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Frau Bogdan, nach Ihrem heiteren Roman „Der Pfau“ haben Sie nun ein ziemlich nachdenkliches Buch über das Laufen geschrieben. Wie kam es dazu? Ist Ihnen bewusst, dass viele Ihrer Fans ein wenig verstört sein werden?
Es war einfach die nächste Geschichte, die ich erzählen wollte. Ich mochte den Sound, das Schnelle, Laufende, Atemlose. Und ich halte Leser*innen nicht für so einseitig, dass sie von einer Autorin immer wieder das gleiche lesen möchten. Das Leben ist ja auch nicht immer lustig.
„Laufen“ erzählt von einer Frau, die nach einem schlimmen Verlust dadurch, dass sie Sport treibt, wieder ins Leben findet. Joggen Sie selbst auch? Was macht es mit Ihnen?
Ja, Laufen ist die einzige Sportart, die ich betreibe, seit ich 14 bin. Zeitweise mit jahrelangen Pausen, aber früher oder später habe ich immer wieder angefangen. Und es macht ganz viel mit mir: In der Dreiviertelstunde, in der ich laufe, bin ich mit mir selbst allein, ich höre keine Musik oder Hörbücher dabei, nur meinen eigenen Atem, ich lasse die Gedanken kommen und gehen, gucke nicht aufs Handy, niemand will etwas von mir, ich denke nicht darüber nach, welcher Punkt auf der To-do-Liste der nächste ist. Und hinterher fühlt man sich körperlich wahnsinnig gut.
Was macht das Laufen mit Ihrer Protagonistin, der Läuferin?
Es zwingt sie bei großem seelischem Schmerz dazu, sich mit ihrem Körper zu befassen, und sie merkt sehr schnell, wie gut ihr das tut. Sie denkt darüber nach, ob sie wegläuft, kommt aber schnell zu dem Schluss, dass das sowieso nicht geht, sie kommt ja am Ende immer wieder bei sich zu Hause an. Und so ist das Laufen für sie auch ein Lauf zurück zu sich selbst, sie findet sich langsam wieder, findet zurück ins Leben.
Mit Ihrem Roman schreiben Sie sich ein in eine literarische Tradition. Andere große Schriftsteller, etwa Haruki Murakami, haben auch Laufbücher verfasst. Können Sie sich erklären, weshalb viele Schriftsteller*innen auch Läufer*innen sind?
Ich glaube gar nicht, dass das ein spezielles Autor*innen-Ding ist, sondern es laufen einfach insgesamt sehr viele Menschen. Als Autorin sitzt man den ganzen Tag am Schreibtisch, da braucht man dringend eine körperliche Betätigung als Gegengewicht. Und in meinem Fall war es gleichzeitig auch eine Art Recherche.
„Laufen“ ist ein innerer Monolog. Die Heldin hat ihren Mann durch Selbstmord verloren. Beim Laufen reflektiert sie ihr Leben. Sie empfindet den Suizid Ihres Partners als ungerecht. Wie sehen Sie das: Hat man als lebensmüder Mensch in einer Beziehung oder einer Familie das Recht auf Selbstmord oder ist das auch ein narzisstischer Akt, der verurteilt gehört?
Die Frage stellt sich gar nicht. Ich glaube, in jemandem, der in einer Depression steckt, ist es so finster, dass er gar nicht in der Lage ist, sich zu fragen, was ein Suizid mit seinen Angehörigen und Freunden macht, und diese Frage realistisch zu beantworten. Der ist überzeugt, dass es besser für alle ist, wenn er nicht mehr da ist. Als psychisch halbwegs gesunder Mensch kann man eine Depression vermutlich nicht mal im Ansatz nachvollziehen. Die Depression ist eine potenziell tödliche Krankheit. Mit Narzissmus oder Egoismus hat das nichts zu tun.
Sie schreiben sehr anschaulich über die Verlustgefühle Ihrer Heldin, Ihren Schmerz über die ungewollte Kinderlosigkeit, über Depression. Formulieren wir es mal vorsichtig: Wieviel Recherche steckt da drin und wieviel eigene Erfahrungswelt?
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