
Tróia ist eine Meeresdüne in Portugal, benannt nach Seefahrern
Es geschah am allerersten Tag nach dem allerersten Lockdown der allerersten Pandemie meines Lebens, als mein Mann und ich zu einer Recherchetour mit Interview nach Tróia aufbrachen. Nicht in das griechische, sondern zum portugiesischen Tróia. Eine Meeresdüne, benannt nach griechischen Seefahrern, die dort im Mündungsgebiet des Sado Flusses südlich von Lissabon vor über 2000 Jahren Salz geschürft und exportiert haben. Aber das nur nebenbei bemerkt. Lassen wir das Salz im Ozean.
Ich wollte eine Reportage schreiben, aber es kam anders
Tróia umarmt die Bucht, in die der Sado in den Atlantik fließt. Das Flussdelta ist satt mit Schlick gefüllt, ein Paradies für Aalgesellen, Wasservögel, Austern, Krustentiere, Cephalopoden, Fische, Muscheln. Damit beschert der Meerbusen einer kleinen Gemeinde Fischer von jeher eine nachhaltige Lebensgrundlage – und heute immer noch. Darüber wollte ich eine Reportage schreiben. Doch dann kam alles anders.
Die Seemänner verrieten mir Kochrezepte rund um Krake & Co.
Die Fischer am Stelzenpier „Cais Palafítico de Carrasqueira“ empfingen mich, meine Fragen, und den Fotoapparat, aufgeschlossen freundlich, wenngleich mit Hygieneabstand. Wir waren schließlich die ersten „Fremden“ seit über 100 Tagen, die sich in ihrem Labyrinth an Stegen und Stecken in den Schlick gespießt, verirrten, und sich für sie und ihre Arbeit interessierten. Rasch wurden die Seemänner bei quirligem Austausch über Kochrezepte zu Krake und Co., und ich, warm miteinander, und so erfuhr ich vom „Land ohne Grund“:
Das Erdbeben in Portugal war stark, Hundertausende verloren ihr Heim
Am 1. November 1755 hat in Portugal die Erde gebebt. Lissabon, und der gesamte Süden zitterte und wankte, bis die Erde barst, und hunderttausende Menschen ihr zu Hause verloren haben. Das Beben war so stark, dass das bis dato Devote dem Klerus gegenüber gleich mit erzitterte und durch den Spalt der Skepsis im Himmelreich das Licht der Aufklärung fiel.
„Ora bem“ – jetzt pass auf, wie man sagt, wenn es spannend wird
Der damals amtierende Premierminister baute die Unterstadt in Lissabon gemeinsam mit seinem König wieder auf. Und das Land rund um Tróia an der Mündung des Sado wurde Fischern geschenkt. Sie sollten die Gegend besiedeln und das Land urbar machen, Reisfelder anlegen, Salinen bewirtschaften, und zum Fischen gehen. Ihr Lohn, laut königlichem Dekret, war ein Stück Grund und Boden. „Ora bem“ – jetzt pass auf, wie man in Portugal sagt, wenn es spannend wird.
Die Fischer durften in den Hütten wohnen, aber sie gehörten ihnen nicht
Als 1929 die Diktatur in Portugal ausgerufen worden ist, erlaubte die totalitär abgeänderte Verfassung Großgrundbesitzern, Kleinbauern zu enteignen und deren Parzellen in ihren Besitz einzugliedern. Die Fischer durften zwar in ihren Hütten wohnen bleiben, aber ihr eigener Boden gehörte ihnen nicht mehr.

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