June Perry: White Maze. Interview. Glauserpreis | BUCHSZENE

In dem Jugendkrimi „White Maze“ wird eine Game-Entwicklerin tot aufgefunden. Gemeinsam mit einem Hacker geht ihre 16-jährige Tochter der Sache auf den Grund. Glauser-Preisträgerin June Perry im Interview!

June Perry hat für Ihren Jugend-Krimi „White Maze“ vom Syndikat den Glauser-Preis bekommen

22. Oktober 2019 | Syndikat

Ttitelbild White Maze

© Gorodenkoff shutterstock-ID: 1146279782

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Was hat sich in deinem Leben verändert, seit du Glauser-Preisträgerin der Kinder- und Jugendkriminalromane geworden bist?

Noch ist der Preis ja sehr frisch – aber die Neuigkeit hat sich herumgesprochen und ich werde sehr oft angesprochen, wenn ich unterwegs bin. Das freut mich natürlich – ist aber auch irgendwie gewöhnungsbedürftig, plötzlich so wahrgenommen zu werden. Und tatsächlich gab es aufgrund des Preises einige Anfragen für Lesungen. Was sich noch entwickelt durch die Aufmerksamkeit der Medien wird sich zeigen. Stellt mir die Frage noch mal nächstes Jahr.

Was inspiriert dich?

Das ist ganz unterschiedlich. Ein Erlebnis, ein Ort … Manchmal ein Satz oder sogar nur ein einzelnes Wort, das ich irgendwo lese und das bei mir ein Bild auslöst oder eine Emotion. Und schon hab ich den Beginn einer Geschichte im Kopf. Oder – wie bei „White Maze“ – reine Neugier zu einem Thema, Recherche und die Frage: Was wäre wenn …

Hast du Schreibrituale?

Richtige Rituale habe ich nicht. Da ich jedoch eher ein Morgenmensch bin, passt es sich gut, dass momentan meine Schreibzeit immer vormittags ist, da dann die Kinder noch in der Grundschule sind. Und ich brauche Stille beim Schreiben. Musik lenkt mich absolut ab. Wenn ich schreibe, sitze ich quasi im Kino und protokolliere, was ich höre und sehe … Jeder Reiz von außen würde nur stören.

Mit wem sprichst du zuerst über eine neue Buchidee?

Mit meinem Mann Derek Meister. Wir schreiben beide und plotten eigentlich jede Geschichte zusammen. Wir sind dann auch gegenseitig die Ersten, die den jeweiligen Text lesen. Das funktioniert wunderbar. Es ist großartig einen „Sparring-Partner“ direkt nebenan zu haben.

Dein wichtigster Schreibtipp?

Dran bleiben! Wenn man stecken bleibt, den Kopf frei machen mit einem langen Spaziergang und dann versuchen mit einem anderen (Figuren-)Blickwinkel auf den vermeintlichen Knoten gucken. Mir hilft das eigentlich immer.

Tag 1 nach der Manuskriptabgabe – was tust du?

Den Schreibtisch aufräumen. In den letzten Wochen vor Abgabe bin ich meistens so in meiner „Schreib-Glocke“, dass ich nichts anderes mehr mache. Deshalb sammelt sich so einiges an, das dann erstmal wieder sortiert werden muss. Angefangen von Rechnungen und E-Mails bis hin zu Schokoladenpapieren (leer) und vergessenen Spielaufforderungen (Lego- und Playmo-Figuren) meiner Kids. Und am Abend ein Gläschen Wein mit Derek auf der Sonnenuntergangsbank.

Mit welchem Autor würdest du gerne mal tauschen, und warum?

Hm. Ganz direkt eigentlich mit niemandem, wer weiß, ob derjenige sich nicht auch mit widerspenstigen Charakteren und Plotlöchern rumschlägt … Aber hin und wieder wünsche ich mir, zu den Autoren zu gehören, die einfach eine Geschichte vorne anfangen und wie von magischer Hand geführt, eine wunderbare, spannende, gut aufgebaute Story niederschreiben und punktgenau in einem tollen Ende landen. Ganz ohne Plotten. Einfach so. Das wäre toll. So sehr ich unsere Plotpinnwand liebe und all das „Herumspinnen“ – es braucht doch Zeit bis ich eine Geschichte wirklich gut aufgebaut habe und alles stimmt. Zu gerne würde ich einfach anfangen zu Schreiben, mich treiben und von den Ereignissen überraschen lassen, aber dennoch sicher sein, dass ich aus dem Bauch raus eine wunderbare Dramaturgie hinbekomme …


Warum June Perrys „White Maze“ den GLAUSER-Preis für den besten Kinder- und Jugendkrimi gewonnen hat? Die Begründung der Jury:

Die erfolgreiche Game-Entwicklerin Sofia Tallert wird tot in ihrem Haus aufgefunden. Ein Schock für ihre sechzehnjährige Tochter Vivian. War wirklich ein Herzinfarkt die Todesursache? In Vivian werden Zweifel wach: Der Release ihres innovativen Computerspiels „White Maze“ stand kurz bevor. Was hat es mit den Lucent-Kontaktlinsen auf sich? Gemeinsam mit dem Hacker Tom begibt sich Vivian in die Virtuelle Realität von „White Maze“, auf der Suche nach den Hintergründen. Was ist in dieser Welt real? Kann sie ihren eigenen Sinnen vertrauen?

Der sauber strukturierte Plot, durchgehende Spannungsbögen und authentische Charaktere zeugen nicht nur von handwerklichem Können, sondern auch für sprachliche Empathie zur Zielgruppe der jungen Leser. „White Maze“ fächert die Faszination und Möglichkeiten der Virtuellen Realität in verlockenden Farben auf, um mit stetig wachsender Spannung Schicht für Schicht die Schattenseiten und Gefahren zu enthüllen.

Wem gestatten wir Einfluss auf unsere Sinne? Welchen Preis sind wir bereit für das vermeintliche Vergnügen zu zahlen? June Perrys „White Maze“ ist ein beeindruckendes Leseerlebnis mit kritischem Ausblick in eine vielleicht nicht allzu weit entfernte Zukunft.


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