Ein Herzinfarkt, ein Schützenverein und eine junge Leiche. Sibyl Quinkes Krimi „Tödliche Nachfolge“ handelt von der Übergabe eines Wuppertaler Unternehmens. Die Autorin berichtet aus ihrer Krimi-Werkstatt.

Sibyl Quinke, Autorin von „Tödliche Nachfolge“, gibt Einblick in ihr Schaffen

9. August 2021 | Syndikat

Titelbild Tödliche Nachfolge

Einen Roman zu verkaufen – das ist echte Knochenarbeit

Der Roman ist fertig, jetzt muss er nur noch verkauft werden. Nur! Das ist echte Knochenarbeit. Pressearbeit! Sie sollte vor dem Erscheinen beginnen, aber wie soll ich die Redakteure von meinem neusten Baby informieren, wenn ich es noch gar nicht zur Verfügung stellen kann? Das eBook erscheint kurz vor der Print-Version, die dann den Handel fluten soll – Halluzination oder Illusion? Hat der Redakteur, die Redakteurin, gerade jetzt Zeit und Lust mein neuestes Epos zu lesen? Und dann den Handel fluten: Selbst in der Region, in der der Roman spielt, selbst ohne Pandemie: Wunschdenken.

Die meisten meiner Leichen platziere ich in Wuppertal

Dennoch, nach meiner jetzt zwölften Veröffentlichung, habe ich mir in Wuppertal, dort wo ich die meisten Leichen platziert habe, einen Namen gemacht. „Sie sind ja berühmt!“, kriege ich zu hören. Doch meine Definition von berühmt, da sind wir weit entfernt. Die Konkurrenz schläft halt nicht. Meine Ermittler begleiten mich schon lange. Die Figuren kamen zu mir, ich musste gar nicht lange überlegen. Dick und Bresniak, die beiden Hauptkommissare waren einfach da.

Wie ich meine Figuren entwickle oder wie sie zu mir kommen

So geht es mir mit den anderen Personen bei den Geschichten generell. Sie stehen vor der Tür, klopfen an und präsentieren sich. Da gibt es welche, die vollständig der Fiktion entspringen und sie müssen natürlich tun und lassen wie ich es für meinen Roman gerade brauche. Nur wenn sie in der nächsten und übernächsten Geschichte wieder eine Rolle spielen, bleiben die Charaktere wie sie sind, sie sind nicht mehr veränderbar, ich kann sie bestenfalls modifizieren. Das macht aber nichts. Sie sind, je nach Figur, gerne auch das Salz in der Suppe. Um diese Figuren oder Charaktere spinnt sich die Geschichte.

Manchmal ist ein bestimmtes Gift der Ausgangspunkt aller Überlegungen

Manchmal allerdings fange ich mit einem Gift an, das mich fasziniert, und überlege wie ich das am geschicktesten einsetzen kann. Gift als Mordwerkzeug allein genügt nicht. Ich brauche das Opfer, also eine Figur, und einen Mörder, auch eine Figur und ein Beziehungsgeflecht in dem beide stehen. So ein Roman lebt von seinen Personen, die sich möglichst unterscheiden und ganz eigene Eigenschaften haben. Die handelnden Protagonisten suche ich mir aus meinem Gedächtnis. Teils sind es Menschen, denen ich einmal begegnet sind, Menschen des öffentlichen Lebens, oder rein fiktionale Individuen – es muss ja in die Geschichte passen.

Ich lasse gerne Straßenzüge oder Stadtviertel auf mich wirken

Schlussendlich muss ein Krimi, die Geschichte, immer irgendwo spielen. Bei mir ist es halt Wuppertal, da ist meine Recherche relativ einfach. Wenn ich mir dann den Straßenzug oder das Stadtviertel anschaue, lasse ich das gerne auf mich wirken, und dann stolpert bereits wieder eine Figur aus einem der bergischen Schieferhäuser heraus, die meine Geschichte vorantreibt. Das sollte detailliert passieren, denn ich als Autor muss mehr wissen als ich wirklich niederschreibe. Dennoch kann sich ein Fehler einschleichen. Sollten es zu viele sein – und die Toleranzgrenze ist niedrig – und ein Leser sofort über offensichtliche Fehler stolpern, mag er oder sie in vielen Fällen das Buch gar nicht weiterlesen. So weit allgemein, nun konkreter:

Meine Ermittler sind ganz normale Leute

Nein, meine Ermittler sind keine Alkoholiker oder Psychotiker, sie sind ganz normal (heute schon wieder etwas Besonderes in der Krimiszene). Meine Lieblingsermittlerin ist Louisa, die ehemalige Praktikantin und nach bestandener Prüfung Vollmitglied im Team. Ebenso gehört sie zum regelmäßigen Dinner im Hause Dick, einem meiner Hauptkommissare. Da geht es fröhlich konstruktiv zu, in privater Runde; dazu Christian, der Polizeifotograf, der ein Auge auf Louisa geworfen hat. Aber auch andere Typen haben es mir angetan: Dr. Mortens, Rechtsmediziner, man könnte ihn auch Dr. Allwissend nennen. Manche mögen ihn auch als Klugscheißer bezeichnen, der immer ein neues Thema findet, um sein Gegenüber zuzutexten.

Meine Bücher sind Familienromane mit Leichen

Da wird das Miteinander im Team, das im Miteinander einer Familie, ermittelt. Bei letzterer geht es weniger harmonisch zu. Hier kracht es im Gebälk und so möchte ich meine Romane eher als Familienromane mit Leichen bezeichnen. So mischt sich hier ganz viel Fiktion, getriggert von real existierenden Personen, die mir im Laufe meines Lebens begegnet sind. Das können sein: Chefs, Kolleg*innen, Nachbarn, Politiker, u.ä. Diese Personen haben genervt oder waren besonders lieb. Der gewählte Charakter wird überzogen und schon findet sich die ein oder andere Figur irgendwo in meiner Story wieder – aber bei Gott nicht alle. Es reichen ein/zwei Nervensägen, die den Plot weiterbringen. Es gibt Figuren – die Ermittler – die in jedem meiner Cosycrimes auftreten, die sich wieder mit einer Leiche konfrontiert sehen und deren Todesursache herausfinden müssen.

Meist bleibt bei mir der Tatort sauber – keine Sauerei, aber nicht immer

Normalerweise vergiftete ich voller Leidenschaft mein Opfer, keine Blutlachen oder Blutspritzer an der Wand. Der Tatort bleibt sauber, keine Sauerei (die Hausfrau freut’s). Das Gift wird heimlich zugeführt, dem Opfer geht es schlecht. Es zieht sich zurück – und schon hat sich die Leiche auch noch selbst entsorgt. Sehr praktisch!

In „Tödliche Nachfolge“ wird geschossen – es geht um ein Erbe

Doch dieses Mal, in meinem neuesten Roman „Tödliche Nachfolge“ wird geschossen und das im Vorfeld heiß debattierte Thema „Wer übernimmt das Familienunternehmen in der nächsten Generation?“, ist damit ausdiskutiert. Die fiktive Firma existiert schon lange in Wuppertal, damit ist der Ort der Handlung vorgegeben und enthält Lokalkolorit. So konnte man in einem Zeitungsartikel über meinen Roman „Tod in der Tuchagentur“ lesen: „… eine wichtige Nebenrolle hat Wuppertal“. Da erscheint im Hintergrund die Schwebebahn und das üppige Grün, in das die bergische Stadt eingebettet liegt.

Ein Herzinfarkt und eine alte Pistole töten jede familiäre Harmonie

Der aktuelle Roman „Tödliche Nachfolge“ Sibyl Quinke beginnt für die Protagonisten in einem denkbar ungünstigen Moment: Der Firmeninhaber einer GmbH erleidet gerade einen Herzinfarkt. Der Streit zwischen den Geschwistern Antonia und Sebastian eskaliert: Wer soll die Firmenleitung übernehmen? Antonias Liebhaber Max sieht sich bereits als Mitglied der Geschäftsführung. Allerdings hat seine Ex-Freundin Roberta die Hoffnung auf ihre Beziehung zu Max noch nicht aufgegeben. Im Sportschützenverein probiert die gesamte Clique eine alte Pistole aus, die Sebastian gehört. Nach dem harmonischen Ausklingen des Abends liegt Antonia am nächsten Morgen erschossen im elterlichen Garten.

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