ISBN 978-3-8321-9839-8

320 Seiten

€ 24,00

Ein buddhistischer Mönch, der sich verliebt, obwohl das eigentlich nicht geht. Und eine junge Frau, die Luise heißt und ein Dorf zusammenhält. Mariana Lekys Roman „Was man von hier aus sehen kann“.

Mariana Lekys Roman „Was man von hier aus sehen kann“ im Bestseller-Check

Was man von hier aus sehen kann

© ShotPrime Studio shutterstock-ID:648428794

„Was man von hier aus sehen kann“ hat eine beeindruckende Hauptperson

Die beste Zusammenfassung ihrer Situation gibt Luise, die ziemlich beeindruckende Hauptperson von Mariana Lekys Roman „Was man von hier aus sehen kann“, selbst. Nach einem guten Drittel der Geschichte sagt Luise: „Ich bin zweiundzwanzig Jahre alt. Mein bester Freund ist gestorben, weil er sich an eine nicht richtig geschlossene Regionalzugtür gelehnt hat. Das ist erst zwölf Jahre her. Immer, wenn meine Großmutter von einem Okapi träumt, stirbt hinterher jemand. Mein Vater findet, dass man nur in der Ferne wirklich wird, deshalb ist er auf Reisen. Meine Mutter hat einen Blumenladen und ein Verhältnis mit einem Eiscafébesitzer, der Alberto heißt. Diesen Hochsitz da hat der Optiker angesägt, weil er den Jäger umbringen wollte. Der Optiker liebt meine Großmutter und sagt es ihr nicht. Ich mache eine Ausbildung zur Buchhändlerin.“

Mariana Leky kreist um die großen Themen des Lebens

Damit ist umrissen, worum es in diesem luziden Roman geht: um Freundschaft und die Gewalt des Schicksals, um Fernweh und Nähe, um Liebe und Wut, um Ehrlichkeit und die Lügen des Alltags. Der Mensch, dem Luise die Erklärung ihrer Situation derart komprimiert auseinandersetzt, ist Frederik. Ein Deutscher, der sich in ein buddhistisches Kloster nach Japan zurückgezogen hat, um dort zu sich zu finden. Dass er zufällig in Luises Dorf landet und auf diese besondere Person und Ich-Erzählerin trifft – man kommt sich auch körperlich näher – stellt sein Mönchsdasein in Frage. Und so ist eine der spannendsten Fragen in „Was man von hier aus sehen kann“, ob dieses Paar trotz der vielen gegen eine Liebe sprechenden Umstände zusammenfinden wird. Zunächst einmal jedenfalls verschwindet Frederik so plötzlich aus Luises Leben wie er aufgetaucht ist.

Ein Okapi spielt in „Was man von hier aus sehen kann“ eine wichtige Rolle

Neben dieser „Liebesgeschichte“ gibt es noch ein anderes Motiv, das die Handlung über den gesamten Roman trägt: Es ist die Tatsache, dass Luises Großmutter Selma, wie bereits erwähnt, gelegentlich von einem Okapi träumt und wenn sie dies tut, das wissen die Menschen im Dorf, wird binnen eines Tages jemand sterben. Wer dies sein wird, weiß jedoch niemand. So setzen die tickende Uhr und die bangemachende Ungewissheit allerlei sonderliche Aktivitäten in Gang, von denen Mariana Leky mit einem menschenliebenden Humor zu erzählen weiß.

Obendrein ist Mariana Lekys „Was man von hier aus sehen kann“ lustig

Würden diese beiden großen Geschichten von „Was man von hier aus sehen kann“ schon locker genügen, um den Leser zu fesseln, fährt Mariana Leky zusätzlich noch Lebensweisheiten und Beobachtungen auf, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Ganz nebenbei macht sie dies und man fragt sich, aus welchem Handgelenk diese unglaublich talentierte Autorin das nur immer wieder schüttelt. Derart locker kommt das nämlich rüber. Das Okapi ist übrigens – O-Ton Mariana Leky: „ein abwegiges Tier, das im Regenwald lebt. Es ist das letzte große Säugetier, das der Mensch entdeckt hat. Es sieht aus wie eine Mischung aus Zebra, Tapir, Reh, Maus und Giraffe“. Ja, lustig ist Mariana Lekys Roman bei aller Weisheit obendrein. Der Optiker zum Beispiel trägt ein kleines Schild am Pullunder, auf dem steht: „Mitarbeiter des Monats“. Der Optiker ist sein einziger Mitarbeiter.

ISBN 978-3-8321-9839-8

320 Seiten

€ 24,00

<a href="https://buchszene.de/redakteur/joerg-steinleitner/" target="_self">Jörg Steinleitner</a>

Jörg Steinleitner

Geboren 1971, studierte Jörg Steinleitner Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule. Er veröffentlichte rund 25 Bücher für Kinder und Erwachsene. Steinleitner ist seit 2016 Chefredakteur von BUCHSZENE.DE und lebt mit Frau und drei Kindern am Riegsee.

Das könnte Sie auch interessieren:

  • Dieses Sachbuch über den Klimawandel liest sich wie ein Thriller. Trotz Klimakrise, Pandemie, Digitalisierung, Terror. Frank Schätzing ruft zum Weltretten auf!

  • Drei Reden von Angela Merkel über zentrale Themen ihrer Zeit als Kanzlerin: die spezifisch deutsche Verantwortung, die Erfahrung der Wiedervereinigung und den Umgang mit Migration.

  • Tom Monderath ist frisch verliebt: Mit Jenny erlebt er die glücklichste Zeit seines Lebens. Bis er durch Zufall auf seinen Halbbruder Henk stößt, der alles über ihren gemeinsamen Vater wissen will. Doch Konrad starb vor vielen Jahren und seine demente…

  • Kummer aller Art plagt die Menschen, die sich, mal besser, mal schlechter, durch den Alltag manövrieren. Aber der Kummer vereint sie auch, etwa, wenn auf Spaziergängen Probleme zwar nicht gelöst werden, aber zumindest mal an die Luft und ans Licht…

  • Als die Polizistin Teo Bontempi nach einer schweren Verletzung nicht mehr aus dem Koma erwacht, weist alles auf einen Mordanschlag hin. Weil Teo zuletzt vor allem in der nigerianischen Gemeinde Nord-Londons ermittelte, beginnt Detective Superintendent Thomas Lynley auch genau dort…

  • Beste Romane 2023

    Unsere Experten empfehlen regelmäßig, welche Romane wirklich lesenswert sind. Hier stellen wir unsere Top-27 Bestenliste der Romane 2023 vor.