she_who_became_the_sun Shelley Parker-Chan

ISBN 978-3-98666-278-3

512 Seiten

€ 18

Die Neuerzählung der Legende vom Mädchen, das im China des 14. Jahrhunderts ein Junge sein wollte. Shelley Parker-Chans „She Who Became the Sun“ im Buchtipp.

Shelley Parker-Chans „She Who Became the Sun“ ist ein LGBTIQA-Roman über China

she who became the sun buchtipp

Shelley Parker-Chan versetzt uns ins China des 14. Jahrhunderts

China, Mitte des 14. Jahrhunderts. Die Bevölkerung leidet unter der Herrschaft der mongolischen Fremdbesatzung, hungert seit Monaten und ist Plünderungen und Naturkatastrophen hilflos ausgesetzt. Das Mädchen lebt mit ihrem Vater und Bruder in einem kleinen Dorf und kämpft jeden Tag ums Überleben. Zahlreiche Nachbarn und auch Familienangehörige hat der Hunger dahingerafft und es ist abzusehen, dass auch sie nicht mehr lange leben wird.

Das Mädchen entwickelt schon früh den Wunsch, ein Junge zu sein

Aus traditioneller Sicht ist ihr Leben als Mädchen oder Frau nichts wert, weshalb sie weder eine Schulbildung hatte, noch Hoffnung auf Verbesserung ihrer Lage. Ihrem Bruder, Zhu Chongba, jedoch wird eine bedeutende Zukunft vorhergesagt und das Mädchen entwickelte schon früh den Wunsch, ein Junge zu sein. Zu seiner Überraschung stirbt erst der Vater und anschließend ihr Bruder, was das Mädchen nicht glauben kann, da ein Mensch mit bedeutendem Schicksal doch gar nicht sterben kann. Sie bestattet ihren Bruder, legt ihre Identität als Mädchen ab und nennt sich von nun an Zhu Chongba.

Sie schließt sich einer Rebellegruppe an und bringt es zu Ruhm

Da in ihrem Dorf keine Hoffnung auf Leben besteht, wird sie Novize in einem buddhistischen Kloster und erhält eine Ausbildung. Anstatt zu sterben, nimmt sie auch die strengen und brutalen Mönche in Kauf und ist immer auf der Hut, ihren Körper versteckt zu halten. Einige Jahre später wird sie zum Mönch ernannt, doch bevor sie ihre Freiheit genießen kann, wird das Kloster niedergebrannt und Zhu Chongba befindet sich auf der Flucht vor mongolischen Kriegern. Wenig später schließt sie sich der Rebellengruppe „Rote Turbane“ gegen die mongolische Yuan-Dynastie an, um den neuen strahlenden Kaiser an die Macht zu bringen und bringt es dort zu Ansehen und Ruhm.

„She Who Became the Sun“ ist ein Roman über Macht, Frauen und Veränderung

Shelley Parker-Chen widmet sich in „She Who Became the Sun“ wichtigen Themen wie Macht, Frauen und Veränderung. Keineswegs ist dieses Buch eine historisch-akkurate Wiedergabe der Ereignisse in der Yuan- und Ming-Dynastie, aber das soll es auch gar nicht sein. Der Name des Mädchens wird nie genannt und bevor sie den Namen ihres Bruders, Zhu Chongba, annimmt, hatte sie keine eigenen Gedanken und wenig Redeanteil und ist nur ihren Tätigkeiten und Pflichten im Haushalt nachgegangen. Nach ihrer eigenen Namensgebung verändert sich ihre Identität zu einem frechen, klugen und selbstbewussten Novizen, obwohl ihr Bruder dies alles nicht war. Allein durch den Willen und Mut zu überleben, hat sich das Mädchen verändert und so einen neuen Menschen geschaffen und doch bleiben bis zum Ende des Buches die zwei Seiten ihrer Person erkennbar.

Parker-Chans Roman ist eine Lektüre für Fans chinesischer Fantasy

Spielt eine Szene aus der Sicht einer fremden Person, benutzt der neutrale Erzähler immer das Personalpronomen „er“ für Zhu Chongba. Bei Gedanken oder Handlungen mit vertrauten Charakteren, wird zum Beschreiben „sie“ verwendet. Shelley Parker-Chan hat eine zwiegespaltene Protagonistin geschaffen, die eine eigene nicht zuzuordnende Identität hat. Die Welt ist in ständigem Wechsel und kann durch einzelne Personen beeinflusst werden, ohne dass diese es wissen. „She Who Became the Sun“ ist eine Lektüre für alle, die sowohl chinesische Fantasy-Romane, als auch abwechslungsreiche Charaktere und spannende Handlungen mögen.

<a href="https://buchszene.de/redakteur/johanna-wimmer/" target="_self">Johanna Wimmer</a>

Johanna Wimmer

Geboren 2005 in Starnberg, interessiert sich Johanna Wimmer für Literatur und internationale Politik. 2020 veröffentlichte sie eine Kurzgeschichte in der Anthologie „Das wird man jawohl noch sagen dürfen“. In ihrem Literaturkanon müssten Brantenbergs „Die Töchter Egalias“ und Süßkinds „Der Kontrabaß“ zu finden sein.

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