In Joël Dickers Roman „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ rollt eine Journalistin einen alten Fall neu auf

Drei Leichen im Haus und davor eine tote Joggerin. Die Polizei findet schnell einen Schuldigen. War er es wirklich? Joël Dickers „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ ist ein hochkomplexes Krimivergnügen.

In Joël Dickers Roman „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ rollt eine Journalistin einen alten Fall neu auf

24. Juni 2019 | Jörg Steinleitner

Joël Dicker

Das Verschwinden der Stephanie Mailer

ISBN 978-3-492-05939-8

672 Seiten | € 25,00

PIPER

Romantik (2/5)

Komik (2/5)

Weisheit (3/5)

Gänsehaut (4/5)

Unterhaltung (4/5)

Das Verschwinden der Stephanie Mailer

© LILAWA .COM shutterstock-ID: 556599220

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Die junge Journalistin Stephanie Mailer recherchiert einen alten Fall

Die Geschichte von Joël Dickers „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ klingt zunächst einmal nach einem klassischen Krimiplot: Eine junge Journalistin von der amerikanischen Ostküste recherchiert einen Jahrzehnte zurückliegenden Mordfall und ist plötzlich nicht mehr auffindbar. Doch was der junge, in Genf geborene und bereits mit höchsten Auszeichnungen versehene Schriftsteller aus dieser Grundgeschichte zaubert, ist tatsächlich erstaunlich.

Ein Vierfachmord, dessen Leichen nicht recht zusammenpassen

Damals, im Sommer 1994, war der Bürgermeister der Stadt Orphea samt Ehefrau und Sohn mit einer Beretta im eigenen Haus niedergestreckt worden. Der oder die Täterin hat die Haustür aufgetreten, obwohl sie nicht versperrt war. Und vor dem Haus findet sich die Leiche einer weiteren Bürgerin der Stadt, die mit derselben Waffe erschossen wurde. Merkwürdigerweise trägt diese Leiche Joggingkleidung.

Der Bürgermeister wollte überraschend verreisen – wieso?

Im Haus der Bürgermeisterfamilie finden sich – neben gepackten Koffern – Anzeichen dafür, dass man verreisen wollte. Merkwürdig erscheint dies insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass just an diesem Abend ein wichtiges Theaterstück zur Aufführung kommt, dessen Besuch für den Bürgermeister und seine Frau eigentlich ein Pflichttermin ist. Weshalb besuchte das Stadtoberhaupt nicht die Theateraufführung? Warum wollte er mit seiner Familie abreisen und wohin? Und was hat dies alles mit der toten Joggerin zu tun?

Stephanie Mailer rollt den Fall zwanzig Jahre später neu auf

1994 wird relativ bald ein Mann wegen des Vierfachmords für schuldig gesprochen. Die Gründe sind eigentlich plausibel. Doch anscheinend nicht für die Journalistin Stephanie Mailer. Zwanzig Jahre später rollt sie den Fall noch einmal für sich auf – und ist bald darauf verschollen. Erst durch ihr Verschwinden stößt die Polizei noch einmal auf die alte Geschichte und die erfahrenen Ermittler Jesse Rosenberg und Derek Scott tauchen gemeinsam mit der jungen Anna Kanner in die Akten ein.

Jede von Joël Dickers Figuren hütet ihr eigenes Geheimnis

Soweit hört sich dies alles nach einem gewöhnlichen Krimi an. Doch welch komplexes Geflecht Joël Dicker aus dieser Grundstory webt, das ist schon beeindruckend. Denn jede seiner Figuren – von den Opfern über die Ermittler bis hin zu den Randcharakteren – hat ihre eigene Geschichte. Und jede dieser Geschichten hat Tiefe und weist Widersprüche auf, wie es im echten Leben auch der Fall ist.

Sie machen Fehler, sie sind durchtrieben, sie sind echte Menschen

Die Geschichten der einzelnen Personen von „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ sind durch Liebe und Korruption, durch Lüge und Intrige miteinander verknüpft. Sie machen Fehler, sie sind durchtrieben (auch die eigentlich Guten), sie haben allzu menschliche niedrige Beweggründe. Dass es Joël Dicker gelingt, all diese Einzelgeschichten unter Kontrolle zu halten, das ist etwas, das einem als Leser*in höchsten Respekt abverlangt. Am Ende löst er tatsächlich alle komplizierten Einzelgeschichten auf und man hat nicht das Gefühl, dass er hier oder da die Grenzen des real Möglichen sehr stark strapazieren musste.

Will man unbedingt kritisieren, dann vielleicht dieses

Möchte man unbedingt Kritik an diesem gelungenen 666-Seiten-Schmöker üben, dann höchstens, dass es manchmal auch einfacher gegangen wäre; dass manche Seitenstrang-Story nicht auch noch nötig gewesen wäre; dass die Idee, dass sich in einem Theaterstück die Auflösung eines Kriminalfalls verbirgt, etwas abseitig wirkt; dass dieser gelungene Kriminalroman auch hundert Seiten weniger hätte haben können. Aber denkt man über all dies nach, so überwiegt doch eher das Staunen über diesen literarischen Jongleur, der riskant mit vielen, kriminell bunten Bällen spielt und am Ende doch alle wieder einfängt.


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