Der SciFi-Fantasy-Tipp 2020: „Eines Menschen Flügel“ | BUCHSZENE.DE

Die Sterne sind auf immer hinter Wolken verschwunden. Doch es gibt einen, der dies nicht akzeptieren will – mit tödlichen Folgen … Frau Bluhm bespricht Andreas Eschbachs „Eines Menschen Flügel“.

Frau Bluhm feiert Andreas Eschbach für seinen Roman „Eines Menschen Flügel“ als Fantasy-Poeten

25. Dezember 2020 | Frau Bluhm

Titelbild Eines Menschen Flügel

©Sabphoto shutterstock-ID 387639436


Frau Bluhm liest „Eines Menschen Flügel“: 5 von 5 Blu(h)men

5 Blumen Frau Bluhm liest


Owen träumt davon, zu den Sternen zu fliegen

Dass noch nie jemand die Sterne gesehen habe, weil der Himmel von einer Wolkendecke abgeschirmt wird, hat bis jetzt noch jeder Mensch akzeptiert. Jeder außer Owen, der schon als kleiner Junge nach den Sternen fragt. Und fortan jede Minute seines Daseins damit verbringt, seine Flügel zu trainieren, um sein großes Ziel zu erreichen. Als jungem Erwachsenen gelingt es ihm endlich, dahin zu fliegen, wohin noch nie eines Menschen Flügel reichen konnten, doch dieses nie da gewesene Ereignis löst einen Dominoeffekt mit tödlichen Auswirkungen für die gesamte Menschheit aus.

Trotz seines Umfangs liest sich dieser Roman schnell

Bereits das erste Kapitel von Andreas Eschbachs monumentalen Romans „Eines Menschen Flügel“ zieht uns beim Lesen sofort hinein in diese unbekannte Welt, in der Owen und seine Mitbürger leben. Durch die atmosphärisch dichte und bildgewaltige Erzählung entstehen die Schauplätze vor dem eigenen geistigen Auge und lassen einen bis zur letzten Seite nicht mehr los. Im Übrigen liest sich dieses Buch trotz seines Umfangs ziemlich schnell. Denn stürzt man sich erst einmal hinein in diese zauberhafte, aufregende und irgendwie auch ein wenig magische Geschichte, lässt sie einen so schnell nicht mehr entkommen.

Andreas Eschbachs Beschreibungen sind beeindruckend real

Andreas Eschbach beschreibt seine Welt dermaßen detailliert und ausführlich, dass man das Gefühl hat, sie existiere wirklich. In einem Interview sagte er, dass er beim Schreiben mitunter selbst das Gefühl hatte, er schriebe keine ausgedachte Geschichte, sondern erzähle von Ereignissen, die die Protagonisten ihm aus erster Hand berichtet hätten.

„Eines Menschen Flügel“ lebt von einer poetischen Sprache

Wo ein simpler Satz genügen würde, da liefert Andreas Eschbach Poesie. „Das Meer, das ruhig und sattgrün dalag“, reicht nicht. Er zaubert daraus ein „von einer Farbe wie wogendes Moos, gesprenkelt mit hell schimmernden Fetzen kühlen Dunstes, der den Horizont weiß gegen den Himmel verschwimmen ließ.“ Natürlich ist seine eloquente und intensive Art zu schreiben der Hauptgrund dafür, dass dieses Buch, dessen Handlung gewiss auch auf 450 Seiten Platz gefunden hätte, dreimal so umfangreich ist. Ich bin von dieser liebevollen Art der Ausdrucksweise so begeistert, dass mir auch 2.000 Seiten nicht zu viel gewesen wären. Ein Teil von mir wünscht sich, dass diese Geschichte niemals geendet hätte.

Für mich eines der besten Bücher des SciFi-Fantasy-Genres

Diese Welt, so anders als unsere, befindet sich weit mehr als 1.000 Jahre in der Zukunft, der Roman ist also der Science-Fiction zuzuordnen. Die Lebensart der geflügelten Menschen, die unsere genetischen Nachfahren sind, ist aber sehr reduziert und analog dargestellt, was später im Buch genau erklärt wird, und dazu führt, dass man das Ganze fast eher als Fantasy liest. Die oben schon erwähnten Erklärungen, machen dieses ganze Werk aber dann letztendlich zu einem der besten Bücher seines Genres.

Andreas Eschbach arbeitet seit den 1990er-Jahren an dieser Idee

Die Idee zu „Eines Menschen Flügel“ hatte Andreas Eschbach bereits Ende der 90er-Jahre, er hat sie seinerzeit in einer Kurzgeschichten-Anthologie verarbeitet. Die Tatsache, dass er seither an dieser Idee gearbeitet, sie weiterentwickelt und mit allerhand Leben gefüllt hat, merkt man diesem wundervollen Buch auf jeder einzelnen Seite an. Aus so vielen Perspektiven, aus der Sicht so vieler Protagonisten erzählt, entwickelt diese spannende Geschichte eine Ganzheitlichkeit, die einen als Leser*in emotional vollkommen fesselt.

Hier steckt alles drin – Ehre, Treue, Angst, Liebe und Forscherdrang

Die Geschichte von Owen und seinen Artgenossen beinhaltet Ehre, Treue, Angst, Neugier, Lebensfreude, Liebe, Loyalität, Forscherdrang – kurz: Alles, was das Menschsein ausmacht. Die Entwicklung des Menschen, sowieso ein zentrales Thema in Andreas Eschbachs Büchern, erreicht durch den fliegenden Entdecker, im wahrsten Sinn des Wortes, eine neue Ebene. Der Fortschritt der Menschheit ist unaufhaltbar, Veränderung unabdingbar, doch sollten sie immer geprägt sein von einer Rücksichtnahme auf jedes Individuum unserer wertvollen Welt. Diese Botschaft ist in unseren sehr unsicheren und umwälzenden Zeiten wichtiger als je zuvor. Ich bin froh, dass es Andreas Eschbach war, der sie in die Welt getragen hat.

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Frau Bluhm

Geboren 1984 in Aschaffenburg als Katharina Bluhm, studierte Frau Bluhm Psychologie und wurde nach dem Studium Erzieherin. Als BUCHSZENE.DE-Kolumnistin entdeckt wurde sie wegen ihrer so sympathischen wie zutreffenden Rezensionen auf Lovelybooks.


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