Es ist zum Verzweifeln – Elena Ferrantes „Meine geniale Freundin“

Um die Person, die sich hinter dem Pseudonym Elena Ferrante verbirgt, ranken sich Geheimnisse. Ihr neuestes Werk „Meine geniale Freundin“ wird von den Feuilletons gefeiert. Und dennoch ist unser Autor an diesem Roman verzweifelt. Hier erfahren Sie, warum.

Es ist zum Verzweifeln – Elena Ferrantes „Meine geniale Freundin“

10. November 2016 | Bernhard Berkmann

Elena Ferrante

Meine geniale Freundin

ISBN 978-3-518-425-534

422 Seiten | € 22,99

Suhrkamp Verlag

Romantik (3/5)

Komik (1/5)

Weisheit (5/5)

Gänsehaut (3/5)

Unterhaltung (1/5)

„Man verschlingt dieses Buch.“
Stern

Es ist zum Verzweifeln: Elena Ferrantes neuer Roman, der durch die Enttarnung (oder vermeintliche Enttarnung des Pseudonyms) täglich ein noch größeres Publikum erreicht, wird durch sämtliche Feuilletons hindurch gefeiert. Die Zeit bejubelt „Meine geniale Freundin“ als „epochales literaturgeschichtliches Ereignis“. Le Monde findet, das Buch wirke wie eine Droge. Die Süddeutsche Zeitung attestiert der Geschichte einen „bestechenden, rasanten Rhythmus“ und so weiter und so fort. Warum finde ich dies nun zum Verzweifeln? Weil mich die Lektüre nicht ganz so euphorisiert hat wie ich dies in den Zeitungen lese und ich dies schade finde.

„Das beste Porträt einer Frauenfreundschaft.“

New York Times

Zweifellos räume ich ein, was etwa Die Zeit schreibt, nämlich dass hier europäische Geschichte im großen Stil als weibliche Geschichte erzählt wird. Auch stimme ich zu, dass Elena Ferrante, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung es formuliert, eine elegante, schwerelose Sprache beherrscht und den Stoff jederzeit im Griff hat. Aber richtig gepackt hat mich dieser Roman trotzdem nicht. Der Alltag der beiden Mädchen, die zu Frauen heranreifen, wird zwar sehr genau beschrieben, aber trotzdem trägt mich dies – nach alle den Lobeshymnen – nicht mit der erwarteten Schwerelosigkeit durch den Roman.

„Ich empfinde Elena Ferrante gegenüber tiefste Dankbarkeit.“

Jonathan Franzen

Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass es vor allem zwei Gründe sind, die eine Lektüre dieses Buchs lohnenswert machen können: Zum einen die Tatsache, dass sich hier italienische Alltagsgeschichte und auch politische Geschichte in großer Präzision und sprachlicher Geschmeidigkeit spiegelt. Und zum anderen, dass hier mit großer Liebe zum Detail und anhand vielschichtiger, glaubwürdiger Figuren die Geschichte der Freundschaft zweier Mädchen erzählt wird. Schließlich möchte ich anmerken, dass dies womöglich eher ein Werk ist, das Leserinnen anspricht, da sie sich in den weiblichen Hauptfiguren vielleicht eher wiedererkennen.

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