Wolf Haas: Junger Mann. Buchempfehlung | BUCHSZENE

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3. Dezember 2018 | Jörg Steinleitner


Er ist vierzehn und zu dick. Sie ist zwanzig, wunderschön und verheiratet mit einem ziemlich männlichen Lastwagenfahrer. Hat Wolf Haas‘ „Junger Mann“ trotzdem eine Chance auf die Erfüllung seiner Liebe?


Wolf Haas‘ Roman „Junger Mann“ im Bestseller-Check von Jörg Steinleitner


Junger Mann

Wolf Haas

Junger Mann

ISBN 978-3-455-00388-8

238 Seiten | € 22,00

Hoffmann und Campe

Romantik (4/5)

Komik (5/5)

Weisheit (4/5)

Gänsehaut (3/5)

Unterhaltung (5/5)

Titelbild Junger Mann

© britanskiy shutterstock-ID:237381883

An den besten Stellen erinnert Wolf Haas‘ „Junger Mann“ an „Tschick“

Ein Junge vom Land verliebt sich in die Frau eines Lastwagenfahrers. Diese Geschichte erzählt Wolf Haas in seinem Roman „Junger Mann“. Es ist erstaunlich, was der österreichische Autor, Erfinder der Brenner-Krimis, aus dieser kleinen Geschichte Großes zaubert. An ihren besten Stellen erinnert die Intensität der Handlung, die sich auf die wenigen Wochen der Sommerferien konzentriert und aus der Ich-Perspektive erzählt ist, an Wolfgang Herrndorfs fabelhaften Roman „Tschick“.

Der vierzehnjährige Held ist intelligent und über beide Ohren verliebt

Wolf Haas versetzt uns in die 1970er Jahre. Sein vierzehnjähriger Held, sonst Internatsschüler, arbeitet für die Ferien an der Tankstelle seines Heimatkaffs. Und er hat einige Probleme: Er ist zu groß für sein Alter und zu dick. Sein Vater, ein Trinker auf Entzug, sitzt im „Irrenhaus“. Der „junge Mann“ ist intelligenter als die meisten in seinem Dorf, was den eher stumpfsinnigen Alltag nicht leichter macht. Und seit er Elsa gesehen hat, ist der Junge unsterblich verliebt.

Das Problem: Elsa ist zwanzig, wunderschön und mit einem LKW-Fahrer liiert

Doch Elsa ist bereits zwanzig und verheiratet mit dem LKW-Fahrer Tscho, einem Macho, der coole Sprüche klopft und zwei Zigaretten auf einmal raucht – gerne auch direkt neben dem Rauchen-verboten-Schild an der Zapfsäule. Für den jungen Mann steht fest: Er wird Tscho als Elsas Mann ablösen. Allerdings plagen ihn die typischen pubertätsspezifischen Lästigkeiten: Unsicherheit gegenüber Frauen und der eigenen Identität, Fremdheitsgefühle bezüglich des eigenen Körpers und allerlei Komplexe.

Seine Chance wittert unser „junger Mann“, als Tscho für Tage unterwegs ist

Als Tscho einmal für eine mehrere Tage dauernde Lastwagenfahrt weg ist, bietet sich für den „jungen Mann“ eine unverhoffte Chance: Er hat eine Fahrradpanne, ausgerechnet vor dem Haus, in dem Elsa und Tscho wohnen. Elsa kommt aus dem Haus, lädt ihn auf ein Glas Wasser ein, es entwickelt sich ein Gefühl zwischen den beiden. Eines, das für den Rest des Romans auf eine Erfüllung der Liebe des „jungen Manns“ hoffen lässt.

Wir fällen ein klares Urteil über die Qualität von Wolf Haas‘ „Junger Mann“

Wird unser Held die schöne Elsa erobern? Diese prickelnde Frage trägt uns fortan durch die Geschichte. Aber bis Wolf Haas sie uns beantwortet, werden wir mit unserem jungen Protagonisten noch einige Abenteuer durchleben. Abenteuer, die uns bis ins einstige Jugoslawien, nach Italien und Griechenland führen werden. Die unseren unerfahrenen Helden kulinarische Erfahrungen machen und zwischenmenschliche Untiefen ausloten lassen. Die ihn in Gefahr bringen und sogar in den Besitz einer Pistole. Dies alles erzählt Wolf Haas mit der ihm eigenen sprachlichen Findigkeit, mit feinem Humor und mit einer zwischen den Zeilen durchschimmernden Lebensgelassenheit, die ihresgleichen sucht. „Junger Mann“ ist ein durch und durch gelungener Roman.

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