Ich könnte mich so aufregen! Heute Morgen lese ich in der Zeitung, dass sich Forscher, Lehrer und Kinder einig darüber sind, dass auch Grundschüler spielerisch lernen können, wie man programmiert. Wollen die sich über uns lustig machen, oder was? Natürlich können das Grundschüler lernen – es sind ja schließlich unsere Kinder – und die sind nicht blöd. Die Frage ist doch vielmehr, ob es gut ist, wenn Kinder in der Grundschule das Programmieren lernen. Sollten sie nicht erst einmal Lesen, Schreiben, Konzentration und soziales Verhalten üben? Wer in deutsche Grundschulklassen – und auch höhere Jahrgangsstufen schaut – wird feststellen, dass da durchaus noch Luft nach oben ist.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen Programmieren. Ein Computer ist zweifellos eine Maschine mit phantastischen Möglichkeiten – ähnlich wie das Auto. Aber wer käme denn auf die Idee, Grundschülern das Autofahren beizubringen?
Diese Idee wirkt umso verrückter, wenn man sich die Ergebnisse der erst kürzlich veröffentlichten Vorlesestudie der Stiftung Lesen, der „Zeit“ und der Deutsche Bahn Stiftung ansieht. Diese Studie nennt mannigfaltige Gründe, Eltern noch mehr dazu zu motivieren, ihre Kinder fürs Buch zu begeistern. Die positiven Auswirkungen des Vorlesens gehen nämlich weit über das hinaus, was ein selbstverständlicher Umgang mit Buchstaben mit sich bringt. Dass Kinder, die gerne und viel lesen, weniger Rechtschreibfehler machen, sprachlich gewandter und tendenziell besser in der Schule sind, darauf würde man ja auch ohne wissenschaftliche Studie kommen.
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