
© Magdalena Weyrer
„Nein, der Kaiser wollte ihren Kopf.“
Dies gleich vornweg: Wer keine langen Sätze mag, sollte die Finger von Christoph Ransmayrs Roman „Cox oder Der Lauf der Zeit“ lassen. Allen anderen, den sprach- und poesieverliebten Lesern, den romantischen Schwelgern, den historisch Interessierten, den Uhrenliebhabern und jenen, die sich für China interessieren, sei dieses Werk unbedingt empfohlen. Ransmayr erzählt darin die Geschichte eines Uhrmachers, den es so nie gab: Der Londoner Alister Cox ist, so erfindet ihn Ransmayer, der beste Uhrenkünstler seiner Zeit, also des 18. Jahrhunderts. Sein Alltag besteht daraus, Zeitmesser für die Reichen und Mächtigen der Epoche zu fertigen. Er ist erfolgreich und vermögend. Und doch ist er aufgeregt, als ihn eines Tages ein Auftrag aus dem fernen China ereilt: Kaiser Qíanlóng lädt Cox dazu ein, gen Osten zu reisen, um dort seine Kunst unter Beweis zu stellen. Der Uhrmacher wittert ein gutes Geschäft, willigt ein und begibt sich gemeinsam mit drei Gefährten, die selbst meisterhafte Handwerker sind, auf die lange Reise nach Peking.„Manche Diener und Eunuchen am Hof hatten den Allerhöchsten in 20 Jahren kein einziges Mal zu Gesicht bekommen.“
Auf der langen Schiffsreise führen die Männer die kostbarsten und kompliziertesten Uhrenmodelle mit sich, die ihre Werkstätten bevorraten. Doch bei ihrer Ankunft stellen sie fest, dass der Kaiser bereits über eine gigantische Uhrensammlung verfügt und keinerlei Interesse an ihrem Angebot hat – an all den diamantbesetzten, gold und silbern schimmernden Wunderwerken der Technik, die sie eigens für ihn mitgebracht hatten.„Ein Uhrwerk, das die Äonen der Ewigkeit messen konnte und dessen Zahnräder über alle Menschenzeit hinaus schlagen würde.“
Stattdessen beauftragt der Potentat sie mit der Fertigung einer Uhr, welche in der Lage ist, die Dauer der Ewigkeit zu messen. Die Männer, die den Kaiser wochenlang gar nicht zu Gesicht bekommen und die ihr Haus in der Verbotenen Stadt nicht verlassen dürfen, machen sich ans Werk. Doch je länger sie an dieser Uhr der Jahrhunderte werkeln, umso klarer wird: Die Fertigstellung dieses Meisterwerks könnte sie das Leben kosten. Denn wie soll es zugehen, dass einfache Handwerker, dazu noch welche aus dem fernen London, eine Uhr herstellen, welche die einzigartige Position des Kaisers als ewiger Herrscher über alle Zeiten und die Unendlichkeit in Frage stellt? Arbeiten die Männer womöglich in emsiger Blindheit auf ihre eigene Vernichtung hin? Mit Kreaturen, die seine Gottgleichheit in Frage stellen, lässt der Kaiser kurzen und brutalen Prozess machen. Schon wegen viel geringerer Vergehen wird man zu jener Zeit in China auf grausamste Weise zu Tode gefoltert.„Die wenigen Sekunden, die Cox dieses Mädchen sehen durfte, riefen in ihm eine brennende Erinnerung wach.“
Cox
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