muppets-in-moskau Natasha Rogoff

ISBN 978-3-518-47365-8

413 Seiten

€ 22

eBook: € 18,99

Mit „Muppets in Moskau“ liefert die US-amerikanische Journalistin Natasha Rogoff ein Zeugnis der Entstehungsgeschichte der russischen „Sesamstraße“.

In Natasha Rogoffs „Muppets in Moskau“ erblicken die beliebten Sesamstraßen-Figuren das Licht der postsowjetischen Welt

Muppets in Moskau buchtipp

Vom russischen Underground zur Kindersendung

Natasha Rogoff wird 1993 vom US-amerikanischen Sesame Workshop ersucht, den Russen die Sesamstraße nahezubringen, um ihnen die Werte einer „demokratischen“ Gesellschaft zu oktroyieren. Ausgerechnet, nachdem sie in den 1980ern während eines Studienaufenthalts im kommunistischen Leningrad eine Dokumentation über Dissidenten und die russische Undergroundszene gedreht hatte.

Natasha Rogoff produziert die „Ulitsa Sezam“

Bis 1997 übernimmt Natasha Rogoff die Rolle der Produktionsleiterin für die „Ulitsa Sezam“, die in Moskau und New York Gestalt annimmt und bis zu Putins Machtübernahme in Russland und den Ländern der ehemaligen UdSSR ausgestrahlt wird. Mit viel schwarzem Humor, aber auch Taktgefühl schildert Natasha Rogoff in „Muppets in Moskau“ den steinigen Weg dorthin: von dem Versuch, ein russisches Produktionsteam zusammenzutrommeln, Investoren anzuheuern und einen nicht vom Staatsfernsehen gesteuerten Sender für sich zu gewinnen.

Sie will dem Durchschnittsrussen eine Stimme verleihen

Natasha Rogoff schafft es, den Ton zwischen sachlicher Distanz, Pathos und Scharfzüngigkeit auszubalancieren. Besonders erkenntlich zeigt sich dies nicht nur bei der Ermordung eines Investors und eines Fernsehjournalisten, der militärischen Inbesitznahme eines Moskauer Produktionsbüros, der Kündigung einer russischen Drehbuchautorin, einem Streik der russischen Seriengestalter oder dem Ausbruch der Tschetschenienkriege. Natasha Rogoffs Hauptanliegen besteht in der Sichtbarmachung der Arbeit des Durchschnittsrussen, auch wenn sie dabei auf die Kontakte zu Oligarchen angewiesen ist.

Auch Natasha Rogoff profitiert von Russlands Machtvakuum unter Boris Jelzin

Natasha Rogoff verhehlt dabei nicht, dass auch sie vom russischen Machtvakuum profitiert. Ihre missionarische Einstellung, Russland müsse so schnell wie möglich zu Kapitalismus und Marktwirtschaft bekehrt werden, revidiert sie an entscheidenden Stellen, wenngleich moderat. Auch kann sie sich als jemand, der die russische Kultur aus ihrer – hier leider nur knapp umrissenen – Studienzeit kennt, in die misstrauischen Mitglieder des Produktionsteams hineinversetzen. Der Dreh der Sesamstraße beruht nicht gerade auf beidseitigem Interesse.

Von verbotenen Limonadenständen und Wassili Kandinsky

Es kostet Natasha Rogoff während mehrerer Workshops viel Ausdauer, den russischen Drehbuchautoren, Regisseuren, Animatoren, Puppenspielern, etc. von den Muppets verkörperte Werte wie Toleranz und Emanzipation ans Herz zu legen. Warum empfinden es die Russen als unschicklich, Muppets und Kinder auf der Straße Limonade verkaufen zu lassen? Warum sollen keine Kinder im Rollstuhl gezeigt werden? Warum darf ein Muppet nicht kindlich aussehen? Warum ist dem Team der Expressionist Wassili Kandinsky bei der Farbauswahl für die Muppets so wichtig? Wie konnte ein Postbote repräsentiert werden, ohne dass man ihn mit einem KGB-Informanten assoziierte? Warum kennt der russische Humor kaum Körpereinsatz? Und warum trällern die Kinder beim Casting Lieder aus dem Zweiten Weltkrieg? An diesen Fragen macht sich die Kluft zwischen zwei Kulturen fest, die das Team aber überbrückt. So wie jedes Land seine eigene kulturelle Interpretation der Sesamstraße offenbart, so gilt dies auch hier.

Der Russland-Ukraine-Krieg ist der Motor für „Muppets in Moskau“

Natasha Rogoff nennt den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine als Hauptanlass für die Entstehung dieses Buches, das nun in der deutschen Übersetzung von Frank Sievers erhältlich ist. Sie tut dies weniger, um Putin anzuprangern, als um den Kampfgeist der „Ulitsa Sezam“, die Westen und Osten temporär vereinte, wiederaufflackern zu lassen. „Muppets in Moskau“ ist eine ermutigende, aufbauende Lektüre.

ISBN 978-3-518-47365-8

413 Seiten

€ 22

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Christina Janousek

Geboren und aufgewachsen in Wien, studiert Christina Janousek, Jahrgang 1993, Vergleichende Literaturwissenschaft. Nachdem sie praktische Erfahrungen in Verlagen, einem Literaturverein und in einer Zeitungsredaktion sammeln konnte, hat sie ihre Liebe für das Schreiben entdeckt, mitunter auch creative writing für englischsprachige Zeitschriften. Zu ihren Interessen zählen in Vergessenheit geratene Autoren sowie moderne Interpretationen von Texten und Filmen im Theater.

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