Was, wenn der Vater ein dunkles Geheimnis hinterlässt? Susanne Abels Roman „Was ich nie gesagt habe – Gretchens Schicksalsfamilie“ im Bestseller-Check.

Mit „Was ich nie gesagt habe – Gretchens Schicksalsfamilie“ setzt Susanne Abel ihre Serie fort

25. Juli 2022 | Stephanie Pointner

Titelbild Was ich nie gesagt habe

Nachrichtensprecher Tom bekommt unerwartet Familienzuwachs

Das Leben des Nachrichtensprechers Tom Monderath hat sich durch die Beziehung zu Jenny von Grund auf geändert, da diese ein Kleinkind mit in die Beziehung brachte. Tom ist wie ein Vater für den kleinen Jungen und er kümmert sich aufopferungsvoll um diesen sowie um die an Alzheimer erkrankte Mutter Gretchen. Eines Tages meldet sich plötzlich der Niederländer Henk bei ihm. Er ist Toms Halbbruder väterlicherseits. Tom ist nicht sonderlich erfreut über diesen Familienzuwachs, da er schon einige Zeit vor dessen Tod mit seinem Vater Konrad gebrochen hat. Dennoch trifft er sich mit Henk und muss schnell feststellen, dass sich die beiden nicht nur optisch sehr ähnlich sind, sondern sich auch gut verstehen.

Hat der Arzt seine Stellung als Gynäkologe missbraucht?

Henk will mehr über seinen Vater und dessen Leben erfahren, doch Tom weiß nur relativ wenig darüber. Gretchen können sie aufgrund ihrer Erkrankung und Vergesslichkeit nicht fragen. Doch in ihrem Keller finden sich noch einige Akten aus Konrads Gynäkologen-Praxis. Beim Durchsehen dieser Akten stellen die Halbbrüder fest, dass Konrad und sein Praxispartner Samenspenden und künstliche Befruchtungen durchgeführt haben. Schnell kommt ein schlimmer Verdacht auf: Hat Konrad womöglich seinen eigenen Samen für diese Befruchtungen genutzt oder hat Konrads damaliger Praxispartner etwas ethisch Fragwürdiges verbrochen? Bei seinen Recherchen stößt Tom auf ein weitreichendes Geheimnis dieses Praxispartners, durch welches Tom den Respekt vor dem früheren Freund der Familie verliert und erkennt, dass manche Geheimnisse bis tief in die heutige Zeit hineinwirken.

Susanne Abel versetzt uns auch in die Zeit des Nationalsozialismus

Neben diesem Erzählstrang wechseln sich Kapitel rund um Konrads Leben ab. Als er ein kleiner Junge war, kam Hitler an die Macht. Der Vater und Bruder wurden eingezogen und getötet. Die behinderte Schwester wurde euthanasiert, die Mutter und Großeltern starben bei einem Bombenangriff. Auf sich allein gestellt und schwer traumatisiert, entschloss sich der Jugendliche für Hitler zu kämpfen und geriet in Kriegsgefangenschaft. Später konnte er trotz der schlimmen Erlebnisse wieder Fuß im Leben fassen, er studierte und eröffnete gemeinsam mit einem anderen Arzt, der wie ein Vater für ihn war, eine Praxis. Und dann gab es da noch Gretchen, in die er sich Hals über Kopf verliebte, auch wenn Gretchen seit dem Verlust ihrer Tochter an schweren Depressionen litt. Konrad versuchte alles Mögliche um Gretchen abzulenken, aber schnell wurde ihm klar, dass dies nur durch ein gemeinsames Kind gelingen würde. Doch Gretchen wurde und wurde einfach nicht schwanger. Letztendlich entschieden sie sich für einen weitreichenden Schritt …

Gänsehautmomente, historische Fakten und jede Menge Humor

Stay away from Gretchen – Eine unmögliche Liebe“ war mein Lesehighlight des letzten Jahres und daher war ich richtig gespannt, ob Susanne Abel es gelingen würde, nochmals einen so emotionalen und ergreifenden Roman zu verfassen. Auch in „Was ich nie gesagt habe – Gretchens Schicksalsfamilie“ verbindet die Autorin Gänsehautmomente, historische Fakten und jede Menge Humor mit liebenswürdigen und authentischen Protagonist*innen. Der Roman bietet großes Kopfkino, ergreifende Emotionen und das ganz ohne Kitsch. Nichts desto trotz kamen mir persönlich die Darstellung Gretchens in der heutigen Zeit sowie das Voranschreiten ihrer Erkrankung etwas zu kurz. Zudem hätte ich mir auch gewünscht, dass die im ersten Roman wiedergefundene Tochter Marie etwas mehr Platz in der neuen Geschichte bekommt. Erneut kann mich hingegen der respektvolle Umgang mit den vielen historischen Themen begeistern und auch möchte ich festhalten, dass dies ein Roman ist, der noch lange zum Nachdenken regt. Susanne Abels „Was ich nie gesagt habe – Gretchens Schicksalsfrage“ ist ein Lesehighlight, das wichtige Themen beinhaltet, die auf keinen Fall in Vergessenheit geraten dürfen; aber dies ist mit so viel Humor und einer derart ergreifenden Geschichte erzählt, dass man dennoch eine leichte Lektüre erhält, die man gerne und schnell liest.

Schockierende Einblicke in die Verbrechen der Nationalsozialisten

Besonders gelungen fand ich einmal mehr Susanne Abels schockierende Einblicke in die Zeit des Nationalsozialismus. Hier werden einem die Brutalität und Verluste der damaligen Zeit erschreckend vor Augen geführt. Gut gefällt mir zudem, dass die Autorin nicht nur bereits bekannte Themen, wie die Judenverfolgung, in die Handlung einbindet, sondern auch Dinge, die im Geschichtsunterricht in den Hintergrund rücken. So beispielsweise die  Euthanasie an Menschen mit Behinderung, Entbehrungen während der Kriegsgefangenschaft sowie die äußerst brutalen und unmenschlichen Versuche der Nationalsozialisten das „Menschengeschlecht“ zu verbessern. Aber auch das Leben und Aufwachsen im Nationalsozialismus und die vielen Entbehrungen und traumatisierenden Erlebnisse werden anschaulich in die Erzählung eingebunden. Hier nutzt Susanne Abel die Sprache der damaligen Zeit, welche aus heutiger Sicht oftmals politisch inkorrekt ist, aber dafür umso deutlicher macht, wie die Kinder und Jugendlichen vom System für ihre Zwecke missbraucht, geformt und irregeleitet wurden. Diese Beschreibungen sind unfassbar authentisch und haben mir den einen oder anderen Schauer über den Rücken gejagt.

 

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