Frau Bluhm liest Molly Blooms "Molly's Game" | BUCHSZENE

Frau Bluhm liest Molly Blooms Buch „Molly’s Game“, dessen Verfilmung für die Oscars nominiert ist

Mollys Game - Molly Bloom

Shutterstock © Rafal Olkis Bild-ID: 26034325

28. Februar 2018 | Frau Bluhm


Klar, dass Frau Bluhm Molly Blooms Namen gut findet. Aber was hält sie von ihrem Skandalbuch „Molly‘s Game“ (Oscar-Nominierung!) über die illegalen Pokerrunden der Stars von Hollywood? Hier erfahren Sie es.


Frau Bluhm liest „Molly’s Game“: 5 von 5 Blu(h)men

5 Blumen Frau Bluhm liest


Freut ihr euch auch riesig auf die Oscarnacht?

Noch viermal schlafen, dann ist es soweit: Die Academy of Motion Pictures and Arts präsentiert zum 90. Mal die Oscarverleihung! Ganz ehrlich: Die Vergabe des wichtigsten Filmpreises der Welt freut mich mehr, als wenn Weihnachten und Ostern zusammenfallen würden. Filme liebe ich nämlich fast noch mehr als Bücher! Perfekt wird es für die Bibliophilen unter uns natürlich dann, wenn aus großartigen Büchern großartige Filme entstehen. Daher ist die Kategorie „Adapted Screenplay“ am Sonntag natürlich von größter Wichtigkeit. Ich habe mir mal eines der nominierten Bücher genauer angesehen: Molly Blooms „Molly’s Game“.

Vielleicht kennt kein Mensch Molly Bloom, aber sie kennt sie alle

Es war im Jahr 2015, als Molly Bloom ihre Memoiren niederschrieb und dadurch nicht nur einen Skandal entfachte. Ihr habt ihren Namen noch nie gehört? Auch mir war die Frau bis dato unbekannt, aber SIE kennt so gut wie jeden, der in Amerika einen Namen, einen Rang und vor allem Geld hat, denn sie bestritt ihren Lebensunterhalt damit, es ihnen aus der Tasche zu ziehen.

Leonardo DiCaprio, Ben Affleck – alle waren bei ihr zu Gast

Molly Bloom organisierte jahrelang die größten privaten Pokerrunden in Los Angeles, Las Vegas und New York. Von Leonardo DiCaprio bis Ben Affleck oder Tobey Maguire (der in ihrem Buch übrigens eine ganz besondere Rolle spielt), alle saßen sie schon an ihrem Tisch und verzockten ihr Geld. Sie wurde immer vermögender. Was ihr Geheimnis war? Ein gutes Pokerface? Den Straight Flush zur richtigen Zeit? Nein … weit gefehlt: „Nicht mitspielen“, so lautete die Devise der ehemaligen Skifahrerin aus Colorado. Sie selbst war nur für die Organisation zuständig. Gespielt und verloren haben die anderen.

Sie kam mit nichts nach Los Angeles und verließ es im Privatjet

Wenn man ihren Erfahrungsbericht liest, könnte einem fast schwindelig werden: Die Summen, die da über den Pokertisch geschoben wurden, sind wirklich unglaublich. Molly Bloom beschreibt genau wie es war, als Niemand nach Los Angeles zu kommen, und sie mit dem eigenen Privatjet wieder zu verlassen. Sie geht schonungslos mit sich selbst ins Gericht, erzählt, wie ihr die eigene Geldgier irgendwann zum Verhängnis wurde und wie sich ihre Persönlichkeit im selben Maße veränderte, in dem ihr Bankkonto anstieg.

Molly Bloom entführt in eine unglaubliche, ziemlich durchgeknallte Glitzerwelt

Beim Lesen merkt man, wie die einst sympathische junge Frau die Bodenhaftung verliert und den einzigen wirklichen Fehler eines jeden Spielers dann schließlich selbst begeht: Nicht zu wissen, wann man vom Tisch aufstehen muss. Molly Bloom entführt uns in eine Welt, die jenseits der Vorstellungskraft des Otto Normalverbrauchers liegt. Und weil Molly Bloom uns auch ziemlich erschreckende Einblicke in die Schattenseiten ihres Lebens gewährt, kann der eine oder die andere vielleicht auch die wohltuend beruhigende Eintönigkeit seines oder ihres eigenen Angestelltendaseins mehr schätzen. Zumindest ging es mir so.

Es ist gefährlich, sich mit mächtigen Männern einzulassen

„Molly’s Game“ beginnt und endet mit einem Absturz: Molly Bloom musste sich nämlich, obwohl ihr Handeln jederzeit legal war, doch der Tatsache beugen, dass es Konsequenzen nach sich zieht, wenn man sich mit mächtigen Männern einlässt. Mittlerweile hat sie ihre Verurteilung weggesteckt und ist dank ihrem Bestseller wieder obenauf. Und auch wenn Molly Bloom sich immer ihrer Rolle als unabhängige Frau in einer Männerdomäne hart erkämpfen musste, ist es jetzt tatsächlich ein Mann, der ihr und ihrer Geschichte die große Plattform gibt.

Oscar-Preisträger Aaron Sorkin verfasste das Drehbuch und dreht den Film

Ab achten März kommt das von Oscar-Preisträger Aaron Sorkin geschriebene und verfilmte Buch „Molly’s Game“ in die Kinos. Aaron Sorkin feierte seinen größten Erfolg mit dem Drehbuch zu „Social Network“, eine Geschichte über das Leben Mark Zuckerbergs; und auch sein Drehbuch zu „Steve Jobs“ war grandios. Nun also „Molly’s Game“. In der Hauptrolle die unglaubliche Jessica Chastain, deren Mitarbeit alleine schon ein Grund für den Kinogang wäre, aber da ist ja noch Idris Elba in der Rolle als Molly’s Anwalt. Aaron Sorkin ist so überzeugt von der Geschichte, dass er mit diesem Film sogar sein Regiedebüt gibt.

„Molly’s Game“ ist bei den Oscars nominiert für das beste Drehbuch

Eine Nominierung gab es allerdings leider „nur“ für das Drehbuch. Und es muss sich auch noch gegen hochkarätige Konkurrenten beweisen. Doch wer weiß? Vielleicht gewinn die starke Molly Bloom ja doch? Am kommenden Sonntag werden wir es wissen. Meine Sympathie hat sie in jedem Fall.

Katharina Bluhm
Frau Bluhm

Geboren 1984 in Aschaffenburg als Katharina Bluhm, studierte Frau Bluhm Psychologie und wurde nach dem Studium Erzieherin. Als BUCHSZENE.DE-Kolumnistin entdeckt wurde sie wegen ihrer so sympathischen wie zutreffenden Rezensionen auf…
Zur Biografie von Frau Bluhm

Katharina Bluhm
Frau Bluhm

Geboren 1984 in Aschaffenburg als Katharina Bluhm, studierte Frau Bluhm Psychologie und wurde nach dem Studium Erzieherin. Als BUCHSZENE.DE-Kolumnistin entdeckt wurde sie wegen ihrer so sympathischen wie zutreffenden Rezensionen auf…
Zur Biografie von Frau Bluhm

Mehr zur Rubrik
Für seinen Thriller „Helix“ hat Marc Elsberg intensiv über Gentechnik und Killerviren recherchiert
Titelbild Helix

Frau Bluhm liest Slider posts Thriller | 17. Juli 2019 | Frau Bluhm

Ein US-Außenminister, der von einem Killervirus niedergestreckt wird. Ein Ehepaar, das sich Kinder wünscht. Und Ziegen, die an ein Wunder grenzen. Frau Bluhm liest Marc Elsbergs „Helix“ und übt Kritik.

Thomas Harris‘ „Cari Mora” erzählt von einem Killer-Monster namens „das Reptil“
Titelbild Cari Mora

Frau Bluhm liest | 3. Juli 2019 | Frau Bluhm

Er ist ein Killer, er liebt die Schreie der Frauen. Er ist haarlos und wie ein Reptil liebt er die Wärme. Doch eines Tages gerät er an die Falsche. Frau Bluhm liest Thomas Harris‘ Thriller „Cari Mora“.

Andreas Winkelmanns Thriller „Die Lieferung“ spielt mit einem unheimlichen Geister-Mythos
Die Lieferung

Bücher gewinnen Frau Bluhm liest Gewinnspiel-Highlights | 28. Juni 2019 | Frau Bluhm

Eine Jägerin im Wald. Eine geisterhafte Erscheinung. Und ein Pizzakarton in der Küche. In Andreas Winkelmanns Thriller „Die Lieferung“ hetzt ein Täter Frauen. Frau Bluhm ist von dem Roman begeistert.

Simon Becketts „Die ewigen Toten” ist der sechste Band der Serie um den Anthropologen David Hunter
Titelbild Die ewigen Toten

Frau Bluhm liest | 19. Juni 2019 | Frau Bluhm

Ein Krankenhaus soll abgerissen werden. Doch dann finden sich überall in der modrigen Ruine eingemauerte Leichen. In „Die ewigen Toten“ schickt Simon Beckett seinen Helden David Hunter durch die Hölle.