Antoine Laurain: Ein Tropfen vom Glück. Kritik | BUCHSZENE

Ein Einbruch in ihr Haus in Paris bringt vier Menschen an einen Tisch. Die Flasche Wein, die sie gemeinsam leeren, verändert ihr Leben für immer. Frau Bluhm liest Antoine Laurains „Ein Tropfen vom Glück“.

Antoine Laurain „Ein Tropfen vom Glück“ spielt in Paris und beginnt mit einer gemeinsamen Flasche Wein

18. März 2019 | Kolumne: Frau Bluhm

Titelbild Ein Tropfen vom Glück

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Frau Bluhm liest „Ein Tropfen vom Glück“: 4 von 5 Blu(h)men


Ein Hausmeister, ein Barmann, eine Restaurateurin und ein Amerikaner

Unterschiedlicher könnten sie nicht sein, die vier Menschen, die sich an einem Abend in Paris treffen, um gemeinsam eine Flasche Rotwein zu trinken: Da wäre einmal Hubert, Ur-Pariser und Hausvorsteher der kleinen Hausgemeinschaft am Montmartre und obendrein ein Korinthenkacker und Nachbarüberwacher par excellence. Außerdem tritt Julien auf, er ist Anfang 20 und Barmann in der berühmten Harry’s Bar. Julien ist gerade erst in seine Eigentumswohnung gezogen und unsterblich in Magalie, eine Restauratorin mit zarter Seele verliebt. Magalie wird von allen nur Abby genannt, weil sie in ihrem Gothic-Look aussieht wie die berühmte Darstellerin aus Navy CIS. Der vierte im Bunde ist Bob Brown, ein Feriengast aus Amerika, der nach Paris kam, um seiner todkranken Frau und sich selbst einen Lebenstraum zu erfüllen. Sie alle haben, außer ihrer Adresse, nichts gemeinsam, und wären sich wohl nie im Leben länger als auf ein „hallo“ begegnet, hätte es diesen Vorfall mit den Dieben nicht gegeben.

Eines Tages überrascht Hubert zwei Einbrecher im Haus

Hubert überrascht nämlich zwei jugendliche Einbrecher im Haus. Die anderen drei kommen zufällig zu Hilfe. Nichts liegt näher, als auf den Schock gemeinsam eine gute, alte Flasche Wein zu trinken. Doch diese Flasche Wein hat es in sich. Gekeltert im Jahr 1954 finden sich alle vier am nächsten Tag im Ursprungsjahr des Weines wieder. Ohne Geld, ohne Orientierung in der damaligen Zeit und ohne Plan, wie es von nun an weitergehen soll, können sich die vier auf niemand anderen verlassen, als auf sich selbst und aufeinander.

„Ein Tropfen vom Glück“ ist wie eine Wochenendreise nach Paris

Antoine Laurain zeichnet auf gut 250 poetisch beschriebenen Seiten die Lebensgeschichte von vier Menschen und zusätzlich ein wunderschönes Bild der Stadt Paris. Obwohl nicht viel Platz vorhanden ist, gelingt es ihm, alles auszudrücken, was man wissen muss; und so wird „Ein Tropfen vom Glück“ eine richtige kleine Wochenendreise in die Stadt der Liebe. Liebe gibt es in diesem Buch übrigens reichlich. In allen Facetten und Ausprägungen. Die anfängliche Aufregung der aufkeimenden Liebe zwischen Julien und Magalie, die reife, nicht weniger heftige Liebe zwischen Bob und seiner kranken Frau Goldie. Liebe unter Familienmitgliedern, Liebe zur Musik, zum Wein und nicht zuletzt zur Stadt Paris selbst. Letztere wird von Antoine Laurain in all ihrer Pracht und grundsätzlichen Nostalgie wunderschön dargestellt, inklusive einiger ihrer, sehr wohl bekannter Einwohner der Vergangenheit.

Ein wenig Science-Fiction verbindet sich mit viel Gefühl und Humor

Dem Autor ist mit „Ein Tropfen vom Glück“ eine zauberhafte Erzählung gelungen, die fast an ein modernes Märchen erinnert. Ein wenig Science-Fiction und viel Gefühl verbinden sich mit Humor. Antoine Laurin lässt seine Protagonisten ihre eigene Geschichte erzählen. Wer Woody Allens „Midnight in Paris“ mag, der wird „Ein Tropfen vom Glück“ lieben. Wer noch nie in Paris war, wird nach der Lektüre davon träumen dorthin zu reisen, und wer es erlebt hat, der wird genau wissen, wovon der Autor berichtet.

Ich hätte mich an diesem Tropfen vom Glück ewig berauschen können

Besonders bemerkenswert finde ich, dass keine der vier Hauptfiguren wahrhaft außergewöhnlich ist, doch die Gemeinschaft dieser vier Personen zu erleben, das wird zu einer ganz außergewöhnlichen Erfahrung. Eben gerade deshalb, weil jeder das mitbringt, was ihn als einzigartigen Menschen ausmacht. Ich habe die Reise mit Hubert, Bob, Magalie und Julien genossen, ich hätte mir keine netteren Reisebegleiter wünschen können. Ich hätte mich an diesem Tropfen vom Glück noch ewig berauschen können. Vielleicht ist dies das einzige winzige Manko an diesem wundervollen Buch. Man möchte mehr davon und sieht Seite um Seite das ungewünschte Ende nahen. Man würde doch gern noch weiter auf nostalgischen Pfaden wandeln – leben, lieben … einfach verweilen.

Frau Bluhm

Geboren 1984 in Aschaffenburg als Katharina Bluhm, studierte Frau Bluhm Psychologie und wurde nach dem Studium Erzieherin. Als BUCHSZENE.DE-Kolumnistin entdeckt wurde sie wegen ihrer so sympathischen wie zutreffenden Rezensionen auf Lovelybooks.


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