Jo Nesbø: Messer. Harry Hole Band 12. Kritik | BUCHSZENE

Seine Frau setzt ihn vor die Tür. Dann ist sie plötzlich tot – ermordet. Und Harry Hole findet am Ende einer durchzechten Nacht Blut an seinen Kleidern. Wie gut ist Jo Nesbøs Thriller „Messer“?

In seinem Thriller „Messer“ schickt Jo Nesbø Kripo-Mann Harry Hole durch die Hölle

20. September 2019 | Stephanie Pointner

Messer

Jo Nesbø

Messer

ISBN 978-3-5500-8173-6

576 Seiten | € 24,00

Ullstein

Romantik (1/5)

Komik (1/5)

Weisheit (3/5)

Gänsehaut (5/5)

Unterhaltung (4/5)

Titelbild Messer

©Africa Studio shutterstock-ID: 1022279191

In seinem 12. Fall entgleitet Harry Hole die Kontrolle über sein Leben

Seine Frau Rakel hat ihn vor die Tür gesetzt. Seither sucht Jo Nesbøs Kultermittler Harry Hole wieder häufiger Zuflucht im Alkohol. Dabei gerät sein Leben mehr und mehr aus den Fugen: Er wird vom Dienst bei der Kriminalpolizei suspendiert und vertrinkt sein gesamtes Geld. So auch an jenem Abend, der sein Leben verändern wird und von dem „Messer“ erzählt. Am Folgetag wacht Harry auf und kann sich an nichts erinnern. Zudem ist seine Kleidung blutverschmiert.

Dann wird auch noch Harry Holes geliebte Frau Rakel ermordet

Kurze Zeit später erreicht Harry die Nachricht, dass seine Frau Rakel einem Mord zum Opfer gefallen ist. Die Liebe seines Lebens wurde brutal erstochen. Für Harry ist schnell klar, dass Svein Finne hinter der Tat steckt. Er hat den Serienvergewaltiger einst ins Gefängnis gebracht. Seit kurzem aber ist Svein Finne wieder frei – und er hat Rache geschworen. Je mehr Harry herausfindet, umso stärker erhärtet sich zunächst der Verdacht, dass er auf der richtigen Spur ist. Mit beinahe schon fanatischem Einsatz jagt er Svein Finne.

Ist der Serienkiller Svein Finne doch nicht schuld an Rakels Tod?

Doch ab einem gewissen Punkt der Ermittlungen, schlägt Harrys Sicherheit plötzlich um: Ist Svein Finne doch nicht der richtige? Mit einem Mal verdächtigt Harry immer andere Menschen des Mordes an Rakel. Eines Tages aber lässt sich eines nicht mehr vermeiden: Dass sich Harry der Frage stellt, was an jenem tragischen Abend wirklich passiert ist und wieso seine Kleidung voller Blut war. Steckt er am Ende selbst hinter dem Mord an Rakel?

Eines schmerzt mich an Jo Nesbøs neuem Harry-Hole-Thriller „Messer“

Ich bin einer der größten Harry-Hole-Fans und fiebere seinen Fällen weit im Voraus entgegen. Aber in seinem aktuellen Fall „Messer“ konnte mich der sonst so charismatische Ermittler, der gerne zur Flasche greift und alles frei von der Leber sagt, nicht wirklich überzeugen. Harry Hole ertrinkt im Alkohol, wird von Selbstmitleid zerfressen, lässt sich gehen und zudem noch sein Leben Revue passieren. Seine unkonventionellen Ermittlungsmethoden, die sonst in den Harry-Hole-Thrillern immer ein besonderes Highlight ausmachen, sorgen in „Messer“ dafür, dass Harry immer öfter auch das Leben Unschuldiger riskiert, nur um seinem Durst nach Rache zu genügen.

Warum versinkt Harry so tief in Selbstmitleid – muss das sein?

Zudem hat mich Harrys Umgang mit dem Verlust seiner Frau etwas zwiegespalten: Einerseits trauert er sehr um Rakel. Aber es hat mich etwas gestört, dass er sich nicht nur mit Alkohol, sondern auch mit mehreren Frauen davon abzulenken versucht. Am allermeisten hat mich jedoch, dass der sonst so unnachgiebige und starke Harry Hole so stark in Selbstmitleid versinkt, dass er tatsächlich über einen Suizid nachdenkt. Ich hoffe wirklich, dass der verschrobene und vom Charakter her sehr eigene Harry Hole in den kommenden Bänden wieder zu seiner alten Stärke zurückfindet.

Jo Nesbø lockt uns auf die falsche Spur, um uns dann gewaltig zu überraschen

Der mittlerweile zwölfte Fall ist der wohl persönlichste und dramatischste für Harry Hole. Jo Nesbøs Thriller ist an nervenzerreißender Spannung, intelligenten Konstruktionen und überraschenden Wendungen nicht zu übertreffen. Er schafft es, wie kaum ein anderer Autor dieses Genres, den Leser von einer falschen Spur auf die nächste zu locken und am Ende eine komplett unerwartete, aber logische Auflösung zu präsentieren. Die melancholische Stimmung, die bildgewaltigen Beschreibungen und die unglaublich gut durchdachten und authentischen Protagonisten machen auch aus diesem Pageturner wieder ein absolutes Lesehighlight, das einem schlaflose Nächte beschert.

Trotz der genannten Irritationen empfehle ich die Harry-Hole-Reihe

Für das Verständnis ist es nicht erforderlich die anderen Bände rund um Harry Hole zu kennen, aber da dies die genialste Buchreihe überhaupt ist und ich keinen vergleichbaren Autor kenne, empfehle ich sie jedem Fan von Thrillern mit nervenzerreißender Spannung. Aber Achtung, die Bände sind nichts für Leser mit schwachen Nerven! Die Thriller von Jo Nesbø überzeugen nicht nur durch die detaillierten Beschreibungen und die bildgewaltige Sprache, sondern auch durch die Emotionen, welche den Leser komplett ergreifen. Diese Reihe ist dramatisch, düster, atmosphärisch, emotional und bildgewaltig.

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