Jörg Maurer: Den letzten Gang serviert der… | BUCHSZENE.DE

Der Alpenkrimi-König im Exklusiv-Interview – über tödliche Suppen, Bomben im Kühlschrank und seinen neuen Krimi „Den letzten Gang serviert der Tod“, der zeitgleich als Buch und Hörbuch erscheint.

Jörg Maurer legt gleichzeitig zum neuen Alpenkrimi das Kochbuch „Wer kocht, hat keine Zeit zu morden“ vor

13. Oktober 2020 | Interview: Jörg Steinleitner

Titelbild Interview Den letzten Gang serviert der Tod

©canadastock & InesBazdar shutterstock & Gaby Gerster

Mit etwas Glück können Sie ein Buch, Hörbuch oder Kochbuch von Jörg Maurer gewinnen. Wir verlosen jeweils 3 Exemplare!


Herr Maurer, in Ihrem Kriminalroman „Den letzten Gang serviert der Tod“ fällt schon gleich auf den ersten Seiten ein Hobbykoch einem üblen Mord am Herd zum Opfer. Sein Kopf wurde in einen großen Topf mit Bouillabaisse getaucht. Wie lange haben Sie an dieser Szene gearbeitet?

Sehr lange. Um das glaubhaft schildern zu können, habe ich es in meiner Küche mehrmals ausprobiert. Ja, ich gebe zu, ich bin naturalistischer Realist in der Tradition von Balzac, Dickens und Dostojewski. Deshalb habe ich mir genau überlegt, wie groß der Topf sein muss, damit das Ganze nachhaltig gelingt. Oder ob es statt mit einem Gasherd auch mit einem Elektro- oder Induktionsherd funktioniert. Und dann die Temperatur: Genügt eine leicht dahinsimmernde Brühe oder muss die Suppe richtig heiß brodeln? Sie glauben gar nicht, wie oft ich Bouillabaisse gekocht habe! Den ganzen Sommer gab es bei uns zuhause nichts anderes.

In diesem neuen Roman entpuppen Sie sich als Pilzkenner. Ist das alles angelesen oder können Sie uns einige interessante Steinpilzstellen am Fuß der Zugspitze verraten – das würde selbstverständlich unter uns bleiben …

Gleich bei mir hinterm Haus gibt es so eine geheime Schwammerlfundstelle. In manchen Jahren wachsen Steinpilze von fast rumänischer Qualität, in anderen setzt sich dann wieder eine tödlich giftige Pilzsorte durch, bei der einem schon beim Hinschauen schwummrig wird. Zu dieser geheimen Stelle habe ich schon viele private Führungen gemacht, mit wechselnden Ergebnissen, und natürlich nur gegen Vorkasse.

Der Tatort ist das Restaurant HUBSCHMIDT’s. Es firmiert als „Lodge, Resort, Mushrooms and More“ und liegt mitten im Wald. Waren Sie da schon mal essen?

Seit den tödlichen Vorkommnissen nicht mehr.

Gemeiner Gurkenschnitzling, Pappel-Schüppling … in Ihrem Roman kommen völlig irre Pilznamen vor. Welcher gefällt Ihnen am besten – und welcher Pilz schmeckt Ihnen besonders gut?

Die irren Pilznamen sind alle nicht von mir, die gibts wirklich. Und weil Sie nach meinem Lieblingspilz fragen: Das ist der Physarum polycephalum, im Volksmund auch „Blob“ genannt. Er ist allerdings nicht essbar, dafür wurde ein Sciencefiction-Film über ihn gedreht: „Blob – Schrecken ohne Namen“. Das muss man als Pilz erst mal hinkriegen.

Des Mordes verdächtig sind natürlich zu allererst die Mitglieder des Kochclubs – Ärzte, Unternehmer, Rechtsanwälte und der Laienschauspieler Pascal Bretten. Wieso kochen Akademiker und Künstler so gerne?

Vielleicht weil man beim Kochen am besten über ein neues Werk oder über ein neues Projekt nachdenken kann. Ich mache es genauso. Ich wandere zwischen Schreibtisch und Herd hin und her, schreibe hier ein paar Sätze, rühre dort ein bisschen um und lasse mich so wechselseitig inspirieren.

Ihr Lieblingsgericht?

Das Oberlandesgericht München. Nur mit dem Urteil war ich nicht so recht zufrieden.

Sie erzählen auch von einem veganen Oberförster. Mal ganz ehrlich: Auf diesen Einfall sind Sie nach dem Genuss von Magic Mushrooms gekommen, oder?

Bekanntlich gibt es in meiner Verwandtschaft einige Förster, Jäger, Wilderer und Gejagte. Einer von denen, ein entfernter Großstiefadoptivonkel, lebte angeblich vegan.

Kommissar Jennerweins Kollege Hölleisen zieht auch einen Problembären als Tatverdächtigen in Erwägung. Können Sie irgendetwas zur Entlastung der Tierwelt vorbringen?

Nein. Ein Kriminalautor entlastet seine Figuren nicht. Er schreibt sie ins Verderben. Bären machen da keine Ausnahme.

Die Mordmethoden und -werkzeuge sind auch mysteriös: ein Topf mit kochend heißer Brühe, ein scharfes Küchenmesser, eine schwere Bratpfanne, schließlich ein Teller mit Giftpilzen.

 Natürlich. Küchen sind richtiggehende Waffenarsenale. In meiner Küche hängt zusätzlich noch eine abgesägte Schrotflinte an der Wand, nur der Vollständigkeit halber.

Jennerwein hat ja recht eigene Ermittlungsmethoden. Ohne zu viel zu verraten – mithilfe welcher scharfsinnigen Schritte kommt er der Lösung der rätselhaften Mordfälle näher?

In diesem Fall liegt eine Leiche in einer recht seltsamen Stellung am Boden. Ein Kollege erklärt sich bereit, sich ein paar Dutzend Mal hinfallen zu lassen. Er kommt aber nie so zu liegen, wie die Leiche gelegen ist. (Oder habe ich jetzt zu viel verraten?)

Zu Ihrem aktuellen Krimi gibt es dieses Mal auch – quasi als Begleitlektüre – das Kochbuch „Wer kocht, hat keine Zeit zu morden“. Sind da auch Rezepte enthalten, mit denen man unliebsame Zeitgenossen loswerden kann?

Sie meinen, dass die nie mehr zum Essen kommen? Da genügt eine Hand voll Salz mehr als vorgeschrieben. Oder die doppelte Kochzeit bei Nudeln. Oder meinen Sie, dass die unliebsamen Zeitgenossen dauerhaft nie mehr zum Essen kommen? Da bräuchte es dann schon den Pilz, der an der geheimen Stelle hinter meinem Haus wächst. Oder die abgesägte Schrotflinte.

Was haben Sie immer im Kühlschrank?

Etwas Sprengstoff. Zwischen Milch und Käse. Da hat er die richtige Lagertemperatur.

Wenn man das Hörbuch zu „Den letzten Gang serviert der Tod“ hört, bekommt man wegen der vielen Gerichte, die Sie zitieren, unweigerlich Hunger. Was tun Sie selbst dagegen, dass Ihnen im Hörbuchstudio das Wasser im Munde zusammenläuft?

Ja, das war wirklich ein Problem bei den Aufnahmen. Was der Tontechniker Mühe hatte, die ganzen Schmatzer, das viele Magenknurren und die Wasser-im-Mund-zusammenlauf-Geräusche herauszuschneiden! Da könnte man eine eigene CD draus machen.

Am Ende ist es die Tonaufnahme eines Handys, die einen hinkenden Täter ins Blickfeld rückt …

Ja schon, aber ob das der wirkliche Täter ist …?

Ich danke Ihnen für Ihre Ehrlichkeit.

Für die nicht.


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