Max Bronski: Oskar. Interview. Glauser-Preis | BUCHSZENE

Verändert ein wichtiger Literaturpreis das Leben? Was macht der Schriftsteller, wenn er sein Manuskript abgegeben hat? Max Bronski spricht im Interview über das, was nach dem Glauser-Preis kam.

Max Bronski hat für seinen Krimi „Oskar“ vom Syndikat den begehrten Glauser-Preis verliehen bekommen

13. September 2019 | Syndikat

Titelbild Oskar

© Robert Buchanan Taylor shutterstock-ID: 2317584

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Was hat sich in Deinem Leben verändert, seit Du Friedrich-Glauser-Preisträger geworden bist?

Mein Buch „Oskar“ war innerhalb weniger Tage ausverkauft. Ich hoffe, der Verlage schiebt bald nach und/oder macht ein hübsches Taschenbuch mit einer „Friedrich Glauser-Preis“-Bauchbinde. Eine Fülle netter Gratulationen ist bei mir eingetroffen. Mit meinem Freund und Kollegen Friedrich Ani habe ich ein paar Bier darauf getrunken, und, was das Wichtigste ist: ich durfte aus Preisfeiergründen endlich einmal die Zeche bezahlen. Normalerweise wird er grantig, wenn du ihm die Rechnung abzunehmen versuchst.

Wer oder was inspiriert Dich?

Sagen wir lieber: Aus welchem Fundus schöpfst du Ideen? Aus Büchern, aus Erlebtem, aus Beobachtungen (ich bin ein hemmungsloser Hingucker, wenn mir interessante Personen über den Weg laufen) und aus den paar Minuten zwischen Wachsein und Einschlafen, wo sich Gedanken mit Träumen vermischen.

Hast Du Schreibrituale? Welche?

Möglichst früh aufstehen, Sport machen und dann ran an den Text. Täglich.

Mit wem sprichst Du zuerst über eine neue Buchidee?

Mit meinem Agenten Günter Berg.

Dein wichtigster Schreibtipp?

Was man erlebt, ist authentisch, aber nicht unbedingt eine gute Geschichte. Unsere Aufgabe ist es, das Erlebte daraufhin abzuklopfen, wie aus ihm eine noch bessere Geschichte werden kann. Im normalen Leben würde man sagen, da beginnt einer zu lügen, für einen Schriftsteller heißt das, er beginnt zu schreiben.

Tag 1 nach der Manuskriptabgabe – was tust Du?

Ich brauche stets meinen eigenen Rhythmus. Dem Verlag verspreche ich, im März zu liefern, fertig bin ich dann im Februar. Ich muss immer alles sofort erledigen, mir fehlt die innere Kraft fürs Aufschieben. Das Schlimmste ist die Parade der unerledigten Aufgaben, die gegen vier Uhr nachts an dir vorbeizieht. Im Englischen gibt es diesen dramatischen Begriff der „Deadline“, ich ziehe es vor, nach Abgabe meines Manuskripts weiterzuleben.

Mit welchem Autor würdest Du gerne mal tauschen, und warum?

Ganz klar mit einer Autorin! Dann könnte ich endlich einmal verstehen, wie es geht, eine Frauenfigur von innen her zu gestalten. Das ist mir leider nicht gegeben.

Warum Max Bronskis „Oskar“ den GLAUSER-Preis gewonnen hat? Die Begründung der Jury:

Oskar steht in Boxershorts im Englischen Garten. Das ist immer noch besser, statt als „Person ohne Identität“ in einem Sarg zu liegen. Wer ist er? Woher kommt er? Oskar hat keine Ahnung. Dass ihm dubiose Typen auf den Fersen sind, und er ständig zwei Stimmen hört, die seine Lage kommentieren, macht die Sache nicht einfacher. Was für eine abgefahrene Geschichte: Ein Mann befreit sich aus einem billigen Holzsarg, kurz bevor er im Krematorium in Flammen aufgeht. Der Mann flüchtet und landet in einem Kiosk im Englischen Garten mitten in München. So nimmt die Geschichte von Oskar ihren Lauf. Wobei Oskar nicht der richtige Name des Romanhelden ist und es auch nicht bleiben wird.

„Oskar“ von Max Bronski ist ein Roadmovie in zweierlei Hinsicht. Die Suche nach seiner Identität führt den Protagonisten bis nach Südtirol und zurück in die Zeit seiner Jugend in den 70ern. Und es ist auch ein Trip durch seine innere Befindlichkeit. Das allein schon, dieses doppelte Roadmovie, macht den Roman „Oskar“, erschienen bei Droemer, zu einer Geschichte mit Tiefgang, somit nicht nur lesenswert, sondern im besten Sinne auch preiswürdig.

Oskar macht auf seiner Suche spektakuläre wie schmerzhafte Entdeckungen. Der Zweifel ist sein ständiger Begleiter. Krimihandlung, Familiengeschichte im Spiegel politischer Ereignisse – klug miteinander verwoben und erzählt. Der Roman „Oskar“ bringt alles mit, was ein guter Kriminalroman in diesen Zeiten mitbringen sollte: der Plot ist stimmig, die Dramaturgie ebenfalls, die Sprache ist so einfach wie eindrücklich. Die Bilder passen, nichts lenkt von der Handlung ab. Oskar ist ein durch und durch sympathischer Held. Man möchte ihn bei der Hand nehmen und ihm bei seiner Suche helfen. Vor allem aber vor den ganzen Problemen schützen, die auf ihn einstürzen.

Max Bronski ist das Pseudonym von Franz Maria Sonner, geboren 1953 in Tutzing am Starnberger See. Sonner/Bronski ist Autor verschiedener Kriminalromane. Bekannt ist vor allem seine Reihe um den Münchner Antiquitätenhändler Gossec. Max Bronski ist nicht nur Autor, sondern auch Musiker. Als Bassist spielt Max Bronski den Blues. Und dieser Blues ist gleichsam auch der Grundton für seine literarische Arbeit.

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