Mit Pierre Brice führte er das letzte Interview vor dessen Tod, Barbara Schöneberger entlockte er Privates. In seinem Buch „Samstagabendhelden“ feiert Tim Pröse die TV-Epoche von Gottschalk bis heute.
Frau Bluhm liest „Samstagabendhelden“: 5 von 5 Blu(h)men

Zur Zeit der „Samstagabendhelden“ klingelte man einfach bei den Freunden
Wer, wie ich, vor 1985 geboren wurde, der kennt sie noch. Die Zeit des Spielens auf den Dreckbergen der Neubaugebiete. Die Verabredungen zum Spielen wurden mit dem Festnetztelefon getroffen oder sogar, indem man an der Haustür der Freunde läutete. Terminiert wurden die Outdoor-Abenteuer nur durch das Einschalten der Straßenlaternen oder das Erklingen der Kirchenglocken um 18 Uhr. Je nachdem, was früher eintraf. Eine herrliche Zeit, die ich nicht missen möchte, und von der ich bedaure, dass die heute Heranwachsenden sie nicht mehr erleben werden. Genau diese Zeitperiode brachte auch die Samstagabendhelden hervor, über die Tim Pröse in seinem aktuellen Buch berichtet.
Thomas Gottschalk, Hape Kerkeling – alle kommen bei Tim Pröse vor
20:15 Uhr am Samstagabend, alle vier Wochen. Das höchste Fernsehspektakel meiner Kindheit und so vieler anderer. „Wetten dass …?“ bildete eine feste Institution in so ziemlich jedem deutschen Haushalt. Auch wenn sich bezüglich der Mode vielleicht keiner wirklich an Thomas Gottschalk orientieren wollte, so war er doch ein gern gesehener Gast im Wohnzimmer für Millionen von Menschen. Der große Blonde, wie er gerne mal genannte wurde, ist nur einer der Samstagabendhelden, über die Tim Pröse in seinem Buch berichtet. Doch nicht nur mit Entertainern wie Gottschalk oder Hape Kerkeling hat der Journalist gesprochen; auch Sänger, Regisseure, Schauspieler und Produzenten finden Einzug in seinen Kanon der Helden der Unterhaltung. Allen voran Ausnahmemensch Udo Lindenberg, wohl größter Exportschlager in Sachen deutscher Musik.
Tim Pröse schreckt auch vor dunklen Wahrheiten nicht zurück
Mit guter Beobachtungsgabe, einem feinen Sinn für Humor und vor allem unheimlich viel Gefühl und Empathie führt uns Tim Pröse in das Allerheiligste derer, die uns über Jahre hinweg Stunden der Freude auf dem Sofa beschert haben. Er gibt Einblick in Interviews, die er mit den Prominenten führte und findet Verbindungen, wo man als Ottonormalverbraucher gar keine entdeckt hätte. Dabei schreckt er vor dunklen Themen und unangenehmen Wahrheiten nicht zurück, findet aber stets einen sehr menschlichen und unvoreingenommenen Ton, ob er über die Exzesse von Klaus Kinski oder die persönlichen Dramen eines Götz George, um nur zwei Beispiele zu nennen, schreibt.
Mit einigen Samstagabendhelden verbinden ihn ganz persönliche Erlebnisse
Samstagabendhelden
Für deine Leseliste bitte einloggen
Dass Tim Pröse Journalist mit Leib und Seele ist, spürt man in jeder seiner Zeilen. Man sieht es aber auch sehr deutlich an der Art und Weise, wie er diese bekannten Menschen dazu bringt, sich ihm zu öffnen. Mit einigen Samstagabendhelden führte er Interviews, die er unbearbeitet im Buch abdruckt. Mit einigen verbindet er eigene Kindheitserinnerungen, wie beispielsweise Heinz Rühmann oder Udo Jürgens, und wieder andere hat er ganz genau und sehr persönlich unter die Lupe genommen, wie eben Udo Lindenberg, Konstantin Wecker oder auch Barbara Schöneberger. Er entglorifiziert diese Lichtgestalten des Unterhaltungsprogramms, stellt sie aber in ihrer Besonderheit und Begabung auf einen Sockel, der uns gerade noch so nah ist, dass wir glauben, sie anfassen zu können. Dabei geht er mit der für ihn typischen, fast kindlichen Begeisterung ans Werk, ob er sich nun über eine Begegnung mit Alfred Biolek freut, oder sich mit den Darstellern von „Das Boot“ zum fröhlichen Umtrunk trifft. Bei der Niederschrift dieser Treffen schildert er seine eigenen Emotionen in gleichem Maße, wie er Informationen weitergibt. Eine sehr gelungene Mischung.
Für den Chat bitte einloggen