Christian Berkel: Der Apfelbaum. Hörbuch-Kritik | BUCHSZENE

Er nennt es „Roman“, doch es ist in Wahrheit die bewegte Geschichte seiner eigenen Familie. Wenn der Schauspieler Christian Berkel die Hörbuchfassung seines Buchs „Der Apfelbaum“ liest, lauscht man wie gebannt.

In seinem Hörbuch „Der Apfelbaum“ verzaubert Christian Berkel mit seiner Stimme und einer starken Geschichte

18. November 2019 | Birte Vandar

Titelbild Der Apfelbaum

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Im Hörbuch „Der Apfelbaum“ erzählt Christian Berkel von seiner Familie

In seinem Hörbuch „Der Apfelbaum“ erzählt der aus dem Oscar-nominierten Film „Der Untergang“ bekannte Schauspieler Christian Berkel die Geschichte seiner Familie. An den Anfang seines sorgsam recherchierten und mit starken Bildern aufgeladenen Romans setzt der Autor ein Gespräch mit seiner Mutter, die allmählich Gedächtnisprobleme bekommt. Er fragt nach seinen persönlichen Wurzeln und er bekommt Antworten. In der Folge taucht er, allen Erinnerungslücken zum Trotz, in die Vergangenheit ein und lässt uns als Hörer daran teilhaben.

Ein homosexueller Vater und die Liebe eines Lebens

Diese Rahmengeschichte geht sehr unmittelbar in den Familienroman über: Nun erfahren wir vom allwissenden Autor wie sein Vater Otto aufwuchs und wie dieser Sala, die Liebe seines Lebens, kennenlernte. Sala ist halbe Jüdin und wächst in ungewöhnlichen Verhältnissen auf: Ihre Mutter ist nach Spanien gegangen und ihr Vater lebt seine Homosexualität offen aus. Otto hingegen ist Halbwaise; seine Mutter ist zum zweiten Mal verheiratet, was ihren Kindern das Leben schwermacht.

Sala wird denunziert und muss vor den Nazis fliehen

Für Sala wird es wegen der antisemitischen Hetze gefährlich im Vorkriegsdeutschland. Ihre Mutter holt sie zum Schutz vor den Nazis zu sich, von dort aus zieht sie weiter nach Frankreich, um bei der Schwester ihrer Mutter Zuflucht zu finden. Doch jemand denunziert sie und Sala landet in einem Judenlager. Die Verhältnisse dort schildert Christian Berkel mit ungeheurer Bildkraft, genauso wie die Reise zurück nach Deutschland, bei der Sala großes Glück hat. Es gelingt ihr, als Jüdin unerkannt zu bleiben und in Berlin zu leben und zu arbeiten.

Dem Arzt Otto gelingt es nicht, sich seiner Verantwortung zu stellen

Allerdings steht die Liebesgeschichte unter keinem guten Stern: Sala wird schwanger, doch Otto weiß, dass sie noch einen anderen Mann kannte. Als er aus dem Krieg zurückkehrt, in dem er als Arzt gearbeitet hat und in Kriegsgefangenschaft geraten ist, ist Sala bereits in Argentinien untergeschlüpft, und Otto schafft es nicht, sich seiner Verantwortung zu stellen.

Das Ende dieses Roman-Hörbuchs ist sehr intensiv

Viel später kehren Sala und ihre Tochter zurück; es kommt zu einem Wiedersehen. Der Ausgang des Romans ist sehr intensiv, denn nach diesem Treffen finden wir uns in der Rahmenerzählung wieder, in der Otto nun nicht mehr Otto heißt, sondern „mein Vater“. Ein wenig schade ist, dass Ottos und Salas erstes Kind in diesem Teil des Buchs gar nicht mehr erwähnt wird.

Christian Berkels Stimme zu lauschen ist großer Genuss

Das Hörbuch „Der Apfelbaum“ ermöglicht einen wunderbaren Blick auf unsere Geschichte, auf eine große Liebe, auf gesellschaftliche Entwicklungen und auch auf interessante Menschen. Christian Berkels Stimme ist sowieso ein Traum für Zuhörer – und so ist das Lauschen dieses Hörbuchs großer Genuss.