
Herr Maurer, was sagen Sie zu der These, dass Ihr Fantasy-Roman „Shorty“ eine Art Kommissar Jennerwein auf LSD ist?
So habe ich das noch gar nicht gesehen. Aber die steile These gefällt mir. Sie ist kühn, ehrenvoll, schmeichelhaft und – liegt voll daneben. Vor allem deshalb, weil Kommissar Jennerwein in „Shorty“ gar nicht vorkommt.
Warum haben Sie nach 14 Jennerwein-Krimis das Genre gewechselt?
Ich habe es eigentlich nicht gewechselt. In den Abenteuern, in die ich meinen Kommissar Jennerwein geschickt habe, gab es auch immer wieder mal phantastische, magische oder irreale Einsprengsel, deren Anteil im Lauf der Zeit größer und größer geworden ist. Einen durch und durch phantastischen Roman zu schreiben war der nächste Schritt. Und so ist „Shorty“ entstanden. Ich habe beim Schreiben sehr viel Spaß gehabt, denn es hat sich herausgestellt, dass der größte Surrealismus – die verrückteste Erfindung – der Wahrheit am nächsten kommt.
Jedenfalls handelt es sich bei diesem neuen Roman von Ihnen aber doch um einen anderer Maurer als den, den wir seit Jahren kennen?
Nein, im Gegenteil, ich finde, man lernt erst bei „Shorty“ den ganzen Maurer kennen.
Und was war der konkrete Anstoß zu „Shorty“? Wie kam Ihnen die Idee dazu?
Vor zwei Jahren hat mich mitten in der Nacht ein Mann angerufen, der behauptete, ein Außerirdischer zu sein. Gut, seine Stimme erinnerte ein wenig an einen alten Freund von früher. Und er hat ein wenig gelallt. Aber sofort war die Idee geboren, dass meinem Shorty genau das passiert. Und nachdem ich die Grundidee niedergeschrieben habe, reihte sich ein Wort ans andere …
Welches sind Ihre drei Lieblings-Fantasy-Romane?
„Der Alte vom Berge“ von Philip K. Dick, „Otherland“ von Tad Williams und das deutsche Grundgesetz.
Ist Ihr neuer Roman eher Fantasy oder Science-Fiction?
Darüber habe ich mir ehrlich gesagt keine Gedanken gemacht. Ich will nicht vom Krimiregen in die Fantasytraufe kommen.
Wenn Ihnen das Genre nicht wichtig ist, was dann?
Die Geschichte selbst. Sie ist in einem Satz erzählt: Es ist die Geschichte von einem Mann, der versucht, den Weltuntergang abzuwenden.
Wovor genau muss die Welt gerettet werden?
Im Endeffekt vor Shorty selbst. Aber allzuviel darf ich ja nicht verraten.
In der von Ihnen erdachten Welt gelten Handys als eigene Spezies, die die Menschen als Wirt verwenden. Das klingt nun gar nicht nach Fantasy, sondern nach konkreter Kritik an gegenwärtigen Zuständen?
Durchaus! Ein paar satirische Spitzen und Seitenschläge wollte ich schon setzen. Auch Elon Musk kommt vor. Und der Typ, der mich vor ein paar Jahren im Zug bei einer Lesereise beklaut hat. An dem wollte ich mich schon lange einmal rächen.
Inwiefern kommt der denn vor?
Eigentlich müsste ich ihm ja dankbar sein. Er hat nur die Scheine aus dem Geldbeutel genommen, alle anderen Papiere dringelassen. Zwischen den Scheinen habe ich allerdings den Mitgliedsausweis für die Arthur-Schopenhauer-Gesellschaft gesteckt. Da ist natürlich meine Adresse drauf, und er hat mich daraufhin angeschrieben. Er lese seit Jahren meine Bücher, und ob ich nicht mal etwas über Schopenhauer schreiben könnte. Aber was Lustiges. Ich habe Schopenhauers Hauptthese, dass die Welt nur Vorstellung ist und sich lediglich im eigenen Kopf abspielt, aufgenommen und auf meine Weise aufbereitet.
Ihr Roman ist unterhaltsam angereichert mit allerlei naturwissenschaftlichen Details. Ist das alles irrer Quatsch oder haben Sie recherchiert?
Tiefer Quatsch und Naturwissenschaften sind kein Widerspruch, sie ergänzen sich oft aufs Lieblichste. Und was heute Quatsch ist, ist morgen schon anerkannte wissenschaftliche Methode.
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