In „Bei Föhn brummt selbst dem Tod der Schädel“ geschieht Schreckliches mit Kommissar Jennerwein: Er findet sich in einem fremden Körper wieder. Jörg Maurer erklärt die überraschenden Hintergründe.

Alpenkrimi-König Jörg Maurer im Interview über „Bei Föhn brummt selbst dem Tod der Schädel“

25. Juni 2021 | Interview: Jörg Steinleitner

Titelbild Bei Föhn brummt selbst dem Tod der Schädel

Herr Maurer, in Ihrem neuen Roman „Bei Föhn brummt selbst dem Tod der Schädel“ passiert etwas Unglaubliches: Kommissar Jennerwein findet sich in einem fremden Körper wieder. Wollen Sie damit die Grenzen der Kriminalliteratur neu ausloten?

Das tue ich doch schon seit Jahren! In diesem vierzehnten Fall von Kommissar Jennerwein vielleicht am konsequentesten und offensichtlichsten. Jennerwein steht nicht nur unter Mordverdacht, er scheint auch gar nicht mehr er selbst zu sein. Was will man mehr.

An einer Stelle heißt es: „Das Sommerkleid von Suse Drittenbass knirschte, als ob sich ein großer Trauerzug über einen kieselbestreuten Friedhofsweg quälen würde, Leichenwagen inklusive.“ Herr Maurer, bitte verraten Sie uns, welche Getränke Sie zur Inspiration trinken, um derart virtuose Opfergattinnenbeschreibungen zustande zu bekommen.

Meist genügt ein Glas frisches Quellwasser.

Jennerwein liest in einem Buch über Wahrnehmungsstörungen, dass fast jede Geistesgröße irgendeinen psychischen Defekt gehabt hat. Ganz unter uns, Herr Maurer: Sie – als prominenter Bestsellerautor und literarische Geistesgröße – unter welcher psychischen Störung leiden Sie?

Ich leide unter dem Zwang, Buchstaben nach bestimmten, geheimnisvollen Regeln aneinanderzureihen, so dass sie am Schluss noch einen Sinn ergeben.

Irgendwann, wenn wir tief drin sind in Ihrer Geschichte, begibt sich Jennerwein in die Obhut zweier mächtiger Organisationen: der Mafia und der katholischen Kirche. Welche der beiden Organisationen ist gefährlicher?

Ich werde den Teufel tun, es mir mit der Mafia zu verderben, indem ich sage: die katholische Kirche ist gefährlicher!

Woran merkt man, dass auch in Ihrem Alpenkurort Mafia und Vatikan sehr aktiv sind?

Ganz einfach: In allen Andenkenläden gibt es sowohl vom derzeitigen Papst wie vom Mafiaboss Padrone Spalanzani Schneekugeln. In einer Schneekugel sitzen sogar beide drin.

Wie halten Sie, Herr Maurer, es mit der Kirche – und der Mafia?

Nun, was soll ich sagen: Ich bin mit beiden aufgewachsen.

In Ihrer Crime-Story spielt auch eine gewisse Irene Dandoulakis eine nicht unbedeutende Rolle. Sie ist Griechin und hat eine Affäre mit dem Mann, dessen Körper Jennerwein durch die Welt trägt. Für Jennerwein ist dies eine brisante Situation – andererseits auch eine erotische Chance. Was macht er daraus?

 Wie so oft kann er aus Zeitmangel rein gar nichts daraus machen. Er muss ja den Fall lösen.

Wieso ist Jennerwein eigentlich so unerotisch?

Oh! Jetzt sind Sie auf das bisher ungelüftete Geheimnis des Erfolgs meiner Bücher gestoßen! Mein Rezept: Der Hauptheld darf nicht erotisch sein. Jedenfalls nicht allzu sehr.

In „Bei Föhn brummt selbst dem Tod der Schädel“ nehmen Sie häufig Bezug auf Geschehnisse aus den vergangenen dreizehn Jennerwein-Fällen. Wenn Sie so einen Rückblick in die Geschichte einweben – müssen Sie dann in den Vorgängerbänden nachsehen, was in welchem Band passiert ist oder wissen Sie das stets auswendig?

Ich gebe es zu: Bei so viel Vorgängerbänden muss ich natürlich schon nachschlagen. Vielleicht liegt es aber auch an meinem vorgerückten Alter, dass ich die schlappen 6.000 Seiten Gesamttext nicht mehr auswendig parat habe. Und wie war Ihre Frage nochmals?

In Ihrem Krimi spielt die Technik der „Neurokopie“ eine zentrale Rolle. Bitte erklären Sie, was es damit auf sich hat.

Es geht um Gedächtnisimplantate und die Übertragung ganzer Gehirnregionen auf andere Personen. Das klingt nach fantastischer Literatur, hat aber einen realen Hintergrund: Der Unternehmer Elon Musk lässt schon seit Jahren in dieser Richtung forschen. Er nennt es „Neuralink“, das ist richtig gruselig, ich musste nicht viel dazuerfinden. Ich habe seine Visionen einfach nur ein bisschen weitergedacht.

Apropos: Jennerweins Gedächtnis ist durch die Neurokopie in Gefahr. Namen kann er sich schon nicht mehr merken. Was tun Sie, Herr Maurer, für Ihr gutes Gedächtnis?

Ich trinke jeden Tag ein Glas frisches Quellwasser.

Es gibt eine Figur in Ihrem Buch, die einen wirklich bedrohlich klingenden Namen trägt: Security-Manfred. Wer bitte ist Security-Manfred und warum bekam er einen so furchterregenden Künstlernamen verpasst?

Security-Manfred arbeitet auf einem dunklen Parkplatz, auf dem undurchsichtige Dinge passieren. Ich gebe es zu: Immer, wenn ich den Namen niedergeschrieben haben, hat es mich selbst geschaudert! Security-Manfred hat mich in meinen Träumen verfolgt. Eines Tages bekam ich sogar bedrohliche Post von ihm. Und als ich gestern geduscht habe, wer stand hinter dem Vorhang? …

Wir verraten jetzt nicht, wie der vierzehnte Jennerwein-Krimi ausgeht. Aber eines würde uns schon interessieren: Wird es einen fünfzehnten geben? Von was wird er handeln?

An den fünfzehnten Jennerwein denke ich jetzt noch nicht. Sicher wird er eine Handlung haben, aber ich bin zurzeit mit anderem beschäftigt. Ich stecke mitten in einem fantastischen Roman, ganz ohne Jennerwein.

Herr Maurer, bitte erlauben Sie uns eine letzte – sehr persönliche Frage: Was würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Ein Buch mit leeren Seiten. Und Schreibzeug. Und ein Glas mit frischem Quellwasser.


Das Jörg Maurer Spezial

Jörg Maurer

Foto: Gaby Gerster

Er kann jodeln, er kann Klavier spielen und er kann unglaublich unterhaltsam erzählen. Jörg Maurer ist Bayerns witzigster Kriminalschriftsteller. Aber wie ist der Alpenkrimi-König privat? Was denkt er? Und wie entstehen seine Bücher? In unserem JÖRG MAURER SPEZIAL pirschen wir uns an den Krimiautor aus Garmisch-Partenkirchen und Schöpfer von Kommissar Jennerwein von ganz verschiedenen Seiten an. Vor allem aber sprechen wir mit ihm über seine Werke und sein Schreiben.

Zum Spezial von Jörg Maurer


 

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