ISBN 978-3-949465-07-9

464 Seiten

€ 22,00

Er ist bekannt für seine Alpenkrimis. Doch Jörg Maurers „Shorty“ ist ein Fantasy-Roman! Ein Gespräch über Außerirdische, den Weltuntergang und Schopenhauer.

Ein sehr lustiges Interview mit Jörg Maurer über seinen ersten Fantasy-Roman „Shorty“

Titelbild Shorty

Herr Maurer, was sagen Sie zu der These, dass Ihr Fantasy-Roman „Shorty“ eine Art Kommissar Jennerwein auf LSD ist?

So habe ich das noch gar nicht gesehen. Aber die steile These gefällt mir. Sie ist kühn, ehrenvoll, schmeichelhaft und – liegt voll daneben. Vor allem deshalb, weil Kommissar Jennerwein in „Shorty“ gar nicht vorkommt.

Warum haben Sie nach 14 Jennerwein-Krimis das Genre gewechselt?

Ich habe es eigentlich nicht gewechselt. In den Abenteuern, in die ich meinen Kommissar Jennerwein geschickt habe, gab es auch immer wieder mal phantastische, magische oder irreale Einsprengsel, deren Anteil im Lauf der Zeit größer und größer geworden ist. Einen durch und durch phantastischen Roman zu schreiben war der nächste Schritt. Und so ist „Shorty“ entstanden. Ich habe beim Schreiben sehr viel Spaß gehabt, denn es hat sich herausgestellt, dass der größte Surrealismus – die verrückteste Erfindung – der Wahrheit am nächsten kommt.

Jedenfalls handelt es sich bei diesem neuen Roman von Ihnen aber doch um einen anderer Maurer als den, den wir seit Jahren kennen?

Nein, im Gegenteil, ich finde, man lernt erst bei „Shorty“ den ganzen Maurer kennen.

Und was war der konkrete Anstoß zu „Shorty“? Wie kam Ihnen die Idee dazu?

Vor zwei Jahren hat mich mitten in der Nacht ein Mann angerufen, der behauptete, ein Außerirdischer zu sein. Gut, seine Stimme erinnerte ein wenig an einen alten Freund von früher. Und er hat ein wenig gelallt. Aber sofort war die Idee geboren, dass meinem Shorty genau das passiert. Und nachdem ich die Grundidee niedergeschrieben habe, reihte sich ein Wort ans andere …

Welches sind Ihre drei Lieblings-Fantasy-Romane?

„Der Alte vom Berge“ von Philip K. Dick, „Otherland“ von Tad Williams und das deutsche Grundgesetz.

Ist Ihr neuer Roman eher Fantasy oder Science-Fiction?

Darüber habe ich mir ehrlich gesagt keine Gedanken gemacht. Ich will nicht vom Krimiregen in die Fantasytraufe kommen.

Wenn Ihnen das Genre nicht wichtig ist, was dann?

Die Geschichte selbst. Sie ist in einem Satz erzählt: Es ist die Geschichte von einem Mann, der versucht, den Weltuntergang abzuwenden.

Wovor genau muss die Welt gerettet werden?

Im Endeffekt vor Shorty selbst. Aber allzuviel darf ich ja nicht verraten.

In der von Ihnen erdachten Welt gelten Handys als eigene Spezies, die die Menschen als Wirt verwenden. Das klingt nun gar nicht nach Fantasy, sondern nach konkreter Kritik an gegenwärtigen Zuständen?

Durchaus! Ein paar satirische Spitzen und Seitenschläge wollte ich schon setzen. Auch Elon Musk kommt vor. Und der Typ, der mich vor ein paar Jahren im Zug bei einer Lesereise beklaut hat. An dem wollte ich mich schon lange einmal rächen.

Inwiefern kommt der denn vor?

Eigentlich müsste ich ihm ja dankbar sein. Er hat nur die Scheine aus dem Geldbeutel genommen, alle anderen Papiere dringelassen. Zwischen den Scheinen habe ich allerdings den Mitgliedsausweis für die Arthur-Schopenhauer-Gesellschaft gesteckt. Da ist natürlich meine Adresse drauf, und er hat mich daraufhin angeschrieben. Er lese seit Jahren meine Bücher, und ob ich nicht mal etwas über Schopenhauer schreiben könnte. Aber was Lustiges. Ich habe Schopenhauers Hauptthese, dass die Welt nur Vorstellung ist und sich lediglich im eigenen Kopf abspielt, aufgenommen und auf meine Weise aufbereitet.

Ihr Roman ist unterhaltsam angereichert mit allerlei naturwissenschaftlichen Details. Ist das alles irrer Quatsch oder haben Sie recherchiert?

Tiefer Quatsch und Naturwissenschaften sind kein Widerspruch, sie ergänzen sich oft aufs Lieblichste. Und was heute Quatsch ist, ist morgen schon anerkannte wissenschaftliche Methode.

In regelmäßigen Abständen durchbrechen Sie Ihre Erzählung durch sogenannte Faktenchecks. Das erinnert an die Fernsehsendung „Hart aber fair“.

Ja, ein bisschen Realismus muss sein.

Wird Shorty seine Mission überleben?

Das kann ich natürlich, Spoilertrigger, nicht verraten. Das muss man sich selbst erlesen.

Sie gelten als experimentierfreudiger Künstler. Schreiben Sie in ein paar Jahren wieder etwas ganz Neues?

Ich hoffe doch. Aber was soll ich denn Neues schreiben?

Vielleicht eine bitterzarte Liebesgeschichte, mit Selbstfindung, Kochrezepten und allem Drum und Dran?

Ja, mal sehen, wie ich in ein paar Jahren drauf bin.

Moment, ich glaube … wir … müssen das … Gespräch … da … schauen Sie … da vor dem Ffff …

Ein Meteorit, der auf die Erde zurast und alles Leben zu vernichten droht? Aber Herr Steinleitner, wegen dem bisschen Meteorit werden wir doch jetzt nicht das Interview unterbrechen!

Darf man sich eigentlich über den Weltuntergang lustig machen?

Ja, freilich. Gerade über den. Der Weltuntergang ist die Pointe zu einem großen Witz namens Welt.

Jedes Ihrer Kapitel beginnt mit einem Zitat eines Schriftstellers zum Thema „Weltuntergang“. Da haben Sie einiges an Recherchearbeit geleistet!

Nein, das meiste habe ich erfunden. Das geht schneller. Und wie heißt es so schön: Lieber gut untergeschoben als schlecht recherchiert …

Sie lassen in „Shorty“ ja einige Außerirdische aufmarschieren. Was ist Ihre persönliche Lieblingsspezies?

Auf jeden Fall die hochintelligenten „War-Drober“. Das sind Wesen, die als Hemden, Hosen und Jacken in den Kleiderschränken hängen. Das Perfide an ihnen ist, dass sie sich die Menschen als Diener halten, um ab und zu auszugehen und frische Luft zu schnappen – und dass sie mitten unter uns sind.

Haben Sie Autobiographisches eingearbeitet? Man sagt ja immer, dass bei Autoren in Ihrem Alter der autobiographische Anteil immer größer wird.

So viel aus meinem Leben habe ich noch nie in einem Roman verarbeitet! Zum Beispiel habe ich meine sämtlichen Berufe und Jobs und Brotarbeiten, die ich im Lauf der Zeit angenommen habe, meinem armen Shorty aufgebürdet: Würstlverkäufer im Freibad … Filmkomparse, Kaufhausdetektiv, Nachtportier, Schankkellner, Gärtner, Aushilfselektriker, Erntehelfer, Bademeister, Stadionsprecher, Möbelpacker, Inventurhelfer …

(verzweifelt) Wann schlägt der Meteorit denn endlich ein?

… Kinokartenabreißer, Snickersverkäufer, Geisterbahnerschrecker, Roadie bei einer Punkband, Notenwart bei einem Orchester, Schiffschaukelbremser …

Herr Maurer, wann rechnen Sie persönlich mit dem Weltuntergang?

Spätestens in fünf Milliarden Jahren, wenn die Sonne zu einem Roten Riesen anschwillt, die Erde verschlingt und alles, was man sich mühsam aufgebaut und überlegt hat – zum Beispiel auch die Antworten auf diese Fragen – zunichte macht.

ISBN 978-3-949465-07-9

464 Seiten

€ 22,00

<a href="https://buchszene.de/redakteur/joerg-steinleitner/" target="_self">Jörg Steinleitner</a>

Jörg Steinleitner

Geboren 1971, studierte Jörg Steinleitner Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule. Er veröffentlichte rund 25 Bücher für Kinder und Erwachsene. Steinleitner ist seit 2016 Chefredakteur von BUCHSZENE.DE und lebt mit Frau und drei Kindern am Riegsee.

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