt es in der Hansen-Saga noch die Liebe, die manchmal zu Überraschungen führt …
Bei ihrer Ankunft in Kamerun lernt Luise den jungen Hamza kennen, der ihr das Land und die Kultur zeigt. Es kommt, wie es kommen muss, aber natürlich nicht kommen darf: Zwischen den beiden entwickelt sich mit der Zeit eine zärtliche und verbotene Liebe, die zum Scheitern verurteilt ist. Hamza schafft es nach und nach, sich durch seine Intelligenz hervorzutun. Robert Hansen ist beeindruckt von dem jungen Mann, der aus ihm geworden ist, doch was würde er denken, wenn er von der Romanze zwischen Hamza und seiner Tochter wüsste? Hamza gehört dem Stamm der Duala an, die die Felder der Plantage zum Großteil bewirtschaften. Nicht nur ist er von einem anderen Stand als Luise, alleine schon durch seine Hautfarbe kann er niemals mit Luise zusammen sein. Außerdem ist Luise bereits einem anderen Mann versprochen, was die Geschäftsbeziehungen der Familie Hansen festigen soll. Luise muss ihn heiraten und sich von Hamza entfernen, doch als sie plötzlich schwanger wird, ändert sich alles …
»Die Kinder der Hansens« setzt in den 1920er-Jahren ein. Der Erste Weltkrieg ist eben erst vorbei. Welche Herausforderungen stehen dieser Generation bevor?
Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ist unglaublich interessant. So viele Umbrüche und Einschnitte sind zu dieser Zeit zu erkennen. Die Gesellschaft ist wie ohnmächtig nach dem verheerenden Krieg, der ein nie gekanntes Ausmaß an Leid und Tod verursacht hat. Allein um die 17 Millionen Tote sind insgesamt zu beklagen, traumatische Bilder, der Einsatz von Kampfgasen und der dauerhafte Beschuss haben Spuren bei den Überlebenden hinterlassen.
In »Die Kinder der Hansens« thematisieren Sie auch den Prozess der Verarbeitung des Krieges.
Stimmt. Das Bild, das sich in Deutschland manifestiert, ist vielseitig: Von vielen wird die Kriegsschuld geleugnet, andere akzeptieren sie, wollen aber die erdrückenden Reparationszahlungen nicht leisten, die die Wirtschaft in die Knie zwingt. Deutschland ist keine Kolonialmacht mehr, Arbeitslosigkeit herrscht, gleichzeitig gibt es in manchen Gewerben richtige Booms.
Die Demokratie steht auf wackligen Füßen …
… die Parteienlandschaft zeigt die Unentschlossenheit der Menschen, die die Regierung lähmt und Extremismus den Weg bahnt. Die Menschen flüchten sich in Genuss und Exzess, gerade in den Varietés und Bars regieren Alkohol und Drogen. Und es blüht die Kultur auf, Theater, Musik, Film und Kunst sind auf dem Vormarsch und prägen die Gesellschaft. All den Schwierigkeiten muss sich die neue Generation der Hansens stellen. Manche mussten sich anpassen, um Arbeit zu haben, andere ziehen sogar massive Gewinne und alle müssen versuchen, ihren Platz in einer sich neu ordnenden Welt zu finden.
Was passiert mit Luises und Hamzas Kindern in Hamburg, Berlin, Wien und Philadelphia?
Die Kinder und ihre Familien sind inzwischen zerstreut. Luise und Hamza haben sich auf Hawaii niedergelassen, Amala kehrt nach Hamburg zurück, um ihre Familie kennenzulernen, und findet ihren Platz in der alten Villa der Hansens, in der Georg lebt. Sie lernt Eduard kennen, der das Spirituosengeschäft seines Vaters weiterführt und deswegen häufig im wilden Berlin unterwegs ist, wo er gute Geschäfte machen kann. In Wien hat Franz Loising mit seinem Kriegstrauma zu kämpfen und braucht Unterstützung von seinem Onkel, seiner Mutter und seiner Schwester. Und zuletzt erfahren wir, wie es Elsa und ihrer Tochter Marie ergangen ist, die in der Hansen-Saga die Flucht vor Richard angetreten und inzwischen in Philadelphia ihr Zuhause gefunden haben.
Hat es Ihnen ein Schauplatz besonders angetan?
Jeder Schauplatz hat seinen ganz eigenen Charme. Ich persönlich liebe es immer, nach Hamburg zurückzukehren, aber auch Wien, das sich zu einer echten Metropole entwickelt hat, ist interessant zu beschreiben, besonders die Stimmungen, die ich versuche wiederzugeben. Ich stelle mir Hamburg und Wien zu dieser Zeit langsamer vor, es gibt alte Familien, die früher viel Macht hatten, alles wirkt noch recht hochherrschaftlich, besonders in den Theatern. Ganz anders verhält es sich im wilden Berlin, das nach Ausschweifungen schreit. Ich liebe es, diesen Gegensatz zu beschreiben.
Bitte erzählen Sie noch etwas mehr über die Hauptakteure von »Die Kinder der Hansens«.
Eine wichtige Protagonistin ist Amala, die nach Hamburg kommt, um ihre Familie in Deutschland kennenzulernen und sich hier als Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin durchzusetzen. Doch es schlägt ihr Rassismus entgegen, immer wieder wird sie wegen ihrer dunklen Haut und den strahlend blauen Augen misstrauisch beäugt, besonders weil sie sehr gut gekleidet ist. Amala ist jedoch stur wie ihre Mutter und nicht bereit, einfach aufzugeben. Mit Fleiß und ihrem Talent gibt sie alles, um sich einen guten Ruf zu erarbeiten und ihren Kritikern zu zeigen, wozu sie fähig ist.
Was ist mit Franz Loising?
Der hat mit seinen Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg zu kämpfen. Er macht sich für den Tod seines Ziehvaters verantwortlich und leidet unter Albträumen und Depressionen, die er mit Unterstützung seiner Familie bekämpfen muss.
Und Eduard Hansen?
Eduard Hansen hat das Spirituosengeschäft seines Vaters übernommen, erwägt aber, in Hamburg zu schließen und sich ganz auf Berlin zu konzentrieren, da er hier deutlich höhere Gewinne einfährt. Er hat enorme Kosten zu stemmen, schließlich muss er die Villa seiner Mutter ebenso bezahlen wie die Lager in Hamburg und Berlin, außerdem sind einige seiner Kunden mit ihren Zahlungen arg im Rückstand. Als dann noch ein Baum die Villa seiner Mutter beschädigt, steht er vor dem Ruin. Da erhält er ein zweifelhaftes Angebot aus Berlin, dass das Geld für ihn eingetrieben würde, wenn er bei seinen Fahrten nebenbei ein wenig Kokain schmuggle.
Haben Sie eine Figur, die Ihnen nähersteht als die anderen?
Amala! Sie ist eine tolle junge Frau mit großen Träumen und lässt sich nicht davon beirren, was andere von ihr denken. Sie entwickelt eine unglaubliche Stärke, indem sie sich selbst und ihren Fähigkeiten vertraut, und ist bereit, hart zu arbeiten. Sie wächst mir immer mehr ans Herz, besonders weil ich ja bereits weiß, was noch alles auf sie zukommt. Sie ist Luises Tochter, und das merkt man.
Wie ist es mit den Kindern der Hansens und der Liebe?
Auch in dieser Reihe wird natürlich die Liebe eine wichtige Rolle spielen. Amala konzentriert sich gerade noch sehr auf ihre Karriere, doch – wie das wahrscheinlich jeder von uns kennt – geht die Liebe ihre eigenen Wege und wird bestimmt auch bald schon bei Amala zuschlagen. Eine ebenfalls sehr schöne kleine Liebesgeschichte entwickelt sich bei Helene, die nach dem frühen Tod ihrer großen Liebe Emil durch ihre kleine Pension jemanden kennenlernt, der lange nicht mehr gekannte Gefühle in ihr zum Vorschein bringt.
In der Hansen-Saga zeigen Sie Frauen wie Luise, die erfolgreich im Beruf sind und sich wegen der vielen Zeit und Energie, die sie in diesen Erfolg stecken, als Mutter unter Druck fühlen. Das ist ein ziemlich modernes Problem, oder?
In der Hansen-Saga ist in späteren Teilen ein großes Thema, dass Luise sich selbst Vorwürfe macht, nicht genug für ihre Tochter da zu sein. Die Frauen, die ich beschreibe, sind natürlich nicht dafür ausgewählt worden, ein Geschäft zu führen, ganz im Gegenteil. Richard, der eigentlich für die Nachfolge bestimmt wäre, ist jedoch faul und kümmert sich vor allem darum, dass seine eigenen Taschen gut gefüllt sind. Luise springt nur ein, um Probleme zu lösen, für die sonst niemand eine Lösung hat.
Dennoch macht sie sich Vorwürfe, ob sie nicht mehr für ihre Tochter da sein müsste.
Ich denke, dass jede berufstätige Frau das ein Stück weit nachvollziehen kann. Ich habe das Privileg gehabt, dass ich viel Zeit mit meinen Kindern verbringen und sie aufziehen konnte, da mein Mann viel gearbeitet hat. Auch hier habe ich ihn jedoch immer unterstützt. Gerade als meine Kinder ein wenig älter waren, gab es viel zu erledigen, sodass auch ich mir Vorwürfe machte, ob ich nicht noch mehr für meine Kinder da sein müsste (etwas, das sie später vehement verneinten). Ich denke, dass eine zentrale Herausforderung für Frauen ist, Kinder und Beruf in Einklang zu bringen. Glücklicherweise wird diese klassische Rollenverteilung langsam aufgeweicht, sodass es nicht mehr selbstverständlich ist, dass Frauen zu Hause bleiben und Männer arbeiten, doch die zentrale Verantwortung liegt häufig bei den Frauen – egal, ob sie sich diese selbst zuschreiben oder ob ihnen diese zugeschrieben wird. Deswegen ist es meiner Meinung nach sehr interessant, sich mit dieser Frage zu beschäftigen, gerade zu jener Zeit, in der Frauen in der Arbeitswelt einen deutlich geringeren Stand hatten und systematische Benachteiligung erfuhren.
Ist Luises Tochter Amala eine moderne Frau im Sinne ihrer Mutter?
Amala ist definitiv eine moderne Frau, allein schon, weil sie von ihren Eltern so erzogen wurde. Ihr wurden Werte wie Freiheit und Eigenständigkeit praktisch in die Wiege gelegt und über allem stand, dass sie glücklich werden und ihren eigenen Weg gehen sollte. Amala hält nicht viel von gesellschaftlichen Konventionen, besonders diejenigen, die Schwarze strukturell benachteiligen, wie es zu dieser Zeit mit der Rassentrennung der Fall war. Während sie bei sich zu Hause behütet aufwachsen kann, ist die Welt geprägt von Rassismus und Vorurteilen, sowohl in den USA als auch in Deutschland. Dennoch verfolgt Amala konsequent ihren Traum, zu schauspielern und zu tanzen.
Amala hat in New York als Tänzerin und Schauspielerin gearbeitet. Wird sie ihre Karriere fortsetzen?
Ja, nach ihrer Ausbildung an der Juilliard School konnte sie bereits kleinere Erfolge feiern, auch wenn das Theater- und Filmgeschäft hart ist, besonders für eine schwarze Frau. Weder vorher in den USA noch in Deutschland ist sie jedoch dazu bereit, von ihren Zielen abzurücken. Sie wird alles tun, um erfolgreich zu werden, egal, was es kostet. Interviews
»Schritt ins Licht« ist der erste Band von Ellin Carstas neuer Saga »Die Kinder der Hansens«
Ellin Carsta, Autorin der erfolgreichen »Hansen-Saga«, im Interview über die Fortsetzung der Geschichte der Hamburger Dynastie »Die Kinder der Hansens – Schritt ins Licht«.
Frau Carsta, mit »Schritt ins Licht« starten Sie einerseits etwas Neues und gleichzeitig bauen Sie auf einer bereits bestehenden, ziemlich beeindruckenden Saga auf …
Ich bin selbst sehr aufgeregt, da es das erste Mal ist, dass ich eine Saga beende und dann über die Folgegeneration weiterschreibe. Die Hansen-Saga mit ihrer Hauptfigur Luise startet 1888 und endet 1897. Die Kinder der Hansens-Saga startet 1924. Dieses Mal ist Luises Tochter Amala die Hauptfigur. Bei der Hansen-Saga standen Hamburg, Wien und Kamerun als deutsche Kolonie im Vordergrund.
In der »Die Kinder der Hansens«-Saga geht es nun nach Hamburg, Berlin, Wien Philadelphia.
Und in der Zwischenzeit hat sich einiges verändert: Die Welt hat den verheerenden Ersten Weltkrieg erlebt, Deutschland hat die Kolonien verloren und in den wilden Zwanzigerjahren feiern die Menschen nach den dramatischen Jahren ausschweifend. Leserinnen und Leser der Hansen-Saga werden in »Schritt ins Licht«, das als Taschenbuch, eBook und Hörbuch erhältlich sein wird, einige bekannte Gesichter wiedersehen und erfahren, wie sich ihr weiteres Leben gestaltet hat. Es wird aber auch ganz neue Figuren geben, allen voran natürlich Amala Hansen. Somit baut die neue Saga auf der alten auf, kann aber auch ohne Bedenken unabhängig von ihr gelesen werden.
Im Mittelpunkt Ihrer erfolgreichen achtbändigen Hansen-Saga steht das zunächst hoch verschuldete Familienunternehmen der mächtigen Hamburger Kaffee-Dynastie, das von den Erben Robert, Karl und Georg gerettet werden muss. Wie entwickelt sich das Ganze?
»Die ferne Hoffnung«, der erste Teil der Hansen-Saga, beginnt mit einem Knall. Nachdem das Kontor der Hamburger Familie Hansen jahrelang Gewinne eingefahren hat, sieht es inzwischen nicht mehr besonders gut aus. Peter Hansen ist auf einen Schwindel hereingefallen, der die finanzielle Stabilität des Kontors ins Wanken bringt. Seine Söhne haben hiervon keine Ahnung. Als Peter Hansen stirbt, müssen seine Söhne Georg, Robert und Karl übernehmen. Erst jetzt erkennen sie, wie es tatsächlich um das Kontor Hansen steht. Robert Hansen fasst einen mutigen Entschluss: Er nimmt einen Kredit auf und kauft eine Farm in der deutschen Kolonie Kamerun, um im großen Stil in das Kakao-Geschäft einzusteigen, selbst zu produzieren und sich damit die hohen Kosten anderer Händler zu sparen.
In der Folge reist er gemeinsam mit seiner 14-jährigen Tochter Luise nach Kamerun …
… und beginnt mit dem Aufbau der Plantage. Die Zeit drängt, denn die Hansens brauchen schnell Geld, um ihre Schulden zu bezahlen. Luise ist klug und wissbegierig. Sie erfährt von Beginn an, was es heißt, hart zu arbeiten und zu lernen. Mit der Zeit reift sie zu einer starken Geschäftsfrau und bewahrt das Kontor Hansen mehr als einmal vor dem sicheren Ruin.
Und dann gibt es in der Hansen-Saga noch die Liebe, die manchmal zu Überraschungen führt …
Bei ihrer Ankunft in Kamerun lernt Luise den jungen Hamza kennen, der ihr das Land und die Kultur zeigt. Es kommt, wie es kommen muss, aber natürlich nicht kommen darf: Zwischen den beiden entwickelt sich mit der Zeit eine zärtliche und verbotene Liebe, die zum Scheitern verurteilt ist. Hamza schafft es nach und nach, sich durch seine Intelligenz hervorzutun. Robert Hansen ist beeindruckt von dem jungen Mann, der aus ihm geworden ist, doch was würde er denken, wenn er von der Romanze zwischen Hamza und seiner Tochter wüsste? Hamza gehört dem Stamm der Duala an, die die Felder der Plantage zum Großteil bewirtschaften. Nicht nur ist er von einem anderen Stand als Luise, alleine schon durch seine Hautfarbe kann er niemals mit Luise zusammen sein. Außerdem ist Luise bereits einem anderen Mann versprochen, was die Geschäftsbeziehungen der Familie Hansen festigen soll. Luise muss ihn heiraten und sich von Hamza entfernen, doch als sie plötzlich schwanger wird, ändert sich alles …
»Die Kinder der Hansens« setzt in den 1920er-Jahren ein. Der Erste Weltkrieg ist eben erst vorbei. Welche Herausforderungen stehen dieser Generation bevor?
Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ist unglaublich interessant. So viele Umbrüche und Einschnitte sind zu dieser Zeit zu erkennen. Die Gesellschaft ist wie ohnmächtig nach dem verheerenden Krieg, der ein nie gekanntes Ausmaß an Leid und Tod verursacht hat. Allein um die 17 Millionen Tote sind insgesamt zu beklagen, traumatische Bilder, der Einsatz von Kampfgasen und der dauerhafte Beschuss haben Spuren bei den Überlebenden hinterlassen.
In »Die Kinder der Hansens« thematisieren Sie auch den Prozess der Verarbeitung des Krieges.
Stimmt. Das Bild, das sich in Deutschland manifestiert, ist vielseitig: Von vielen wird die Kriegsschuld geleugnet, andere akzeptieren sie, wollen aber die erdrückenden Reparationszahlungen nicht leisten, die die Wirtschaft in die Knie zwingt. Deutschland ist keine Kolonialmacht mehr, Arbeitslosigkeit herrscht, gleichzeitig gibt es in manchen Gewerben richtige Booms.
Die Demokratie steht auf wackligen Füßen …
… die Parteienlandschaft zeigt die Unentschlossenheit der Menschen, die die Regierung lähmt und Extremismus den Weg bahnt. Die Menschen flüchten sich in Genuss und Exzess, gerade in den Varietés und Bars regieren Alkohol und Drogen. Und es blüht die Kultur auf, Theater, Musik, Film und Kunst sind auf dem Vormarsch und prägen die Gesellschaft. All den Schwierigkeiten muss sich die neue Generation der Hansens stellen. Manche mussten sich anpassen, um Arbeit zu haben, andere ziehen sogar massive Gewinne und alle müssen versuchen, ihren Platz in einer sich neu ordnenden Welt zu finden.
Was passiert mit Luises und Hamzas Kindern in Hamburg, Berlin, Wien und Philadelphia?
Die Kinder und ihre Familien sind inzwischen zerstreut. Luise und Hamza haben sich auf Hawaii niedergelassen, Amala kehrt nach Hamburg zurück, um ihre Familie kennenzulernen, und findet ihren Platz in der alten Villa der Hansens, in der Georg lebt. Sie lernt Eduard kennen, der das Spirituosengeschäft seines Vaters weiterführt und deswegen häufig im wilden Berlin unterwegs ist, wo er gute Geschäfte machen kann. In Wien hat Franz Loising mit seinem Kriegstrauma zu kämpfen und braucht Unterstützung von seinem Onkel, seiner Mutter und seiner Schwester. Und zuletzt erfahren wir, wie es Elsa und ihrer Tochter Marie ergangen ist, die in der Hansen-Saga die Flucht vor Richard angetreten und inzwischen in Philadelphia ihr Zuhause gefunden haben.
Hat es Ihnen ein Schauplatz besonders angetan?
Jeder Schauplatz hat seinen ganz eigenen Charme. Ich persönlich liebe es immer, nach Hamburg zurückzukehren, aber auch Wien, das sich zu einer echten Metropole entwickelt hat, ist interessant zu beschreiben, besonders die Stimmungen, die ich versuche wiederzugeben. Ich stelle mir Hamburg und Wien zu dieser Zeit langsamer vor, es gibt alte Familien, die früher viel Macht hatten, alles wirkt noch recht hochherrschaftlich, besonders in den Theatern. Ganz anders verhält es sich im wilden Berlin, das nach Ausschweifungen schreit. Ich liebe es, diesen Gegensatz zu beschreiben.
Bitte erzählen Sie noch etwas mehr über die Hauptakteure von »Die Kinder der Hansens«.
Eine wichtige Protagonistin ist Amala, die nach Hamburg kommt, um ihre Familie in Deutschland kennenzulernen und sich hier als Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin durchzusetzen. Doch es schlägt ihr Rassismus entgegen, immer wieder wird sie wegen ihrer dunklen Haut und den strahlend blauen Augen misstrauisch beäugt, besonders weil sie sehr gut gekleidet ist. Amala ist jedoch stur wie ihre Mutter und nicht bereit, einfach aufzugeben. Mit Fleiß und ihrem Talent gibt sie alles, um sich einen guten Ruf zu erarbeiten und ihren Kritikern zu zeigen, wozu sie fähig ist.
Was ist mit Franz Loising?
Der hat mit seinen Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg zu kämpfen. Er macht sich für den Tod seines Ziehvaters verantwortlich und leidet unter Albträumen und Depressionen, die er mit Unterstützung seiner Familie bekämpfen muss.
Und Eduard Hansen?
Eduard Hansen hat das Spirituosengeschäft seines Vaters übernommen, erwägt aber, in Hamburg zu schließen und sich ganz auf Berlin zu konzentrieren, da er hier deutlich höhere Gewinne einfährt. Er hat enorme Kosten zu stemmen, schließlich muss er die Villa seiner Mutter ebenso bezahlen wie die Lager in Hamburg und Berlin, außerdem sind einige seiner Kunden mit ihren Zahlungen arg im Rückstand. Als dann noch ein Baum die Villa seiner Mutter beschädigt, steht er vor dem Ruin. Da erhält er ein zweifelhaftes Angebot aus Berlin, dass das Geld für ihn eingetrieben würde, wenn er bei seinen Fahrten nebenbei ein wenig Kokain schmuggle.
Haben Sie eine Figur, die Ihnen nähersteht als die anderen?
Amala! Sie ist eine tolle junge Frau mit großen Träumen und lässt sich nicht davon beirren, was andere von ihr denken. Sie entwickelt eine unglaubliche Stärke, indem sie sich selbst und ihren Fähigkeiten vertraut, und ist bereit, hart zu arbeiten. Sie wächst mir immer mehr ans Herz, besonders weil ich ja bereits weiß, was noch alles auf sie zukommt. Sie ist Luises Tochter, und das merkt man.
Wie ist es mit den Kindern der Hansens und der Liebe?
Auch in dieser Reihe wird natürlich die Liebe eine wichtige Rolle spielen. Amala konzentriert sich gerade noch sehr auf ihre Karriere, doch – wie das wahrscheinlich jeder von uns kennt – geht die Liebe ihre eigenen Wege und wird bestimmt auch bald schon bei Amala zuschlagen. Eine ebenfalls sehr schöne kleine Liebesgeschichte entwickelt sich bei Helene, die nach dem frühen Tod ihrer großen Liebe Emil durch ihre kleine Pension jemanden kennenlernt, der lange nicht mehr gekannte Gefühle in ihr zum Vorschein bringt.
In der Hansen-Saga zeigen Sie Frauen wie Luise, die erfolgreich im Beruf sind und sich wegen der vielen Zeit und Energie, die sie in diesen Erfolg stecken, als Mutter unter Druck fühlen. Das ist ein ziemlich modernes Problem, oder?
In der Hansen-Saga ist in späteren Teilen ein großes Thema, dass Luise sich selbst Vorwürfe macht, nicht genug für ihre Tochter da zu sein. Die Frauen, die ich beschreibe, sind natürlich nicht dafür ausgewählt worden, ein Geschäft zu führen, ganz im Gegenteil. Richard, der eigentlich für die Nachfolge bestimmt wäre, ist jedoch faul und kümmert sich vor allem darum, dass seine eigenen Taschen gut gefüllt sind. Luise springt nur ein, um Probleme zu lösen, für die sonst niemand eine Lösung hat.
Dennoch macht sie sich Vorwürfe, ob sie nicht mehr für ihre Tochter da sein müsste.
Ich denke, dass jede berufstätige Frau das ein Stück weit nachvollziehen kann. Ich habe das Privileg gehabt, dass ich viel Zeit mit meinen Kindern verbringen und sie aufziehen konnte, da mein Mann viel gearbeitet hat. Auch hier habe ich ihn jedoch immer unterstützt. Gerade als meine Kinder ein wenig älter waren, gab es viel zu erledigen, sodass auch ich mir Vorwürfe machte, ob ich nicht noch mehr für meine Kinder da sein müsste (etwas, das sie später vehement verneinten). Ich denke, dass eine zentrale Herausforderung für Frauen ist, Kinder und Beruf in Einklang zu bringen. Glücklicherweise wird diese klassische Rollenverteilung langsam aufgeweicht, sodass es nicht mehr selbstverständlich ist, dass Frauen zu Hause bleiben und Männer arbeiten, doch die zentrale Verantwortung liegt häufig bei den Frauen – egal, ob sie sich diese selbst zuschreiben oder ob ihnen diese zugeschrieben wird. Deswegen ist es meiner Meinung nach sehr interessant, sich mit dieser Frage zu beschäftigen, gerade zu jener Zeit, in der Frauen in der Arbeitswelt einen deutlich geringeren Stand hatten und systematische Benachteiligung erfuhren.
Ist Luises Tochter Amala eine moderne Frau im Sinne ihrer Mutter?
Amala ist definitiv eine moderne Frau, allein schon, weil sie von ihren Eltern so erzogen wurde. Ihr wurden Werte wie Freiheit und Eigenständigkeit praktisch in die Wiege gelegt und über allem stand, dass sie glücklich werden und ihren eigenen Weg gehen sollte. Amala hält nicht viel von gesellschaftlichen Konventionen, besonders diejenigen, die Schwarze strukturell benachteiligen, wie es zu dieser Zeit mit der Rassentrennung der Fall war. Während sie bei sich zu Hause behütet aufwachsen kann, ist die Welt geprägt von Rassismus und Vorurteilen, sowohl in den USA als auch in Deutschland. Dennoch verfolgt Amala konsequent ihren Traum, zu schauspielern und zu tanzen.
Amala hat in New York als Tänzerin und Schauspielerin gearbeitet. Wird sie ihre Karriere fortsetzen?
Ja, nach ihrer Ausbildung an der Juilliard School konnte sie bereits kleinere Erfolge feiern, auch wenn das Theater- und Filmgeschäft hart ist, besonders für eine schwarze Frau. Weder vorher in den USA noch in Deutschland ist sie jedoch dazu bereit, von ihren Zielen abzurücken. Sie wird alles tun, um erfolgreich zu werden, egal, was es kostet. Chat
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