Er ist Zauberkünstler, wollte aber auch Krimiautor sein. Bei der Suche nach einem Verlag musste André Storm, Autor des Krimis „Licht aus!“ feststellen, dass das Verlag-Finden beinahe an Zauberei grenzt.

Mit sympathischem Galgenhumor erzählt André Storm von seinem langen Weg zum Krimiautor

12. Mai 2021 | Redaktion

Titelbild Licht aus!

Werkstattbericht

Da gucke ich gestern am Tagesende heimlich noch mal in meine Mails, obwohl ich das eigentlich in einem Anfall von Work-Life-Balance-Optimierung aus meinem Abend gestrichen hab, und da liegt doch tatsächlich eine Mail von meinem Verlag im Postfach. Inhalt ist der Coverentwurf meines neuen, und damit zweiten Buches „Licht aus!“, welches Ende Mai 2021 (das hab ich ebenfalls aus der Mail erfahren) erscheinen wird. Und Mann, das Cover sieht mal richtig gut aus, oder? Ich war jedenfalls begeistert und bin es noch!

Und die Mail hatte noch einen Anhang. Einen, den man nicht sehen kann und den man mit keinem Programm der Welt öffnen kann. Einen, den man nur fühlen kann. Der sich fies wie ein Virus in einem einnistet. Im Bauch, in der Brust, im Kopf. Aufregung nennt man den. Denn ich weiß, was als Nächstes kommt. Irgendwann zwischen Januar und März. Etwas, dass jeden Autor trifft, der einen Verlag gefunden hat und dessen Buch demnächst veröffentlicht wird. Das Lektorat. Wow, das ist so gewaltig, dass es eine eigene Überschrift verdient hat:

Das Lektorat

Ich war bereits leidgeprüft vor dem ersten professionellen Lektorat in meinem Leben. Dachte ich zumindest. Schließlich hatte ich bis dahin eine nervenaufreibende Tortur hinter mir. Erstmal hatte ich natürlich das Buch geschrieben. So fängt’s an. Das war in den Jahren 2014 bis 2017. Immer mal so nebenbei, wie es sicher bei vielen Schreiberlingen in der Welt nicht anders ist.

Und als es dann fertig war, und ich brav im (absolut empfehlenswerten) „Handbuch für Autorinnen und Autoren“ nachgelesen habe, was ich damit machen soll, hab ich wie verrückt Agenturen angeschrieben. Ganz brav natürlich nur diejenigen, die auch Kriminalliteratur in ihrem Portfolio haben und ganz brav natürlich genau nach deren Vorgaben. Manche wollen das ganze Ding als DOC-Datei, andere nur 10 Normseiten. Die nächste will 50 Seiten in Geschenkpapier verpackt und die danach die ersten drei Kapitel in Comic Sans MS in 16 Punktschrift und einer Übersetzung in Klingonisch. Nur eines ist bei allen Agenturen gleich. Am liebsten wollen sie deinen Text gar nicht. Denn sie werden jeden Tag überschüttet mit Manuskripten, die ihnen zigfach und unaufgefordert von anderen Hans-Dampfs wie mir, zugesendet werden. Egal. Ich hab es trotzdem gemacht. Und gewartet …

Und noch mehr gewartet …

Ah! Dann kamen endlich die ersten Absagen. Aber ein paar waren ja noch im Rennen. Keine Nachricht ist ja vielleicht eine gute Nachricht, oder? Also warten …

Und dann kam eine Mail von der wunderbaren Nora Boeckl, die bei der Agentur Petra Eggers in Berlin arbeitet. Und die schrieb doch tatsächlich, dass sie die ersten 50 Seiten (jaaa, Agentur Eggers möchte die ersten 50 Seiten …) „sehr amüsant“ fand, und jetzt neugierig auf den Rest sei. Ich saß gerade im Dortmunder Kreuzviertel im Hubertus Grill bei einer Currywurst/Pommes/weiß mit Cola und wäre fast vom 80er Jahre-Barhocker gerutscht.

Sollte es wahr sein? Würde sich mein Traum endlich erfüllen? Wäre ich am Ende einer langen Reise angekommen und würde das Glück von nun an mein täglicher Begleiter sein? Mein Schatten? Mein LEBEN?

Nein.

Denn jetzt fingen die Sorgen erst an. Und das Warten … das RICHTIGE Warten. Wobei – Frau Boeckl war schnell. Echt schnell. Sie hat den Rest des Buches – immerhin noch 320 Normseiten – am Nachmittag eines einzigen Feiertages weggelesen, und … TATATATAAAAA … ES HAT IHR GEFALLEN! Ich dachte, ich kippe sowas von aus den Latschen … Hab ich erwähnt, dass Frau Boeckl einen Doktortitel besitzt?

Gut! Agentur war also abgehakt. Was aber auch bedeutet: Man hat immer noch keinen Verlag. Aber darum kümmert sich ja jetzt die Agentur. Das sollte also nicht zu lange in Anspruch nehmen. Die haben ja Kontakte ohne Ende. Und wenn die Verlage was von Agenturen auf den Tisch bekommen, dann läuft das ja sowas von schnell, das glaubt man gar nicht …

Nein.

Warten war angesagt. Und als ich schon fast nicht mehr konnte – und mein zweites Buch beinahe fertig war (eben jenes „Licht aus!“, welches jetzt im April erscheint), und fast EIN GANZES JAHR vergangen war, kam da endlich dieser wunderbare Ralf Kramp vom wunderbaren KBV-Verlag, der schrieb, dass sie vielleicht an dem Buch interessiert wären. Der Verlag würde noch ca. drei Wochen brauchen, bis zur Entscheidung.

Das war im Mai 2019. Im Juli 2019 hab ich mal vorsichtig nachgefragt, wann die „ca. drei Wochen“ denn rum wären … Im September war es dann endlich so weit, dass der Vertrag auf meinem Tisch lag, und meine Nervenstränge nur noch aus verfilzten losen Enden bestanden, aus denen es unaufhörlich knisterte und sich kleine Blitze entluden.

Bin ich abgeschweift? Scheint so. Denn wir waren ja beim Thema:

Das Lektorat

Und das kam dann. Ich erinnere mich noch gut an das zweite Telefonat mit meinem Lektor Volker Neumann, der es echt drauf hat! Beim ersten gab es nur eine kleine Vorstellungsrunde mit den üblichen Freundlichkeiten. Aber beim Zweiten ging es zur Sache. Aber richtig!

Da hatte er das Buch nämlich durchgearbeitet. Unermüdlich durchgeackert. Und er warf mir (ich wette freundlich lächelnd) rechts und links logische Fehler, Ungereimtheiten und Dramaturgieschnitzer an den Kopf. Und nicht wenige davon auch mitten in die Fresse. Aua! Zwischendurch stellte er Fragen, die ich allesamt mit: „Äääääh … Ich weiß nicht so recht …“ beantwortete.

Danach hab ich mich gefühlt, als hätte ich einen Zwölf-Runden-Kampf mit beiden Klitschkos auf Amphetamin hinter mir. Ich dachte ernsthaft, das Beste wäre, meinen Namen zu ändern und irgendwo im weit entfernten Ausland ein neues Leben anzufangen. Wie um alles in der Welt sollte ich aus diesem Manuskript noch ein Buch machen, welches das Papier wert war, auf dem es gedruckt werden sollte?

Das Wundermittel hier hieß auch: warten. Am nächsten Tag sah die Welt noch nicht wirklich besser aus. Was sicher auch darauf zurückzuführen war, dass ich die ganze Nacht mit schreckgeweiteten Augen an die im Mondlicht geisterhaft schimmernde Zimmerdecke gestarrt hab. Aber am zweiten und dritten Tag wurde es besser. Und als ich mich dann an die Arbeit gemacht habe, da ging es, wider erwarten, richtig gut von der Hand.

Ich habe gemerkt, dass jeder Vorschlag von Volker meinen Text besser machte, und dass alle Änderungen richtig viel Sinn ergaben. Und dass das ganze Umschreiben gar nicht so fürchterlich war, wie ich es mir zuerst ausgemalt hatte. Es lief. Und zwei oder drei Wochen später hatte ich einen Text, welcher viel, ja, ich betone es noch einmal, VIEL besser war, als das ursprüngliche Manuskript. Es war fast magisch!

Zukunftsaussichten

Ja, und jetzt sitze ich hier, und weiß, bald geht es wieder los. Bald – irgendwann im Januar oder Februar –, klingelt das Telefon und Volker ist dran. Und er wird mein Buch (freundlich lächelnd) auseinandernehmen. Und ich werde mich nach dem Telefonat fühlen, wie im Thermomix auf Stufe 10 püriert. Und ich werde denken, dass ein Leben ohne Bücher zu schreiben doch auch toll sein könnte. Und dann werde ich ein paar Tage abwarten, mir den Text wieder vornehmen. Und ich werde erkennen, dass Volkers Anmerkungen Gold wert sind. Dass alles, was er aufgedeckt hat, absolut Sinn ergibt. Und am Ende werde ich mit einem Manuskript dastehen, das es wert ist, gedruckt zu werden, und das es verdient hat, hinter diesem tollen Cover (ist doch echt ein tolles Cover, oder?) zu stecken und auf seine Leser zu warten. Ich freu mich drauf!

Der Inhalt von André Storms „Licht aus!“ in Kürze:

Mit einem Schlag ist’s zappenduster! Was mal wieder nach einem Fall aussieht, der sich ganz schnell in Luft auflöst, entpuppt sich rasch als neuen Grenzgang für Privatdetektiv Ben Pruss aus dem Pott. Zunächst ist da ein Stalker, der Stein und Bein schwört, dass seine Angebetete ermordet wurde. Die aber läuft quietschfidel rum und vergnügt sich vortrefflich mit Bens bestem Kumpel Kai. Aber da sind auch noch ein gestohlenes Bild, eine fette Lösegeldforderung und schließlich sogar eine Leiche, die aus dem Kleiderschrank fällt. Soll er sich nicht doch lieber aus der Sache raushalten? Doch Ben bleibt hartnäckig, obwohl einige der fiesesten Typen, die Dortmund zu bieten hat, ihm ans Leder wollen. Ein Krimi von heiter bis düster, in dem einigen Gestalten die Lichter ausgeknipst werden, und in dem finstere Ecken erhellt werden, die eigentlich für immer im Dunklen bleiben sollten.


Mehr über André Storm

 

Unsere Werkstattberichte für Sie:

In diesem Beitrag geht es um: , , , , , ,

Logo BUCHSZENE.DE
Datenschutz
Wir, ContentPilots. Eine Marke der Buchwerbung der Neun GmbH (Verantwortlich für BUCHSZENE.DE) (Firmensitz: Deutschland), würden gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht uns aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl:
Datenschutz
Wir, ContentPilots. Eine Marke der Buchwerbung der Neun GmbH (Verantwortlich für BUCHSZENE.DE) (Firmensitz: Deutschland), würden gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht uns aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl: