
Werkstattbericht
Da gucke ich gestern am Tagesende heimlich noch mal in meine Mails, obwohl ich das eigentlich in einem Anfall von Work-Life-Balance-Optimierung aus meinem Abend gestrichen hab, und da liegt doch tatsächlich eine Mail von meinem Verlag im Postfach. Inhalt ist der Coverentwurf meines neuen, und damit zweiten Buches „Licht aus!“, welches Ende Mai 2021 (das hab ich ebenfalls aus der Mail erfahren) erscheinen wird. Und Mann, das Cover sieht mal richtig gut aus, oder? Ich war jedenfalls begeistert und bin es noch!
Und die Mail hatte noch einen Anhang. Einen, den man nicht sehen kann und den man mit keinem Programm der Welt öffnen kann. Einen, den man nur fühlen kann. Der sich fies wie ein Virus in einem einnistet. Im Bauch, in der Brust, im Kopf. Aufregung nennt man den. Denn ich weiß, was als Nächstes kommt. Irgendwann zwischen Januar und März. Etwas, dass jeden Autor trifft, der einen Verlag gefunden hat und dessen Buch demnächst veröffentlicht wird. Das Lektorat. Wow, das ist so gewaltig, dass es eine eigene Überschrift verdient hat:
Das Lektorat
Ich war bereits leidgeprüft vor dem ersten professionellen Lektorat in meinem Leben. Dachte ich zumindest. Schließlich hatte ich bis dahin eine nervenaufreibende Tortur hinter mir. Erstmal hatte ich natürlich das Buch geschrieben. So fängt’s an. Das war in den Jahren 2014 bis 2017. Immer mal so nebenbei, wie es sicher bei vielen Schreiberlingen in der Welt nicht anders ist.
Und als es dann fertig war, und ich brav im (absolut empfehlenswerten) „Handbuch für Autorinnen und Autoren“ nachgelesen habe, was ich damit machen soll, hab ich wie verrückt Agenturen angeschrieben. Ganz brav natürlich nur diejenigen, die auch Kriminalliteratur in ihrem Portfolio haben und ganz brav natürlich genau nach deren Vorgaben. Manche wollen das ganze Ding als DOC-Datei, andere nur 10 Normseiten. Die nächste will 50 Seiten in Geschenkpapier verpackt und die danach die ersten drei Kapitel in Comic Sans MS in 16 Punktschrift und einer Übersetzung in Klingonisch. Nur eines ist bei allen Agenturen gleich. Am liebsten wollen sie deinen Text gar nicht. Denn sie werden jeden Tag überschüttet mit Manuskripten, die ihnen zigfach und unaufgefordert von anderen Hans-Dampfs wie mir, zugesendet werden. Egal. Ich hab es trotzdem gemacht. Und gewartet …
…
Und noch mehr gewartet …
…
Ah! Dann kamen endlich die ersten Absagen. Aber ein paar waren ja noch im Rennen. Keine Nachricht ist ja vielleicht eine gute Nachricht, oder? Also warten …
…
Und dann kam eine Mail von der wunderbaren Nora Boeckl, die bei der Agentur Petra Eggers in Berlin arbeitet. Und die schrieb doch tatsächlich, dass sie die ersten 50 Seiten (jaaa, Agentur Eggers möchte die ersten 50 Seiten …) „sehr amüsant“ fand, und jetzt neugierig auf den Rest sei. Ich saß gerade im Dortmunder Kreuzviertel im Hubertus Grill bei einer Currywurst/Pommes/weiß mit Cola und wäre fast vom 80er Jahre-Barhocker gerutscht.
Sollte es wahr sein? Würde sich mein Traum endlich erfüllen? Wäre ich am Ende einer langen Reise angekommen und würde das Glück von nun an mein täglicher Begleiter sein? Mein Schatten? Mein LEBEN?
Nein.
Denn jetzt fingen die Sorgen erst an. Und das Warten … das RICHTIGE Warten. Wobei – Frau Boeckl war schnell. Echt schnell. Sie hat den Rest des Buches – immerhin noch 320 Normseiten – am Nachmittag eines einzigen Feiertages weggelesen, und … TATATATAAAAA … ES HAT IHR GEFALLEN! Ich dachte, ich kippe sowas von aus den Latschen … Hab ich erwähnt, dass Frau Boeckl einen Doktortitel besitzt?
Gut! Agentur war also abgehakt. Was aber auch bedeutet: Man hat immer noch keinen Verlag. Aber darum kümmert sich ja jetzt die Agentur. Das sollte also nicht zu lange in Anspruch nehmen. Die haben ja Kontakte ohne Ende. Und wenn die Verlage was von Agenturen auf den Tisch bekommen, dann läuft das ja sowas von schnell, das glaubt man gar nicht …
Nein.
Warten war angesagt. Und als ich schon fast nicht mehr konnte – und mein zweites Buch beinahe fertig war (eben jenes „Licht aus!“, welches jetzt im April erscheint), und fast EIN GANZES JAHR vergangen war, kam da endlich dieser wunderbare Ralf Kramp vom wunderbaren KBV-Verlag, der schrieb, dass sie vielleicht an dem Buch interessiert wären. Der Verlag würde noch ca. drei Wochen brauchen, bis zur Entscheidung.
Das war im Mai 2019. Im Juli 2019 hab ich mal vorsichtig nachgefragt, wann die „ca. drei Wochen“ denn rum wären … Im September war es dann endlich so weit, dass der Vertrag auf meinem Tisch lag, und meine Nervenstränge nur noch aus verfilzten losen Enden bestanden, aus denen es unaufhörlich knisterte und sich kleine Blitze entluden.

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