Ildikó von Kürthy. Es wird Zeit ... Interview | BUCHSZENE

In „Es wird Zeit“, Ildikó von Kürthys neuem Roman, geht es um Freundinnen und ihre Lebenslügen, Krankheit und Tod. Im Interview erklärt die erfolgreiche Autorin, warum es trotzdem ihr lustigster ist.

Ildikó von Kürthy im Interview über ihren Roman „Es wird Zeit“, den sie ihren lustigsten findet

12. November 2019 | Interview: Redaktion

Titelbild Es wird Zeit

© iko shutterstock-ID: 304262573

Gewinnspiel:
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Frau von Kürthy, mit „Mondscheintarif“ haben Sie vor 20 Jahren einen Roman geschrieben, der in einem Satz zusammengefasst werden kann: Sie wartet auf seinen Anruf. In „Es wird Zeit“ nun geht es um Lebenslügen, Krankheit, Abschied und Tod. Sind Sie endlich bei den großen Themen des Lebens angelangt?

Die Themen des Lebens sind immer groß. Sie ändern sich bloß im Laufe der Zeit. Früher warteten wir auf Anrufe, heute auf Untersuchungsergebnisse. Ich bin jetzt 51, und in meinem Freundinnenkreis findet sich keine Frau, die nicht unmittelbar von dem Thema Verlust und Vergänglichkeit betroffen ist. Eltern werden alt, Kinder gehen aus dem Haus, Freunde bekommen lebensbedrohliche Diagnosen.

Sie schreiben über das, wovon Sie umgeben sind …

Und das sind jetzt erwachsene, lustige und sehr kluge Frauen, die Bilanz ziehen. Keine von uns ist mehr bereit, Zeit mit Nebensächlichkeiten oder Idioten zu verschwenden. Was nicht heißt, dass wir nicht doch ab und zu wieder auf einen Anruf warten, den Bauch einziehen oder unseren Friseur umbringen möchten.

Das klingt so, als gäbe es in Ihrem neuen Werk nicht viel zu lachen.

Im Gegenteil. „Es wird Zeit“ ist mein lustigster Roman – und mein traurigster. Meine Heldin Judith kehrt nach 30 Jahren mit der Urne ihrer Mutter auf dem Beifahrersitz in ihre Heimat zurück. Dort trifft sie auf ihre schwerkranke Jugendfreundin und auf eine Lebenslüge.

Das klingt nicht nach Leichtigkeit und Lebenslust.

Der Eindruck täuscht. Die beiden Freundinnen erleben intensive und sehr, sehr lustige Momente – u.a. auf dem Friedhof, bei der Chemotherapie und dem Versuch, ein Kanu mit Mist zu füllen – und zwar nicht trotz, sondern wegen Annes Krankheit. Die Frauen weinen und lachen zusammen und erinnern sich immer wieder daran, dass man sich nicht zu früh freuen kann. Nur zu spät.

Warum gibt es noch eine zweite Stimme auf dem Hörbuch?

Die traurigen Stellen hat glücklicherweise die großartige Nina Petri übernommen, weil ich aus dem Rheinland komme und schon bei der Winnetou-Melodie in Schluchzen ausbreche.

Was haben Sie beim Schreiben von „Es wird Zeit“ gelernt?

Dass es klüger ist, mit einem Wunder zu rechnen, statt mit dem Schlimmsten.

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