Die Chroniken von Rotkäppchen | BUCHSZENE.DE

Ein Mädchen flieht vor einer Pandemie in den Wald. Doch dort ist es gefährlich. Frau Bluhm liest Christina Henrys „Die Chroniken von Rotkäppchen“.

Christina Henrys „Die Chroniken von Rotkäppchen“ spielt mit Märchen-Motiven

17. Juni 2022 | Frau Bluhm

Titelbild Die Chroniken von Rotkäppchen


Frau Bluhm liest „Die Chroniken von Rotkäppchen“: 4 von 5 Blu(h)men

 


Eine Krankheit erobert die Welt, ein Mädchen flieht in den Wald

Nur drei Monate ist es her, dass die KRISE über das Land kam: ein Husten, der hochansteckend und, mit nahezu 100 Prozent Letalität, absolut gefährlich ist. Ganz Nordamerika befindet sich im Ausnahmezustand. Es wird gehamstert, geplündert und geflüchtet. So auch Cordelia, von allen nur Red genannt, die sich ganz allein durch die Wälder kämpft, um das Haus ihrer letzten, lebenden Verwandten zu erreichen: ihrer Großmutter.

„Die Chroniken von Rotkäppchen“ spielt mit dem Märchen-Motiv

Angelockt vom wunderschönen Cover des Buches, ist mir bei der Lektüre des Klappentextes sofort klar, dass Christina Henry in „Die Chroniken von Rotkäppchen“ die Grundidee des bekannten Märchens genommen, und sie in eine moderne und aufregende Fassung gebracht hat. Die Grundelemente der Geschichte stimmen mit der klassischen Vorlage überein: Mädchen mit roter Kapuze allein im Wald, Großmutter und Gefahr. Doch Red ist allein im Wald unterwegs, um gleichermaßen Krankheit wie menschlichen Wölfen zu entkommen, und das in einer Endzeitstimmung, deren bedrückende Atmosphäre auf jeder Seite des Romans spürbar ist.

Gefährliche Sehnsüchte, Männer in Uniform und Geheimakten

Die Bedrohung in „Die Chroniken von Rotkäppchen“ geht von den Menschen aus: von ihren gefährlichen Sehnsüchten, niederen Beweggründen und bösen Hintergedanken. Am schlimmsten jedoch sind die Männer in Uniform, mit ihren Befehlen und Geheimakten, die auf Reds Spur sind. Sie möchte niemanden töten, aber wer allein in den Wald geht, muss sich verteidigen können.

Ein raffiniert aufgebautes Endzeitdrama, durch Rückblenden erzählt

Christina Henry gelingt es, das Grundthema „Rotkäppchen“ in ein fesselndes, geheimnisvolles und nervenaufreibendes dystopisches Endzeitdrama zu verwandeln. Red als Charakter ist sympathisch und jederzeit authentisch, die Geschichte rund und gut aufgebaut. Mir gefällt es, dass die Erzählung, wie es zu dieser Situation gekommen ist, portionsweise durch Rückblenden erzählt wird.

Das Ende kommt mir etwas zu abrupt – Fortsetzung würde mir aber gefallen

Einen kleinen Minuspunkt finde ich allerdings doch: Das Ende dieser wirklich spannenden Reise durch den Wald kommt sehr abrupt und lässt mich mit vielen offenen Fragen zurück. Für ein für sich alleinstehendes Buch wäre das für mich ein No-Go. Ich würde mich allerdings sehr freuen, wenn „Die Chroniken von Rotkäppchen“ als Duologie angelegt wären. In jedem Fall hätte Christina Henry dann schon eine begeisterte Leserin für die Fortsetzung am Start.

 

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Frau Bluhm

Geboren 1984 in Aschaffenburg als Katharina Bluhm, studierte Frau Bluhm Psychologie und wurde nach dem Studium Erzieherin. Als BUCHSZENE.DE-Kolumnistin entdeckt wurde sie wegen ihrer so sympathischen wie zutreffenden Rezensionen auf Lovelybooks.


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