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Kommt der Brexit? Unser Kolumnist findet, dass die Briten die EU auf keinen Fall verlassen dürfen. Schon allein der Herrensocken wegen. Sieben Gründe, wieso ganz schnell ein neues Referendum hermuss.

Sieben Gründe, weshalb die Briten auf keinen Fall die Europäische Union verlassen dürfen

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Titelbild Steinleitners Woche Brexit

© Kanchana P shutterstock-ID:1075679300

Britische Höflichkeit und britischer Humor

Der Onkel meiner Frau ist Brite und ich mag ihn sehr. Vor Jahren hatte er uns in Paris zu einem Aperitif mit dem ehemaligen amerikanischen Botschafter eingeladen. Die Gattin des Botschafters hatte ihren Drink relativ schnell leer getrunken. Natürlich bot der Onkel meiner Frau ihr noch einen Drink an. Allerdings verwendete er eine Formulierung, die für mich die ideale Kombination aus britischer Höflichkeit und britischem Humor ist. Er fragte: „Möchtest du jetzt die zweite Hälfte von deinem Drink?“

Britisches Essen

Eine unfaire Legende ist ja, dass es in England nichts Gutes zu essen gäbe. Das ist ein Irrtum. Sicherlich kann man darüber diskutieren, ob fettige Fish & Chips gesund sind. Aber sie schmecken! Ich habe vor einiger Zeit in Jamie Olivers Fisch & Chips-Laden in Notting Hill welche verzehrt. Die waren fettig, aber auch unendlich köstlich. Muss immer alles nur gesund sein? Und was das Frühstück angeht, ist ja bereits die britische Durchschnittsfamilie wirklich großartig aufgestellt: Die Vielfalt an Cornflakes und Müslis, die ich von englischen Freunden an einem ganz normalen Tag zur Frühkost angeboten bekommen habe, wurde mir von deutschen Gastgebern noch nie offeriert. Oder der britische Käse – wer einmal Cornish Yarg, Stinking Bishop oder The Huntsman probiert hat, der weiß, dass die Franzosen nicht die einzigen sind, die hervorragende Käsesorten hervorbringen. Schließlich ist gerade London derart international, dass man dort ohnehin jede Küche der Welt auf den Tisch bekommt. Und zwar schon seit einem halben Jahrhundert. Ich erinnere mich, dass ich chinesisches Essen das erste Mal in London probiert habe. Das war in den 1970er-Jahren und meine Gasteltern holten es in einem Take-away. Solche Mitnehm-Restaurants gibt es heute bei uns auch überall. Aber in England war das schon vor Jahrzehnten völlig normal.

Das britische Englisch

Immer, wenn ich Briten Englisch sprechen höre, wäre ich gerne einer von ihnen. Es gibt keine Sprache, die vergleichbar vornehm und sympathisch hochnäsig klingt. Das amerikanische Englisch klingt dagegen wie ein Mund voller Kaugummi.

Die britischen Socken

Ein Kollege von mir lebt seit einigen Jahren in London. Zu Weihnachten schenkte er mir Herrensocken mit Aufdruck. Auf dem einen Paar steht „My drinking socks“. Auf dem zweiten ist „My lucky socks“ eingewebt. Und auf dem dritten: „Old Fart!“ Ein „fart“ ist ein Pups, ein “Old fart” ein Langweiler oder “alter Sack”. Auf den Etiketten stehen exzentrische Sätze wie „At my age, I’ve seen it all and done it all. (Unfortunately, I’ve also forgotten it all!)“. Darüber ist das Bild eines älteren Herrn abgebildet.

Die britische Literatur

Was bitte wären wir ohne Joanne K. Rowling und „Harry Potter“? Oder ohne Jane Gardams so unglaublich kluge wie menschliche Romane „Ein untadeliger Mann“, „Eine treue Frau“ oder „Weit weg von Verona“ – Jane Gardams Werke wurden übrigens von der deutschen Bestsellerautorin Isabel Bogdan („Der Pfau”) übersetzt.

Die britische Verrücktheit

Man begegnet ihr in vielen Bereichen. Zum Beispiel in den speziell britischen Sportwettbewerben. Es gibt in England einen interessanten Wettkampf, der Cheese Rolling heißt. Dabei lässt man einen Double-Gloucester-Käselaib einen etwa 200 Meter langen Hügel hinunterrollen. Die Teilnehmer des Wettkampfs rennen dem Käse hinterher. Wer ihn als erster schnappt, darf ihn behalten. Kürzlich habe ich mit meinen Kindern Monty Pythons „Das Leben des Brian“ angeschaut. Seither geht mir die Forderung „Hebt die Sandale“ nicht mehr aus dem Sinn. Ich liebe diesen irren Humor. Auch, dass alle Autos auf der falschen Straßenseite fahren, ist doch eine herrlich bekloppte Idee! Wobei man ehrlicherweise eingestehen sollte, dass auch in den anderen europäischen Ländern bis ins 18. Jahrhundert der Linksverkehr vorherrschte. Die traditionsbewussten Engländer aber sind dabei geblieben (wie auch die Schotten, Waliser und Nordiren). Das Linksfahren kam übrigens vom Linksaufsteigen: Reiter klettern schon immer von der linken Seite her auf ihr Pferd; und als das noch alltäglicher war, gab es auf den linken Seiten der Straße Steine, die einem beim Aufsteigen halfen.

Die britische Popmusik

Ed Sheeran und Paul McCartney. Robbie Williams und Elton John. Na, da fangen wir jetzt mal lieber nicht an, die ganzen wichtigen englischen Musiker aufzuzählen. Ohne Übertreibung kann man behaupten, dass es Popmusik ohne britische Musiker eigentlich gar nicht gäbe. Aber wussten Sie, dass Elton John binnen zwei Jahren mal 300.000 Euro für Blumen ausgegeben hat – und für seinen restlichen Lebensbedarf in diesem Zeitraum 34 Millionen Euro? Er hat dies in einem Gerichtsverfahren erklärt. Oder wussten Sie, dass Ed Sheeran vor gar nicht langer Zeit ein Konzert in Essen abblies, weil dort eine seltene Feldlerche lebte? Ich meine, dass die Briten einen so kostbaren Vogel haben, dass wir sie auf keinen Fall aus der Europäischen Union gehen lassen dürfen.

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<a href="https://buchszene.de/redakteur/joerg-steinleitner/" target="_self">Jörg Steinleitner</a>

Jörg Steinleitner

Geboren 1971, studierte Jörg Steinleitner Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule. Er veröffentlichte rund 25 Bücher für Kinder und Erwachsene. Steinleitner ist seit 2016 Chefredakteur von BUCHSZENE.DE und lebt mit Frau und drei Kindern am Riegsee.

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