Lucy Foley: Neuschnee. Bestseller-Check | BUCHSZENE

Sie sind neun Freunde. Sie treffen sich zu einem Urlaub im Schnee der Highlands. Nach einigen Tagen ist einer von ihnen tot. Wer war es? Lucy Foleys „Neuschnee“ spielt mit einem klassischen Krimiplot.

Der Thriller „Neuschnee“ spielt in einem verschneiten Lodge in den Highlands

27. Februar 2020 | Stephanie Pointner

Lucy Foley

Neuschnee

ISBN 978-3-3281-0492-6

431 Seiten | € 15,00

Penguin Verlag

Romantik (2/5)

Komik (1/5)

Weisheit (2/5)

Gänsehaut (3/5)

Unterhaltung (3/5)

Titelbild Neuschnee

©Chanonry shutterstock-ID 1515791597

Eine eingeschneite Berghütte fernab jeder Zivilisation

In Lucy Foleys Kriminalroman „Neuschnee“ verbringt eine Gruppe ehemaliger Studienkollegen samt ihren Partnern einige Tage in einer abgelegenen Hütte in den Highlands. Höhepunkt des Ausflugs soll die gemeinsame Silvesterfeier werden. Die neun Freunde erkunden die atemberaubende Landschaft, gehen auf die Jagd und schwelgen in alten Zeiten. Neben ihnen sind auch noch der Wildhüter sowie die Managerin des Lodges vor Ort. Beide scheinen vor ihrer Vergangenheit zu fliehen. Des Weiteren verbringt auch ein isländisches Pärchen die Tage rund um den Jahreswechsel in der Hütte. Was zum Zeitpunkt der Anreise niemand ahnt: ein Schneesturm am Silvesterabend schneidet die Hütte von jeder Zivilisation ab.

Die Silvesterfeier unter einstigen Studienkollegen endet tödlich

Die gemeinsame Studienzeit der neun Freunde liegt bereits einige Jahre zurück und sie müssen schnell feststellen, dass sie sich aufgrund beruflicher und privater Entwicklungen auseinandergelebt haben. Dennoch nimmt ausnahmslos jedes Mitglied der Gruppe sofort wieder jene Rolle ein, die es zur Studienzeit hatte. Anfangs fühlen sich die Gruppenmitglieder in ihren Rollen wohl und haben viel Spaß miteinander, doch mit zunehmender Zeit kippt die gute Stimmung und es treten erste Gehässigkeiten auf. Immer mehr Geheimnisse drängen an die Oberfläche, die Atmosphäre wird feindselig. Zu guter Letzt stirbt eines der Gruppenmitglieder.

In „Neuschnee“ setzt Lucy Foley eine bekannte Idee neu um

„Neuschnee“ greift ein altbekanntes und bereits häufig umgesetztes Setting auf: Eine Gruppe von Freunden wird gemeinsam mit ein paar weiteren Menschen eingeschneit und ist daher abgeschnitten von jeglicher Zivilisation. Dann geschieht ein Mord und der Täter muss sich unter den Gruppenmitgliedern finden. Trotz dieses bekannten Plots gelingt es Lucy Foley, die Handlung auf eine völlig neue Art umzusetzen. So ist zwar schnell die Rede vom Mordopfer, aber den Großteil der Geschichte bleibt die Identität für den Leser dennoch unklar. Somit beginnt man als Leser nicht nur darüber zu rätseln, wer der Täter und was sein Motiv sein könnte, sondern auch darüber, wer getötet wurde.

Viele Perspektivwechsel offenbaren mögliche Motive

In Lucy Foleys Thriller wechseln sich die Perspektiven dreier weiblicher Gäste der Lodge sowie des Wildhüters und der Managerin ab. Diese zahlreichen Perspektivwechsel und Rückblicke in die Vergangenheit offenbaren nach und nach die Geheimnisse der einzelnen Charaktere und legen etliche mögliche Motive und Täter offen. Ich irrte mich beinahe über die gesamte Story hinweg über die Figur des Täters und seiner Motive; und auch die Identität des Mordopfers war mir lange Zeit komplett schleierhaft. Leider haben diese Wechsel auch zur Folge, dass sich die Handlung etwas in die Länge zieht und gerade bei den Rückblicken in die Studienzeit der Freunde die Spannung komplett absackt. Besonders gelungen hingegen finde ich, dass die Perspektiven der weiblichen Charaktere in der Ich-Form und jene des Wildhüters in der dritten Person erzählt werden. Lucy Foley schafft dadurch eine besondere Verbindung des Lesers mit den weiblichen Protagonisten und eine deutliche Abgrenzung zum Wildhüter.

Die Spannung lebt vor allem von den angedeuteten Geheimnissen

Der Thriller ist unblutig und die Spannung lebt einzig von den angedeuteten Geheimnissen der einzelnen Protagonisten. Obwohl die Kapitel aus der Perspektive einzelner Charaktere erzählt werden, bleiben diese dennoch blass, oberflächlich und ohne Tiefgang. Ich fand daher niemanden sympathisch oder interessant und konnte auch mit keinem einzigen Protagonisten mitfiebern. Dies ist sehr schade, da es vielversprechende Ansätze gibt, welche allerdings schnell heruntergebrochen und abgewürgt wurden.

Pubertäre Streitigkeiten und ein passives isländisches Pärchen

Ein Beispiel hierfür sind die Kriegserlebnisse des Wildhüters. Erst deutet Lucy Foley immer wieder seine traumatische Vergangenheit an, dann wird diese binnen eines Kapitels erzählt und findet von da an kaum noch Erwähnung in der restlichen Handlung. Zudem werden andere Charaktere, wie Bo oder das isländische Pärchen, hin und wieder erwähnt, tragen aber nichts zur Handlung bei, weshalb sie meiner Meinung nach überflüssig sind. Aber auch die pubertären Streitereien einzelner Gruppenmitglieder lassen die Handlung stellenweise zäh erscheinen. Zudem kommt mir die Gruppendynamik nach dem Auffinden der Leiche etwas zu kurz. Obwohl sofort klar ist, dass der Täter in der Lodge sein muss, entstehen weder Angst noch Misstrauen unter den Gästen.

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