Reinhold Messner: Rettet die Berge. Buchkritik | BUCHSZENE

Wie kann ich bergsteigen, ohne die Natur zu schädigen? Um diese Frage kreist Reinhold Messners Buch „Rettet die Berge“. Stephanie Pointner hat es mit Interesse gelesen, äußert aber auch Kritik.

Reinhold Messners Buch „Rettet die Berge“ prangert den alpinen Massentourismus an

6. November 2019 | Stephanie Pointner

Titelbild Rettet die Berge

© Roman Mikhaliuk shutterstock ID 1357315796

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Was im Frühjahr am Mount Everest passierte, war erschreckend

Die Bilder vom Massentourismus auf dem Mount Everest zu Beginn des Jahres sind erschreckend: Hunderte Bergsteiger stehen unterhalb des Gipfels Schlange und warten auf den Aufstieg. Aber auch die Fotos der vermüllten Basislager zeigen, wie sehr unsere Bergnatur in Gefahr ist. Dabei sind auch die kleineren und heimischen Berge vor den negativen Auswirkungen des Tourismus‘ nicht gefeit und werden zunehmend mit künstlich beschneiten Skigebieten, Skiliften, Straßen und Kletterrouten vollgepflastert.

Für Reinhold Messner verkommen die Berge zu Orten sportlicher Wettkämpfe

Reinhold Messners Buch „Rettet die Berge“ ist ein energischer Weckruf. Und seine Aussagen sind provokant: Viele Bergsportler, egal ob Downhiller, Skifahrer, Kletterer oder Wanderer, gingen laut dem berühmtesten lebenden Bergsteiger der Welt dem Sport nicht nach, um die Natur zu genießen und Verzicht zu üben, vielmehr sportelten sie ganz nach dem Motto: höher, schneller, weiter. Vor allem gehe es ihnen darum, ihre Mitmenschen zu übertreffen. Dass dabei immer mehr Natur zerstört und Ruhe und Einsamkeit verloren gehen, nehmen sie häufig in Kauf. Zudem vermisst Reinhold Messner bei den Sportlern Respekt vor der Natur und auch Achtsamkeit. Die Folge sind viele, vermeidbare Todesfälle.

Jeder einzelne von uns kann die Berge wenigstens ein bisschen schützen

Reinhold Messner fordert uns auf, umzudenken und einen nachhaltigeren Umgang mit der Natur anzustreben. Er nimmt jeden Einzelnen in die Pflicht, die Berge zu schützen und Verantwortung zu übernehmen. Natürlich kann der berühmte Bergsteiger und Abenteurer nicht die Universallösung bieten, aber er nennt in seinem Buch viele interessante Aspekte, die jeder einzelne Bergsteiger umsetzen kann, um die Natur wenigstens ein bisschen zu schützen.

Reinhold Messner nennt Fakten und gewährt Einblicke in sein Leben

„Rettet die Berge“ ist fesselnd geschrieben. Neben Zitaten, geschichtlichen Fakten und Einblicken in Reinhold Messners Leben, liefert das Buch auch eine gute Beschreibung des Zustands des Bergtourismus‘ sowie zahlreiche philosophische Ansätze. Vor allem letztere bringen einen zum Nachdenken – man wird durch das Lesen angeregt, seinen eigenen Umgang mit der Natur zu reflektieren.

„Rettet die Berge“ hat tatsächlich verändert, wie ich mich selbst sehe

Ich dachte bisher, dass ich sehr respektvoll mit der Natur umgehe, da ich beispielsweise meinen Müll nicht liegen lasse. Aber dieses Buch hat mir zu anderen Aspekten die Augen geöffnet. Beispielsweise führt Reinhold Messner auch die Fahrten und Flüge zu den Bergen als umweltschädigend auf. Diesen Aspekt habe ich bisher komplett ausgeblendet. Aber auch die zunehmende Digitalisierung und unser Wunsch nach ständiger Erreichbarkeit (auch am Berg) sowie der Klimawandel werden von Reinhold Messner kritisch beäugt. Besonders gut haben mir die kurzen Einblicke in unterschiedliche Kulturen und deren Verständnis des Berges gefallen. Hierzu hätte ich gerne noch mehr erfahren.

In einigen Aspekten hinterlässt mich „Rettet die Berge“ zwiegespalten

So gut mir diese Aspekte auch gefallen haben, gibt es leider auch einige Passagen und Aussagen, die bei mir einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen haben. Dass Reinhold Messner beinahe alle Bergsportler in einen Topf wirft und die Aussagen zu ihnen sehr stark verallgemeinert, finde ich nicht richtig. Beim Lesen hat man den Eindruck, dass es gar keinen Bergsportler gibt, der die Natur respektiert. Es wirkt so, als suchten alle nur Adrenalin-Kick, als versuche jeder lediglich seine Mitmenschen zu übertrumpfen und als verlören alle dabei die Natur und deren Werte komplett aus den Augen.

Eine Sache an diesem Buch hat mich sehr irritiert

In den Kapiteln, in denen Reinhold Messner von seinen Bergerlebnissen und der bewussten Wahrnehmung der Ruhe und Einsamkeit erzählt, hatte ich oftmals den Eindruck, dass er sich über alle anderen Bergsportler stellt; er erweckt tatsächlich den Eindruck, dass er sich für den so ziemlich einzigen Menschen hält, der die Natur ausreichend wertschätzt. In anderen Aspekten gebe ich ihm wiederum vollkommen recht. Auch finde ich seine oftmals facettenreichen Sichtweisen interessant und anregend. Am Ende bleibt als Fazit, dass der Mensch die Natur nur zerstören, aber nie besiegen kann – oder in Reinhold Messners Worten: „Nichts währt kürzer als ein paar Fußabdrücke auf dem Gipfel eines Berges. Wind und Schnee decken sie rasch wieder zu.“


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