Elizabeth Buchan: Das Museum der unerf... | BUCHSZENE.DE

Ein Au-Pair, ein rebellischer Musiker und eine durch und durch ungewöhnliche Museumsidee. Elizabeth Buchans „Das Museum der unerfüllten Versprechen“ ist ein Roman über Liebe, aber auch über Politik.

Mit „Das Museum der unerfüllten Versprechen“ versetzt uns Elizabeth Buchan nach Prag, Paris und Berlin

9. Oktober 2020 | Stephanie Pointner

Titelbild Das Museum der unerfüllten Versprechen

©GoneWithTheWind shutterstock-ID 223704262

Das Museum der unerfüllten Versprechen soll Menschen helfen

Lauren führt das einzigartige „Museum der unerfüllten Versprechen“ im Herzen von Paris. Ausnahmslos jedes Ausstellungsstück ist sorgfältig gewählt und erzählt die oftmals sehr berührenden Geschichten seiner früheren Besitzer. Diese Geschichten sind geprägt von Trauer, Verrat und Enttäuschungen. Den Besitzern soll das Ausstellen die Möglichkeit bieten, mit der Vergangenheit ins Reine zu kommen. In den Museumsräumen finden sich beispielsweise Babyschuhe oder ein Brautschleier.

Eine zarte, sehr gefährliche Liebe im Prag der 1980er-Jahre

Es werden aber auch Ausstellungsstücke präsentiert, bei denen die Hintergrundgeschichten nicht ganz so offensichtlich sind. So hat Lauren selbst den Exponaten ein Zugticket aus den 80er Jahren und eine Marionette beigefügt. Erst nach und nach erzählt sie einer Journalistin die berührende Geschichte hinter den Gegenständen. Sie handelt von einer zarten, aber sehr gefährlichen Liebe im Prag der 80er Jahre. Diese Liebe endete mit großem Verrat, Schuldgefühlen und einem gebrochenen Herzen.

Das unbedarfte Au-Pair und der rebellische Musiker

Lauren arbeitet 1985 als Au-Pair für eine tschechische Familie in Paris. Ihr Arbeitgeber muss aus beruflichen Gründen zurück nach Prag und Lauren begleitet die Familie. Das junge Mädchen lernt den rebellischen Musiker Tomas kennen und lieben. Da Lauren in politischer Hinsicht sehr unbedarft ist, fasziniert sie Tomas regimekritisches Engagement und auch sie beginnt sich zu beteiligen. Doch dabei unterschätzt sie die Macht und Skrupellosigkeit des Regimes und die junge Liebe gerät in große Gefahr.

Elizabeth Buchans Schreibstil zwingt uns, zwischen den Zeilen zu lesen

Elizabeth Buchan zeigt mit „Das Museum der unerfüllten Versprechen“ einen sehr feinen und eleganten Schreibstil und ein unglaubliches Gespür für Zwischentöne. Dies erfordert beim Lesen große Konzentration, da man viel zwischen den Zeilen herauslesen muss. Egal, ob es um die frische Liebe zwischen Lauren und Tomas oder deren regimekritisches Handeln geht, vieles findet zwischen den Zeilen statt, dennoch ist die Bedrohung auf jeder Seite spürbar. Auch Laurens späteres Leben in Berlin und Paris ist noch geprägt von der Trauer um diese verlorene Liebe und von dem verzweifelten Wunsch die wahren Hintergründe herauszufinden. Allerdings wird auch hier wenig vordergründig erzählt und man ist erneut gezwungen, die Zwischentöne zu erkennen und sich die eine oder andere Information selbst zusammen zu reimen. Diese Art des Schreibens ist zwar fesselnd, auch lässt sie dem Leser ausreichend Platz für eigene Gedanken und Vorstellungen, allerdings gehen dadurch leider auch viele Emotionen verloren. Gerade bei den Beschreibungen der Ausstellungsstücke und deren Hintergründen kann die Autorin leider das Potenzial nicht ganz nützen. Deshalb können mich diese schicksalhaften Geschichten nicht emotional berühren.

Der Aufbau des Romans ist geglückt und ergibt ein rundes Ganzes

Entgegen meinen Erwartungen steht im Roman nicht das titelgebende Museum im Vordergrund. Ganz im Gegenteil dient es nur als Einstieg und sichert einen runden Abschluss der Geschichte zwischen Lauren und Tomas. Der Großteil der Story beschreibt Laurens Au-Pair-Zeit in Prag und ihr späteres Leben in Berlin, Laurens Verzweiflung über das letzte unerfüllte Versprechen von Tomas und den Wunsch herauszufinden, was aus ihm wurde. Dieser Aufbau ist geglückt, raffiniert und führt dazu, dass der Roman ein rundes Ganzes ergibt.

Das Prag der 80er, das Berlin der 90er und das Paris der Gegenwart

Besonders gelungen und faszinierend sind Elizabeth Buchans detailreiche und atmosphärische Beschreibungen der drei Städte zu den unterschiedlichsten politischen Epochen. Die Einschränkungen und Bedrohungen durch den Kommunismus, die Angst vor Spitzeln und die Atmosphäre nach dem Mauerfall stellt Elizabeth Buchan authentisch dar, womit sie den einen oder anderen Gänsehautmoment schafft. Aber auch die lebensfrohen Einstellungen im heutigen Paris kommen nicht zu kurz und ermöglichen Einblicke in drei komplett unterschiedliche Städte und geschichtliche Epochen.

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